Zugunglück in Ankara – Fahrlässige Tötung

So ein Zugunglück, wie es letzte Woche in Ankara passierte (neun Tote, neunzig Verletzte), hätte, wie viele Unglücke in der Türkei, nicht passieren müssen. Drei Zugführer sind ums Leben gekommen und einer, der in der einzelnen Lokomotive war, die im Wege stand, ist schwer verletzt worden. Wisst Ihr was passiert wäre, wenn sie am Leben gewesen wären? Sie wären sofort verhaftet worden, wie es auch bei Verkehrsunfällen und Unfällen jeglicher Art der Fall ist in der Türkei. Personen, die sofort greifbar sind, werden erst einmal verhaftet. Es muss schließlich einen Schuldigen geben.

Das Fahren auf einer unfertigen Strecke, kann nicht gesund sein.
Der Erbauer der Strecke Gülermak-Kolin, ist eine Erdogan nahe stehende Firma und ist in viele Projekte in der Türkei involviert. Das ist aber nicht der Grund für den Unfall. Wichtiger sind die Details in diesem Zusammenhang. Auf der Website des Unternehmens ist das Projekt „Sincan-Ankara-Kayas Zuglinie“ als „Im Bau befindlich“ deklariert, also noch nicht fertig. Die Signalisierung, ist wie vieles andere auch, noch in der Ausschreibungsphase.
Die Strecke durfte, wie man jetzt erfahren konnte, mit einer vorläufigen Nutzungserlaubnis befahren werden und das ohne Signalanlage.

Bei den anderen Projekten sieht es nicht anders aus
Glaubt mal nicht, dass das neue Baby, Istanbul Airport, anders am Start wäre. Überall sackt der Boden ab. Während man den Betrieb voller Stolz aufgenommen hat, wird an vielen Stellen an der Mängelbeseitigung gearbeitet.
Hochmoderne Züge werden mit Steinzeittechniken geleitet und überwacht
Auf Anfrage teilt die präsidiale Informationsbehörde CIMER mit, dass die Strecke mit TMI funktioniert. TMI ist die Abkürzung von ‘Trafiğin Merkezden Telefonla İdaresi’, übersetzt: „Der Betrieb der Strecke mit dem Telefon, von der Zentrale aus“. Stellt Euch vor, die Strecke Frankfurt – Köln würde per Telefon reguliert werden.
Wie zu hören ist, hat man auf der Unfallstrecke sogar die Anzahl der Züge erhöht. Die Strecke wird am Tag 12 Mal von Schnellzügen befahren. Zum Glück fahren sie keine Höchstgeschwindigkeit, aber auch nur deshalb, weil keine Signalisierung existiert.

Fahrlässige Tötung
Die Strecke wurde am 12. April 2018, durch einen Präsidenten am Steuer des Zuges, in Betrieb genommen.
Er sagt, „Im Dienste des Volkes“, nimmt aber in Kauf, dass die Menschen uns wegsterben. Auch beim Zugunglück 2004, als in Pakukova, ein mit einer frisierten Lok fahrender Zug entgleiste und 41 Personen den Tod fanden, mussten die Zugführer einsitzen. Sie wurden vom Gericht zu 50% für schuldig befunden. Die restlichen 50% der Schuld trugen die staatlichen Zugbetriebe der Türkei TCDD. Sie wurden nicht bestraft. Der damalige Geschäftsführer Süleyman Karaman, den der Ingenieur warnte, dass weder die Strecke, noch die Lokomotiven für diese Geschwindigkeiten gebaut worden seien, wurde vom Dienst suspendierte. Der Geschäftsführer ist heute Mitglied des Parlaments. Natürlich ein AKP Mann.

Signalisierung ist in der Türkei scheinbar ein Fremdwort
Die Gewerkschaft der Transpostbediensteten (BTS) teilte mit, dass in der Türkei von 12.534 km Bahnstrecke, lediglich 5.534 km mit Signalisierung funktionieren, der Rest mit TMI, wie oben beschrieben. Dann mal gute Fahrt!
Der Vertreter der BTS Özdemir in Ankara ist lange Jahre selber Zugführer gewesen. Er sagt, dass die Lok, mit dem der Schnellzug zusammenstieß, eigentlich eine Lotsenfunktion gehabt hätte. Diesen Schnellzügen würde immer ein Lok vorweg fahren und berichten, ob alles in Ordnung ist auf der Strecke. Zustände wie im alten Rom bzw. wie in der neuen Türkei.

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