„SAY SAYS WITH MUSIC“

Wenn schon jeder seine Meinung kundtut, sollte ich nicht fehlen. Wir sahen auf der Bühne, den größten türkischen Virtuosen und Weltstar überhaupt und den Alleinherrscher.

Nazım Hikmet Ran, türkischer Dichter und Dramatiker. Er gilt als Begründer der modernen türkischen Lyrik und gilt als einer der bedeutendsten Dichter der türkischen Literatur mit Weltruf. Er hat es auf eigenem Leibe erfahren müssen, was es bedeutet, heimatlos und aus seinem geliebten Türkei und Istanbul, woher er seine Kraft und Inspiration schöpfte, vertrieben zu sein. Die meiste Zeit seines Lebens saß er im Gefängnis, oder war im Exil, wo er auch verstarb.

Das möchte Say vermeiden. Wenn er nicht auf Tournee ist, oder in Deutschland, ist er die meiste Zeit in der Türkei. Er komponiert und schöpft neue Kraft für die bevorstehenden Konzerte.

Oft war er wegen Nichtigkeiten angeklagt und hat es als Regimekritiker doch geschafft die Klippen zu umschiffen. Es wird aber immer schwieriger. Die Staatstheater haben mittlerweile statt Intendanten, von der AKP entsandte Geschäftsführer, die bestimmen, wo es lang zu gehen hat. Mit den Musikschulen sieht es nicht anders aus. Damit dem Volk nicht zu viel Wissen zu teil wird, hat man in 2017, ohne Meuterei seitens des Volkes, die Nationalbibliothek in Ankara dicht gemacht. Seitdem kräht kein Hahn mehr danach.

„Die Kunst ist zwar nicht das Brot, wohl aber der Wein des Lebens“ sagte Jean Paul. Mag sein, dass es mit dem Wein zu tun hat, dass die Kunst im Islam auch kein Platz hat.

Was soll Say in so einer Situation, die wir in der Türkei vorfinden, machen?

Er hat es getan. Er hat den Alleinherrscher der Türkei zu einem Konzert eingeladen, eine Woche nachdem dieser, am 10. Januar, in einer Wutrede über Mozart und Bier gesagt hat: „Das ist Faschismus!“

Somit hat der Alleinherrscher 180 Grad kehrt gemacht und ist diesen, für ihn so bitteren Weg gegangen. Ich denke, dass die Berater ihm dazu geraten haben, sich doch mit weltlicheren Dingen zu befassen und neben dem einzigen türkischen Weltstar zu Punkten. Das hat leider nicht funktioniert. Weder bei seinen Gegnern, die er mit diesem Bild täuschen und den Eindruck erwecken wollte, er hätte was übrig für die Kunst, noch bei den Seinen. Jedenfalls wird er von den AKPisten kritisiert, warum er den zu einem Say Konzert ging, wo er doch vorher, durch die Jahre, kein gutes Haar an ihm ließ.

Wir sollten hier nicht über Gewinner und Verlierer sprechen.

Links, ein höfflicher Mensch und großer Künstler mit Anstand, rechts der Alleinherrscher der Türkei.

Seine Presse versucht über dieses Foto zu punkten. Nur, wer Say kennt, weiß, dass er sein Publikum, exakt in dieser Haltung begrüßt. Das ist bei ihm physisch bedingt. Wer die Situation über dieses Foto zu deuten versucht, ist auf dem Holzweg.

Solch ein Foto räumt Kredit ein für Say. Er kann weitermachen!

Say sucht den Dialog und er weiß, nur solange solche Momente zustande kommen, darf er in der Türkei seiner Musik nachgehen. Er weiß sicher auch, dass das nicht lange gut gehen wird. Im Faschismus ist kein Platz für die schönen Künste.

Schon nach den Kommunalwahlen im März, wird die Luft für ihn und für alle Künstler, die nicht im Sinne des Alleinherrschers kuschen, dünner werden. Um die Bürger von Izmir, die nicht nur geographisch westlichste Stadt darstellen, zu täuschen, war für den Alleinherrscher, die Nähe zu Say nötig geworden.

Mir fielen einige Parallelen ein. 🙂

NAZIM HIKMET RAN

FAZIL SAY

Foto: türkische Medien

Kaltstart X - Das Buch von Ahmet Refii Dener

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