Es war ein regnerischer Tag, als der türk. Journalist sich entschied, die Wahrheit zu schreiben.

Hürriyet war eines der ersten türkischen Zeitungen, die man in Deutschland an den großen Bahnhöfen kaufen konnte. Die ersten Gastarbeiter, denen man am Hauptbahnhof in Köln z.B. begegnete, hatten zumeist eine Zigarette im Mund und ein Hürriyet unterm Arm. Wenn du dich mit einem Unbekannten am Hauptbahnhof verabredet hattest und ihm sagtest, du würdest ein Hürriyet unterm arm tragen, damit er dich erkennt, warst du verloren. Hundert andere taten es nämlich auch. Es kann durchaus sein, dass dadurch andere Paarungen an Männern und Frauen entstanden.

In den Jahren mit Erdogan, wurde die Hürriyet zu einem Bukalemun. Sie passte sich dem Gelände und den Geschehnissen an. Oft konnte man auch Regierungskritisches lesen, dann wieder auch nicht. Vor zwei Jahren dann endlich der letzte Akt. Die Zeitung ging zu der AKP und Erdogan nahe stehenden Demirören-Gruppe über. Endlich konnte man sicher sein, für wenn das Blatt schreiben würde. Übrigens ist nicht klar, ob der ehemalige Besitzer Aydin Dogan Geld vom Verkauf erhielt. Letztes Jahr kursierten Nachrichten, dass er sein 890 Millionen USD Scheck bei der Ziraat Bank nicht einlösen konnte. Da Dogan in seinem hohen Alter vor der Wahl stand, Knast oder Verkaufen, hat er sich für die zweite Variante entschieden. Dabei vergaß er, dass man heutzutage in der Türkei auch die dezenten Enteignungen, ‘Verkauf’ nennt.

Jetzt hat hurriyet.de auf wundersame Weise die Wahrheit geschrieben, nämlich dass die Megaprojekt der Türkei allesamt ein Fass ohne Boden sind. Ich glaube nicht, dass die Meldung in der türkischen Printausgabe erschienen ist. Dennoch, dass die Wahrheit in Deutsch erschien, finde ich ganz toll.

Natürlich ist der Beitrag in den sozialen Medien geteilt worden. Die Stellungnahmen der AKPisten sind die gleichen. Hurriyet soll ein Gülen-Blatt sein. Nein liebe Leute, das Blatt ist durch und durch AKP. Nur scheint jemand in der deutschen Redaktion, einen Anfall von Wahrheitsdrang verspürt zu haben.

Hier der Beitrag aus dem Hürriyet.de

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