Türkei-Tourismus: Kapitalkräftige Touristen sollen her

Zur Eröffnung von der 12. Travel Turkey – Tourismus-Messe und -Kongress sagte der Kultur- und Tourismusminister Ersoy, dass die Türkei mit der Steigerung der Touristenzahlen keine Probleme hätte (Klar, geschenkt nimmt man gerne an. Bei der Niedrigpreispolitik der letzten Jahre, war für die Branche nichts zu holen). Es ginge vielmehr darum, in die Champions-League der Tourismusindustrien aufzusteigen sagte der Minister. Heißt: Kapitalkräftige Touristen anlocken.

Er denkt, dass zum Jahresende die 40 Millionen-Grenze an Touristen erreicht werden wird.

Die Turkish Airlines würde ab jetzt jedes Jahr 50 neue Maschinen kaufen und innerhalb der nächsten Jahre zu Nr. 1 in Europa werden.

Ohne Werbung kann man nirgendwo ankommen, sagte er weiter. Besonders in den Ländern, wo die Hauptkonkurrenten die Touristen herholten, müsse man massiv Werbung machen.

Da der Minister selber Hotelbesitzer,Tourismus-Insider ist, verliert er schöne Worte. „Wenn man kapitalkräftige Touristen anlocken und hochpreisig agieren möchte, muss man erst in Vorleistung gehen und die Standards entsprechend anheben.“ Gut gebrüllt Löwe, kann man da nur sagen. Die Touristen könnten evtl. auch dadurch kapitalkräftiger werden, wenn Deutschland den Mindestlohn stärker erhöht. 😉

Wie im Casino, wenn die Croupiers am Tisch getauscht werden: “Die Hand wechselt!”

Nur, ist die Branche zu solchen Leistungen fähig? Ich denke, derzeit eher nicht. Da müssten die Beteiligten total umdenken und auf Qualität setzen. Das geht aber schlecht, wenn man das Fachpersonal entlässt und aus Preisgründen, Flüchtlinge schwarz und dann zum halben Mindestlohn, arbeiten lässt. Jedes Jahr heißt es, wie im Casino „Die Hand wechselt“ und schon ist wieder ein komplett neues Team von MitarbeiterInnen am Werk.

Bei vielen Zusammenkünften der Branche hat man die Ziele vorgegeben. Man solle auf arabische Touristen setzen, die Betriebe auf islamische Standards bringen (Halal Nahrungsmittel, Männer und Frauen getrennt badend usw.), so dass man international und islamisch zertifiziert werden kann. Die Araber kommen auch in Scharen und prägen vielerorts das Straßenbild. Diese unterschiedlichen Kulturen, die Araber auf der einen Seite und die westlichen, nicht islamischen Touristen auf der anderen Seite, sind nicht miteinander kompatibel. Damit beziehe ich mich nur auf die Tourismusbranche der Türkei. Diese Mixtur ist nicht besonders förderlich, ja gar geschäftsschädigend.

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