Gibt es in der Türkei noch richtige Journalisten?

Die tragenden Namen sitzen schon ewig ein, oder haben das Land schon verlassen und was ist mit denen, die noch in sog. Freiheit sind?

Wisst Ihr, wie oft ich schon Pressetermine für meine deutschen Auftraggeber in der Türkei organisiert und jedes mal die gleiche Erfahrung gemacht habe, dass es im Journalismus der Türkei bergab geht? Jünglinge, die Top-Wirtschaftsexperten aus Europa, nur die eine Masterfrage stellen konnten: “Wie finden Sie Istanbul?”

Die herausgegebene Pressemitteilung wird, ohne vorher gelesen zu haben, gedruckt.

Heute musste ich mich abermals aufregen. Der Journalist liest nicht einmal die Pressemitteilung, in diesem Fall die des Exporteuren Verbandes der Türkei und veröffentlicht die Mitteilung eins zu eins. Mit dem darin enthaltenen Fehler.

In der o.g. Pressemitteilung sind die größten Exporteure des Landes genauso erwähnt, wie die, mit den meisten F&E Ausgaben. Die Nr. 1 ist der Waffen- und Waffentechnikhersteller Aselsan. Sie sollen 1,7 Millionen TL in Forschung und Entwicklung investiert haben in 2017. Eins-Komma-Sieben-Millionen türkische Lira ausgeschrieben. Also knapp 300.000 EUR.

Das muss doch sofort einem, der sich die Mühe gemacht hat die Pressemitteilung zu lesen, auffallen, dass das unmöglich sein kann, zumal der zweite Tusas, 720 Millionen TL in F&E investierte.

So ist das mit den Türkei-Nachrichten. So gibt es die wahren Nachrichten (ganz selten), die Fake-Nachrichten (fast der Standard) und die Nachrichten mit den Flüchtigkeitsfehlern (sehr häufig).

Natürlich sind das bei Aselsan 1,7 Milliarden TL für F&E, was auch nicht gerade viel ist bei einem Waffensystemehersteller. Wie sagte mal der Direktor des amerikanischen Patentamtes um 1900: “Es ist fast alles erfunden, es gibt nichts mehr zu erfinden.” Das scheint man in der Türkei für bare Münze genommen zu haben und spart  folglich immer an Forschung und Entwicklung.

 

 

 

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