Türkei: Ruinbeschleuniger Einkaufszentrum

Auf dem Weg zum Atatürk Airport schauten wir noch bei Galeria Ataköy vorbei. Ich hatte zwei Architekten einer bekannten Hotelkette dabei. Eigentlich wollte ich prahlen und zeigen, dass so etwas auch in der Türkei existiert. Die beiden Architekten waren am Ende auch begeistert und machten sofort Fotos. Nicht, weil sie was kopieren wollten, denn sie hatten einen viel größeren EKZ in Paris realisiert, nein, sie waren erstaunt, dass so etwas in der Türkei der damaligen Zeit gab. Sofort war die Security da und brachte uns zur Geschäftsleitung. Dort teilte man uns mit, dass man befürchtete kopiert zu werden, wo man doch selber Galeria Houston kopiert hatte.

Galeria Ataköy war auf Veranlassung des damaligen Ministerpräsidenten Özal gebaut worden. Die Inspiration kam Herrn Özal vom Galeria Houston, wo er öfter war. Die Eröffnung von Galeria in Istanbul war 1987. Wer hätte ahnen können, dass für die Türkei eine neue Zeitrechnung angefangen hatte.

Mit der AKP und Erdogan schossen die EKZ’s, wie Pilze vom Boden. Immer größer, immer größer. So gesehen ist Galeria Ataköy bis heute 425 kopiert worden.

Schon seit einiger Zeit stellen wir fest, die Einkaufszentren sind, für ein Volk, welches nur auf Pump lebt, ein Ruinbeschleuniger. Wenn man weiß, dass jeder im Schnitt zehn unterschiedliche Kreditkarten mit Ratenfunktionen in der Tasche hat, kann man erahnen, wohin das führt. Der türk. Bevölkerung kann sich nun mal nicht bremsen, wenn es um den Konsum geht. Sofort auf Pump kaufen und schauen, was passiert, wenn man die Raten bezahlen muss.

Auch kamen viele Marken unter Zugzwang. Damit man den Konkurrenten nicht alleine den Platz überlässt, sahen sie sich verpflichtet, bei jeder EKZ Neueröffnung mit einer Filiale dabei zu sein. Wie ich weiß, für viele völlig unnötig. Mit zehn Angestellten dabei sein, den Schein wahren und Geld von den anderen Filialen zuschießen, um alles zu finanzieren.

Da stehen sie nun, die Prunkbauten, 425 EKZ + 1 Schloss in Ankara. Welchen Nutzen hat das Volk und die Volkswirtschaft davon?

Mögliche Antworten:

A. Keinen

Gestern berichtete ich, dass die EKZ-Investoren 15 Milliarden USD umschulden müssen. Weiß jemand um die Schwierigkeit einer Umfinanzierung, wenn die wirtschaftlichen Verhältnisse auf einmal so krass andere sind, als man sich verschuldet hat? Sicher nicht.

Stell dir vor, du hast das Geld damals zu 10% dir geliehen und musst jetzt umfinanzieren, in einer Phase, wo die Zinsen, je nach Bonität 25% und sogar mehr betragen können. Wer beherrscht die Kunst, zu überblicken, ob das eine Umschuldung ist, oder eine lebensverlängernde Maßnahme?

Dann haben sich die meisten EKZ-Investoren in Devisen verschuldet. Die Einnahmen sind aber in TL. So gesehen spielen die Zinsen fast keine Rolle, wenn alleine durch den Wertverlust der Lira, die Schulden in türkischer Lira höher geworden sind, als zur Zeit der Darlehensaufnahme. Verworren nicht wahr? Man ist froh, nicht in dieser Situation zu sein. Die Investoren der EKZ’s sind zumeist Großinvestoren. Am Ende werden sie die Verluste auf andere Art und Weise zu kompensieren versuchen, aber die Ladenbesitzer, die Marken in den EKZ’s stehen vor der Frage, was sie jetzt tun sollen. Die Markenfahne im EKZ wehen lassen, oder wieder einen Laden auf der Straße eröffnen?

Übrigens, die EKZ’s und deren Probleme mit den Finanzierungen und Existenzproblemen, sind identisch mit denen der restlichen Wirtschaft. Das, worüber nicht berichtet werden darf, in der Türkei.

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