Beyaz Fırın & Kadıköy – Ich liebe sie beide.

Bevor ich Euch die Geschichte vom „Beyaz Fırın“ (Bäckerei/Konditorei) erzähle, möchte ich erwähnen, dass meine Tante und mein leiblicher Onkel
sich vor diesem Laden kennengelernt haben. Meine Tante, eine junge und
hübsche Lady, kaufte etwas bei „Beyaz Fırın“ ein.

Als sie aus dem Laden kam, wurde sie von einem fremden Mann angesprochen.
Mein Onkel saß in seinem Auto und beobachtete die Szenerie. Er wartete nicht lange und eilte ihr zu Hilfe. Somit war der Anfang gemacht. Nach einem halben Jahr waren sie verheiratet und das, bis der Tod sie schied.

Dr. Sabih Suner & Göksel Suner bei ihrer Hochzeit. (1955)

Bald sechzig Jahre lang waren sie ein Paar, dank „Beyaz Fırın“.

Die Geschichte von „Beyaz Fırın“, übersetzt „Die Weiße Bäckerei“, fing Mitte 1800 in Istanbul Balat an. Der Ur-Uropa Kozma Stoyanof wanderte aus Mazedonien nach Istanbul ein. Seine Eltern ließ er zurück, aber seine Onkel lebten bereits hier. In Balat verkaufte man damals in einem kleinen Laden Simit (Sesam Ringe). Beyaz Fırın sollte über fünf Generationen bis heute Bestand haben.

Kosma Stojanof hatte drei Söhne. Er eröffnete für jeden seiner Söhne eine Bäckerei. Die Läden waren in Sariyer, Karaköy und Üsküdar. Zu schwierigen Zeiten unterstützten sich die Brüder gegenseitig. Dimitri zog damals privat von Üsküdar nach Kadıköy, dem Stadtzentrum auf der anatolischen Seite von Istanbul. Im selben Jahr, 1920, wurde Beyaz Fırın in Kadıköy eröffnet, wo sie heute noch existiert. Die guten Geschäfte von Dimitri in Üsküdar, lieferten den Anlass zu dieser Geschäftseröffnung. 1931 wurden auf der einen Seite die Schulden bezahlt, auf der anderen Seite weiter expandiert.

Man gewann die Ausschreibung am Haydarpascha Bahnhof (Hauptbahnhof asiatische Seite) und eröffnete dort einen Laden, direkt vor dem Bahnhof. Während Dimitri diese Läden führte, übernahm Grigor den Laden in Üsküdar. An dem Tag, als Dimitri den Zuschlag für einen zusätzlichen Laden in Karaköy, auf der europ. Seite bekam, wurde er an dem Abend, auf der Galata-Brücke, durch zwei Schüsse getötet.

In dem Jahr ging es auch schon los mit dem zweiten Weltkrieg. Die Läden konnten wegen fehlender Zutaten nicht mehr produzieren und bis auf den Laden in Kadiköy, „Beyaz Fırın“, wurden die anderen Läden geschlossen. Da Mehl und Zucker auf Lebensmittelscheine ausgegeben wurden, konnte der Laden nur eine Sorte Gebäck ‘Acı Badem’* produzieren.

Mit nur einem Produkt überstand man diese schweren Zeiten nur teilweise. Die Regierungen brachten immer wieder neue Reglementierungen und bestimmten bei den Nahrungsmitteln die Höchstpreise. So musste man erfinderisch sein und neue Produkte auf den Markt bringen, die auf diesen Listen nicht zu finden waren. Patatesli Sarma** ist eine Erfindung von „Beyaz Fırın“ und auch heute noch eine Spezialität, auf die die Kundschaft nicht verzichten möchte. Der Laden wurde von Mitko geführt.

Er wagte abermals die Expansion und eröffnete zuerst Cemil Topuzlu, dann in Erenköy, Suadiye und Atasehir, neue Filialen. Erstmalig wurde in Akasya EKZ ein Laden in einem Einkaufszentrum eröffnet. Wer als kleines Kind die Bekanntschaft mit „Beyaz Fırın“ machte, kommt heute mit den Kindern und Enkeln dorthin.

Wer einmal da war, kommt immer wieder. Eines der Dinge, die ich vermisse. Diesen Duft, wenn man reinkommt und dann die Leckereien. falsch greifen kann man nicht. Alles schmeckt irgendwie frisch und hervorragend.

Ich liebe Beyaz Fırın und genauso den Stadtteil Kadıköy. Beide sind alleine undenkbar. Sollte ich den Erdogan überleben, werde ich mich sicher wieder dort aufhalten.

(*) ACI BADEM: Acıbadem kurabiyesi ist ein traditioneller türkischer Keks aus Mandeln, Zucker und Eiweiß. Die traditionellen Rezepte enthalten eine kleine Menge bitterer Mandeln, die diesem Keks seinen Namen geben. Da jedoch bittere Mandeln nicht ohne weiteres erhältlich sind, wird Mandelextrakt typischerweise als Ersatz verwendet.

(**) PATATESLI SARMA: Kartoffelkringel

Patatesli Sarma – Kartoffelkringel

Das könnte Dich auch interessieren …