ÜBER DEN WAHRHEITSGEHALT DER ISLAMISCHEN GESCHICHTSSCHREIBUNG UND DAS BIRMINGHAM KORANFRAGMENT

Immer, wenn es zu Diskussionen über die Osmanen kommt, bekomme ich den Eindruck, dass manche Diskutanten diese Zeiten mit eigenen Augen erlebt haben müssen. Null Ahnung, aber eine Meinung. Nicht anders sieht es mit dem Islam aus. Wie kann nur so vieles von damals bis heute richtig übermittelt worden sein. Man kann die Barthaare vom Propheten und ein Fußabdruck im Topkapi Museum bewundern. Wer kommt zu der damaligen Zeit auf die Idee, als Mohammed lebte, ein Fußabdruck von ihm zu machen, oder die Barthaare von ihm aufzuheben? Wahrscheinlich niemand. Sicher würden sich alle dagegen sträuben, wenn man eine DNA-Analyse von diesen Barthaaren machen wollte. Egal, Freund Emrah Erken (RA Zürich und Blogger des Herrn), hat alles detailliert unter die Lupe genommen.

Hier sein Blogartikel aus ‘Freiheit oder Scharia’

Gewiss hat sich die Leserin oder der Leser auch schon gefragt, wie es dazu kam, dass die Welt so unglaublich viel über den Propheten des Islam, Mohammed, und überhaupt über die Geschichte des Frühislam Bescheid weiss, respektive Bescheid zu wissen glaubt. Nahezu jede Station seines Lebens, wobei dies auch Alltagssituationen sein können, seine Angewohnheiten, seine Sprüche, seine Lieblingsspeisen, was er vom Zähneputzen hielt, seine Lieblingsfrauen, die Namen seiner Gefährten, seine Schlachten, seine Eroberungen scheinen bekannt zu sein, aber auch, wie es nach seinem Tode weiterging, inklusive Jahreszahlen. Aber woher kommen diese Informationen, die detaillierter nicht sein können, so dass ein Hamad Abdel-Samad sich sogar in der Lage sieht, im Propheten Mohammed einen psychisch kranken Menschen zu erkennen und ihn damit sogar zu pathologisieren? Die Antwort darauf ist relativ einfach: Beinahe alles, was die Welt über Mohammed zu wissen glaubt, geht auf die Hadith- und Sira-Überlieferung zurück. Es gibt zwar eine kleine Zahl von umstrittenen ausserislamischen Quellen wie die Doctrina Jacobi, welche die angebliche Historizität Mohammed belegen sollen. Die umfangreichen und detaillierten Informationen über Mohammed gehen allerdings ausschliesslich auf die Hadith- und Sira-Quellen zurück.

Hadithe, über die ich schon einmal geschrieben habe und für deren weitere Details ich auf meinen früheren Aufsatz verweisen möchte, beinhalten Sprüche, Befehle, Taten und Unterlassungen des Propheten in ganz konkreten Situationen. Diese bilden für den gläubigen Muslim gewissermassen eine Richtschnur für eigenes Verhalten. Andererseits stellen sie immer wieder den Offenbarungszusammenhang einer Koransure her, ohne den das traditionelle Verständnis und die Interpretation des Korantextes oft nicht möglich wäre. Mit anderen Worten beschreiben die Hadithe nicht nur Alltagssituationen des Propheten. Sie beschreiben auch die genauen Umstände, als diese oder jene Sure über den Erzengel Gabriel von Gott gegenüber Mohammed offenbart worden sei. Die Sira hingegen ist eine fromme Prophetenbiographie, die kanonisch ist.

Im sunnitischen Islam sind sechs Hadith-Sammlungen kanonisch. Es handelt sich dabei um Sahih Bukhari und Sahih Muslim, die heiligsten Hadith-Quellen des sunnitischen Islam sowie um Ibn Madsch, Abu Dawud, Tirmidhi und Nasa’i. Die Autoren dieser Werke sind zwischen den Jahren 870 und 915 verstorben und haben damit über Vorgänge geschrieben, die sich angeblich zwischen den Jahren 610 (angeblicher Zeitpunkt der ersten Offenbarung und damit Prophetwerdung Mohammeds) und 632 (angeblicher Tod Mohammeds) abgespielt hätten, was so viel heißt, dass diese angeblichen Ereignisse und Alltagssituationen mindestens 200 Jahre später schriftlich niedergelegt wurden. Vor der Niederschrift seien die Hadithe gemäß Darstellung der Tradition und der ihr völlig unkritisch folgenden traditionellen Islamwissenschaftlern mehrere hunderttausendfach mündlich überliefert worden, und dabei Dinge wie, dass der Prophet Honig gemocht habe oder Ratschläge gegeben habe, wie man sich verhalten müsse, wenn jemand während des Gebets furze. Bei der Sira sieht es nicht wesentlich besser aus. Auch dort ist die früheste Quelle die von Ibn Hisham, der 833 gestorben sei. Mit anderen Worten verstarb der Verfasser der frühesten erhaltenen schriftlichen Quelle über Mohammeds Lebensgeschichte ganze 201 Jahre nach dessen angeblichem Tod.

Ibn Hisham soll allerdings einiges von der nicht mehr erhaltenen Sira von ibn Ishaq übernommen haben, der 767 gestorben sei. Weshalb die islamische Histographie nicht um den Erhalt des früheren Werkes bemüht war, das in zeitlicher Hinsicht näher zu den angeblichen Ereignissen um einen arabischen Propheten namens Mohammed stand, ist meines Erachtens unerklärlich und lässt Zweifel aufkommen. Es ist gut möglich, dass gewisse Inhalte dem späteren „Biographen“ nicht so ins Konzept passten. Wir wissen es nicht. Meines Erachtens kann man nicht einmal mit hundertprozentiger Sicherheit sagen, ob diese angeblich frühere Sira jemals existierte. Sowohl Hadithe als auch die Sira sind theologisch, religionspolitisch und damit auch gesellschaftspolitisch motiviert und sie richten sich damit in erster Linie gegenüber den Gesellschaften, in welchen diese Schriften verfasst wurden und zwar zum Zeitpunkt, als sie effektiv geschrieben wurden. Mit anderen Worten sind nicht nur die vielen Jahre zwischen dem angeblichen Tod des Propheten Mohammed und der Abfassung dieser Schriften problematisch sowie die Darstellung von profansten Lebenssituationen, um die Übermittlung unglaublichster Details über das angebliche Leben von Mohammed für glaubhaft zu halten, sondern auch die Motive der Verfasser.

Sowohl bei den Hadithen als auch bei der Sira beruht die Glaubhaftigkeit der angeblich zuvor stattgefundenen Überlieferung auf den Isnad, d.h. auf die Vertrauenswürdigkeit der Kette der mündlichen Überlieferer, wobei bei den Hadithen unterschiedliche Grade der Vertrauenswürdigkeit existieren. Faktisch funktioniert die Übertragung so:

A hat von B gehört, dass dieser von C vernommen habe, was dieser von D erfahren habe, der seinerseits von E mitbekommen habe, (…), dass der Prophet des Islam in jener konkreten Situation dies und das gemacht habe und dabei die folgenden Worte gesprochen habe, was ein Begleiter von ihm – beispielsweise Abu Huraira – bezeugt habe.

Auf diese Art und Weise soll also jede erdenkliche Information über Mohammed zunächst mündlich überliefert worden sein, wobei „Wissenschaftler“, die 200 Jahre und mehr nach seinem angeblichen Tod gelebt haben, unter Anwendung von mindestens aus heutiger Sicht völlig unbrauchbaren Methoden, diese nach ihrer „Authentizität“ aus hunderttausenden von Quellen relativ willkürlich zusammengetragen haben.

Wer an den Wahrheitsgehalt solcher Geschichten glaubt, sollte sich meines Erachtens als gläubiger Muslim betrachten. Mit Geschichtswissenschaft hat das ganz offensichtlich nichts zu tun und aufgrund der großen Ferne zwischen der Niederschrift und dem effektiven Ereignis (sofern dieses überhaupt stattfand, was anzuzweifeln ist) kann diese Konstellation auch nicht mit der historisch-kritischen Jesus-Foschung gleichgesetzt werden. Der erste christliche Text stammt von Paulus (1. Thessaloniker Brief) und dürfte im Jahr 41 n. Chr. verfasst worden sein. Bart Erhman etwa nimmt an, dass die Bekehrung dieses Paulus, der später die Jerusalmer Urgemeinde besuchen und Leute wie Petrus kennen lernen sollte, circa im Jahr 33 n. Chr. stattfand, d.h. ungefähr 2-3 Jahre nach der Kreuzigung Jesu.

Das Problem bei der islamischen Geschichtsschreibung liegt allerdings nicht nur in der Lebensgeschichte von Mohammed sondern in der gesamten Frühgeschichte des Islam, die, anders als viele denken, kaum fassbar ist. Ich habe dieses Thema bereits in meinem Aufsatz über den Felsendom in Jerusalem eingehend behandelt. Ein schönes Beispiel dafür sind auch die angeblichen frühen islamischen Eroberungen nach dem angeblichen Tod Mohammeds, die bei vielen Europäern heute noch Entsetzen hervorrufen. Gemäß islamischer Histographie und nach Ansicht der traditionellen „Islamwissenschaftlern“, die dieser theologisch und politisch motivierten Darstellung völlig unkritisch folgen, sollen die Muslime in atemberaubend kurzer Zeit einen wesentlichen Teil der damals bekannten Welt erobert haben. Hier die Stationen dieser angeblichen Eroberungen während 100 Jahren nach dem angeblichen Tod Mohammeds im Jahr 632:

  • Die Schlacht am Fluss Jarmuk und die Schlacht bei Qadissiyya (angeblich ca. 636)
  • Die Eroberung Syriens und Palästinas ( angeblich ca. 634-640)
  • Die Eroberung von Ktesiphon (angeblich ca. 637)
  • Die Eroberung Jerusalems (angeblich ca. 638)
  • Die Eroberung Iraks (angeblich ca. 641) und Irans (angeblich ca. 642)
  • Die Eroberung Ägyptens (angeblich ca. 642)
  • Die Eroberung Nordafrikas (angeblich ca. 699-705)
  • Die Eroberung Spaniens und Südfrankreichs (angeblich ca. 711-732)

Es gibt allerdings auch kritische Wissenschaftler, welche die islamische Histographie nicht für bare Münze nehmen und der Sache etwas näher an den Grund gehen. Sie sehen in der Entstehung des Islam einen historischen Prozess, der in erster Linie durch das Machtvakuum entstanden ist, welches durch den freiwilligen Rückzug von Byzanz aus vielen ehemaligen Reichsgebieten herbeigeführt sei, die aufstrebenden Araber dieses Machtvakuum allmählich gefüllt haben und diese angeblichen Eroberungen damit gar nicht stattgefunden hätten. So beispielsweise Yehuda D. Nevo und Judith Koren in ihrem im Jahr 2003 erschienen Werk „Crossroads to Islam“, welche früheste Quellen untersucht haben. Gemäß ihrer – meines Erachtens korrekten Darstellung – war Mu’awiya (ca. 603-680) der erste fassbare Kalif (wobei dieser Begriff damals eine völlig andere Bedeutung hatte) und die Religion, die man heute als Islam bezeichnet, dürfte in ihrer ursprünglichsten Form auf ihn zurückgehen. Eine meiner wichtigsten Erkenntnisse aus diesem Buch ist allerdings, dass die  angeblich Eroberten von diesen vorhin angesprochenen angeblichen Eroberungen gar nichts mitbekommen haben. Zeitgenössische nichtislamische Quellen (beispielsweise Aufzeichnungen von Klöstern) die zum Zeitpunkt dieser angeblichen Eroberungen vor Ort verfasst wurden, wissen darüber nichts, obwohl derart weitreichende Ereignisse kaum unbemerkt stattfinden können. Ergo: Sie haben auch nicht stattgefunden. Die Eroberungsfantasien im Islam sind damit vielmehr Teil dessen politisch durchsetzten Theologie und damit ist nichts anderes beabsichtigt als, dass die Gläubigen die „wahre Religion“ – und nicht jene der Christen und der Juden – verbreiten und dabei befugt sind, das Äußerste zu unternehmen.

Ein erhebliches Problem für den Wahrheitsgehalt der islamischen Histographie ist mit der Entdeckung des sogenannten Birmingham Koranfragments im Jahr 2015 hinzugekommen. Bevor ich darauf eingehe, braucht es allerdings einige Informationen als Vorwissen, was für das Erfassen der Bedeutung dieser bahnbrechenden Entdeckung relevant ist. Gemäß islamischer Tradition und nach Ansicht der ihr sklavisch folgenden traditionellen Islamwissenschaftlern soll der Koran in seiner jetzigen redaktionellen Endform, d.h. in der Form eines Buches, zum Zeitpunkt des angeblichen Todes des Propheten Mohammed (632) gar noch nicht existiert haben. Die Gläubigen hätten die Suren des Koran vom Propheten mündlich vorgetragen bekommen und diese hätten sie in erster Linie auswendig gelernt, während sie freilich auch weitere Dinge auswendig gelernt hätten, wie beispielsweise seine Worte, die später angeblich in den Hadithen und der Sira Niederschlag gefunden haben sollen, die ich vorhin angsprochen habe. Die nachfolgende Hadith-Stelle beschreibt, wie dieses Auswendiglernen „faktisch“ stattgefunden haben soll, was bei einem gläubigen Muslim diese angebliche lückenlose Auswendiglernerei der “frühen Muslime” vermutlich glaubhaft macht.

Aus Sahih Bukhari, im Kapitel über das Wissen:

Abu Huraira berichtet:

Ich sagte: „Oh Gesandter Gottes, ich höre von dir so viele Hadithe, aber oft vergesse ich sie wieder.“ Der Prophet antwortete: „Breite deinen Mantel aus.“ Ich kam dieser Aufforderung nach. Danach bewegte der Prophet seine Hände, als schöpfe er etwas in meinen Mantel hinein. Dann sagte er: „Jetzt zieh ihn wieder an.“ Ich tat, was er gesagt hatte, und seitdem habe ich nichts mehr vergessen!

Mit anderen Worten soll das Buch Koran, welches im Islam bekanntlich eine hervorragende Rolle spielt, in den ersten Jahren dieser Religion, selbst noch nicht existiert haben, also nicht einmal zu Lebzeiten von Mohammed. Erst nach dem angeblichen Tod des Propheten (632) habe der dritte Kalif der Muslime, ein gewisser historisch nicht fassbarer Uthman, der angeblich in den Jahren 644-656 geherrscht haben soll, den Koran in der angeblich heute noch geltenden Form kanonisieren lassen. Sehr wichtige Bemerkung: Auch die Reihenfolge der Suren, die keiner Chronologie folgt, sondern diese der Länge nach aneinanderreiht, wobei die erste Sure des Koran (al-Fatiha) aufgrund deren grossen Bedeutung eine Ausnahme bildet, soll auf diesen gewissen Uthman zurückgehen. Die längeste Sure des Koran ist gemäss dieser Logik die 2. Sure des Koran, al-Baqara (die Kuh), obwohl es sich dabei um eine sogenannte “medinische Sure” und damit eine in zeitlicher Hinsicht spätere Sure handelt.

Klammerbemerkung: Ich gehe auch davon aus, dass die sogenannten “mekkanischen Suren” früher entstanden sind als die sogenannten “medinischen Suren”. Nur denke ich nicht, dass der Koran im heutigen Saudi Arabien verfasst worden ist, sondern sehr wahrscheinlich in der syrischen Heimat von Mu’awiya.

Gemäss Darstellung der Tradition hingegen soll die Kanonisierung des Koran in dieser eigenartigen Form durch Uthman 20 Jahre nach dem angeblichen Tod Mohammeds, d.h. ca. im Jahr 652 erfolgt sein. Uthman habe dann die heute noch geltende Fassung des Koran in alle Ecken des Reiches geschickt.

Das im Jahr 2015 von Alba Fedeli entdeckte in kufischer Schrift geschriebene Birmingham Koranfragment steht in einem eklatanten Widerspruch zu dieser traditionellen Darstellung. Die Radiokarbondatierung des Dokuments ergab mit einer 95,4% Vertrauenswürdigkeit, dass das Koranfragment zwischen 568 und 645 verfasst wurde. Hinzu kommt dieses bereits vorhin angesprochene wichtige Detail: Die Fragmente enthalten Teile der früheren sogenannten “mekkanischen Suren” 18 bis 20 (Schluss von 18 bis und mit Anfang von 20) in der heute noch „geltenden“ Reihenfolge, d.h. sie folgen der weiter oben erwähnten uthmanischen Logik mit dem nichtchronologischen Reihenfolge der Suren, die der Länge nach nummeriert sind, ausser wie erwähnt die erste Sure des Koran al-Fatiha mit ihren 7 Versen aufgrund ihrer grossen Bedeutung, weil diese Sure das islamische Hauptgebet bildet.

Zum Vergleich hier nochmals die wichtigsten Zahlen:

  • Angebliche Geburt Mohammeds: 570
  • Angeblicher Tod Mohammeds: 632
  • Kanonisierung des Korans durch Uthman mit der uthmanischen „Logik“: angeblich ca. 652

In Anbetracht des Alters des Birmingham Koranfragments (568-645) bedeutet dies, dass sich die islamische Histographie im allergünstigsten Fall um 7 Jahre irrt, falls es sich bei diesem Fragment um einen Teil aus dem ursprünglichen Uthman Codexes handeln sollte, der von diesem in alle Ecken des Reiches geschickt worden sei, was man ohne weiteres als unbewiesen betrachten oder sogar bestreiten kann. Obwohl nämlich der Text im Fragment dem heutigen Standardtext entspricht, existieren erhebliche Unterschiede in der Orthographie und auch die Verse sind anders getrennt als im heutigen Standardtext. Im ungünstigsten Fall hingegen irrt sich die Tradition um ganze 84 Jahre und es ist aufgrund der Radiokarbondatierung sogar möglich, dass dieses Dokument zwei Jahre vor der angeblichen Geburt Mohammeds verfasst wurde, der gemäß islamischer Darstellung erst ab seinem 40. Lebensjahr (610) Koransuren empfangen habe.

Konfrontiert mit diesen Zahlen denken einige Islamwissenschaftler, die grundsätzlich der Darstellung der Tradition folgen und an die Existenz Mohammeds glauben, dass dieses Koranfragment aus der Zeit von Mohammed selbst stammen müsse, was aber aufgrund der vorhin erwähnten Reihenfolge von anderen Islamwissenschaftlern vehement ausgeschlossen wird. Andere wiederum denken, dass dieser Uthman seine Redaktion offenbar früher als angenommen vorgenommen habe und identifizieren den Text als Teil des ursprünglichen Codexes und andere meinen wiederum, die Radiokarbondatierung könne nicht stimmen. Damit versuchen diese sogenannten „Wissenschaftler“, das Dokument mit der theologisch motivierten traditionellen Darstellung der Frühgeschichte des Islam zu versöhnen, die auf eine völlig unwissenschaftliche Art und Weise zustande kam, wie ich es oben beschrieben habe. Mit wissenschaftlicher Forschung hat dieses ergebnisorientierte Vorgehen der traditionellen Islamwissenschaftler natürlich nichts zu tun.

Weitere Untersuchungen des Dokuments stehen noch an und man darf gespannt sein, was dabei herauskommt. Was allerdings bereits heute gesagt werden kann ist, dass die sogenannten „Revisionisten“ (beispielsweise jene der Inarah-Gruppe) mit der Entdeckung des Birmingham Koranfragments Recht behalten haben. Die Entstehung des Koran hat mit der wesentlich später erfundenen Mohammed-Figur und dem damit entstandenen Mohammed-Kult, was nicht von einem Tag auf den anderen geschah, sondern wie so vieles im Islam ein längerer Prozess war, ganz offensichtlich nichts zu tun.

Von Emrah Erken, 14. 02. 2019

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