Die Wirtschaft gibt es auch tiefgefroren

Schon früh hat man die türkische Wirtschaft eingefroren, oder besser gesagt die Krise in der türkischen Wirtschaft. Das Wort ‚Krise‘ durfte man nicht in den Mund nehmen. Noch vor wenigen Jahren mussten sogar Minister gehen, weil sie es doch taten.

Auch das Tiefgefrorene hat ein Haltbarkeitsdatum. Die Wahlen im Juni 2018 überstand Erdogan mit tiefgefrorener Krise. Zeitweilig hat irgendwer die Tiefkühltruhe vom Strom genommen. Es fing an aufzutauen.

Abermals musste die Regierung Geld in die Wirtschaft pumpen. Nicht, damit die Unternehmen in ihre und damit in die türkische Zukunft investierten nein, um den Augenblick zu retten. Alte Schulden mit frischem Geld strecken und noch mehr Schulden machen.

Auch, wenn es nicht gesund ist, das frisch Aufgetaute nochmals einzufrieren, tat man es dennoch. Die türkische Wirtschaftskrise ist abermals eingefroren worden. Leider, aus der Sicht von Erdogan, sind es noch anderthalb Monate hin, bis zu den Kommunalwahlen. Wird die Tiefkühltruhe noch so lange funktionieren können?

Sicher ist, dass nach dem zweiten Auftauen, nicht mehr viel funktionieren wird. Schon 2018 haben 106.000 Unternehmen dicht gemacht. Die Arbeitslosigkeit steuert neue Rekorde an.

Die Umfragewerte im Vorfeld der Kommunalwahlen sind entsprechend schlecht für die AKP und Erdogan. So wie eigentlich auch vor den für ihn so entscheidenden Wahlen zum 24. Juni 2018, wo er schlaflose Nächte hatte und am nächsten Tag vor laufenden Kameras einschlief.

Den Dreh mit der Wahlfälschung, scheinen seine Leute raus zu haben und das so gut, dass er total cool durch die Gegend läuft. Die Körpersprache sagt: „Wir können nicht verlieren.“  Es geht um die großen Metropolen, wie Istanbul, Izmir und Ankara. Verliert er sie, kann er unter normalen Umständen sich schwerlich an der Macht halten.

Klar geht das mit dem Machterhalt in einem Polizeistaat immer, aber wie wird das Volk wird dann Mut schöpfen und wird es sich laut zu Wort melden? Noch gestern tat er die frohe Botschaft kund, dass die Wähler 200 Gramm Tee der besten Sorte, nach Hause geliefert bekommen werden. Die Wählerstimmen werden immer günstiger, wie ihr merkt. Diese Art von Wahlgeschenken ist für die AKP kostenlos, wie der gesamte Wahlkampf. Da die Türkei eine Art Demokratie ist, werden die Wahlkampfkosten vom Staat übernommen, aber nur für eine Partei, nämlich für die AKP.

Da ist er wieder bei der Grundsteinlegung des Atatürk Kulturzentrums im Fernsehen. Jemand vergisst sein Mikrofon auszuschalten. Der Projektleiter sagt, dass kein Geld mehr da ist, es wäre ein Desaster. Die Krise wurde somit über die Lautsprecher verkündet. Wollen wir mal nicht so sein. Tun wir so, als hätten wir es nicht gehört.

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