Religionsunterricht in den türkischen Schulen – Etwas Islam ist auch dabei

Im Ausland hat man ein falsches Bild von der Türkei, wenn es um den Islam in den Schulen geht. In der Türkei gibt es dreierlei Schulen. Die Staatlichen, die Privaten und die Religiösen (Imam-Hatip) Schulen. Grundschule, Mittelschule und Gymnasium, jeweils 4 Jahre, sind Pflicht. So steht es auf dem Papier, aber es gibt sehr viele Schulabbrecher.

Die Türkei ist dabei europäische Spitze. 40% schmeißen schon während der Mittelschule hin (Eurostat). Klar, auf den religiösen Schulen überwiegt das Religiöse, die weltlichen Themen werden am Rande nur angeschnitten, wenn überhaupt. Die Absolventen können eigentlich danach nur als Geistliche arbeiten, aber auch bis zur Präsidentschaft bringen bzw. bringt es ein einziger von ihnen. Mehr Stellen gibt es da oben nicht zu besetzen. Nennt sich Ein-Mann-Regime, oder Diktatur.

Die Lehrstoff werden immer einfacher, die Wochenstunden immer weniger. Sitzenbleiben kann man nicht. Am Ende könnten eigentlich alle die 12 Klassen schaffen, denn es wird zu den Klassenarbeiten auswendig gelernt, um anschließend zu vergessen. Multiple-Choice Antworten, von der ersten Klasse bis Ende Uni.

In der Grundschule (4 Jahre), gibt es in den ersten drei Klassen keinen Religionsunterricht. Ab der 4. Klasse bis Ende Mittelschule, mit der 8. Klasse gibt es zwei Stunden Religion jede Woche. Das Leben des Propheten Mohammed, Koranlesen und Grundwissen-Religion sind lediglich Wahlfächer. In den Privatschulen schreibt man die Eltern an und fragt, ob ihre Kinder in einem dieser Fächer gelehrt werden sollen. In den mir bekannten vier Privatschulen in meiner damaligen Umgebung, wurden diese Fächer nicht belegt. Die Nachfrage war gleich null.

Es gibt allerdings viele Eltern, die ihre Kinder in private Korankurse schicken. Bekannte von mir tun das auch, aber nur aus geschäftlichen Überlegungen heraus. Der Schein sorgt in einer AKP-Umgebung für Geschäftsabschlüsse, und man denkt, dass man so bessere Chancen auf ein Weiterkommen hat. Dass der politische Islam weiterkommt, sieht man eigentlich nur, dass die Zahl der Mädchen, die mit Kopftuch die Schule besuchen, immer mehr wird. Das Kopftuch ist also lediglich ein Instrument, ein Zeichen der Zugehörigkeit zu einer Gruppierung.

Ich hatte schon mal erzählt, aber hier nochmals eine Anekdote. Ein Bekannter geht zum Vorstellungsgespräch. Der Geschäftsführer hat ein Atatürk Portrait hinter sich, an der Wand hängen. Das Gespräch läuft positiv und der GF stellt die Masterfrage: „Trägt Ihr Frau Kopftuch?“ Der Bekannte wird unsicher. Was soll er antworten? Da hängt ein Atatürk-Portrait, ist das der Hinweis, oder was soll er jetzt antworten? Gerade in dem Moment geht die Tür auf und eine angestellte mit einem festgeschnürrten Kopftuch, mit einer Kaftan ähnlicher Kleidung, bringt Tee.

„Meine Frau ist Kopftuchträgerin!“ antwortet mein Bekannter und wird eingestellt. Zu Hause angekommen, sagt er seiner Frau, sie müsse unbedingt ein Kopftuch tragen, sonst würde er den Job verlieren, auf den die Familie angewiesen ist. Auch wenn dies ein Jahr später der Grund für die Scheidung des Paares ist, wird die Ehefrau zur Kopftuchträgerin. Noch innerhalb einer Woche entscheiden sich sechs Nachbarinnen ebenfalls für das Kopftuch. Jede fürchtet, dass die Nachbarn AKPisten sein könnten und einen denunzieren oder einfach nur aus dem Spiel des Lebens in der Türkei lassen. So dreht sich vieles um das Kopftuch und etwas Islam ist auch dabei.

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