Türkei: Diese Print-Medien unterliegen nicht der Zensur.

In der Türkei gibt es Printmedien, die haben mit der Zensur nichts am Hut. Sie gehören zu den Erdogan-Medien und schreiben glatt das, was wahr ist und bekommen nicht einmal Strafen dafür. Sie können nicht zurückgerufen, eingesammelt und eingestampft werden. Sie werden gedruckt und an alle 22 Millionen Haushalte der Türkei verschickt. Die vier Printmedien haben zusammen eine Auflage von 88 Millionen und erscheinen tun sie einmal im Monat. Die bittere Wahrheit kann man von ihnen entnehmen und sich in den Hintern beißen, dass man bei den Wahlen, die falsche Entscheidung getroffen hat.

Die Rede ist von den Telefon-, Strom-, Gas- und Wasserrechnungen. Nehmen wir z. B. die Stromrechnung. Dort steht, dass der Stromverbrauch 60 TL betrug, hinzu kommen unter vielen Überschriften so viele sonstige Kosten dazu, dass der zu zahlende Rechnungsbetrag 150 TL beträgt. Das, was die anderen Medien nicht schreiben dürfen, steht da schwarz auf weiß geschrieben. Der Bürger muss bezahlen, sonst gibt es kein Strom mehr in der Wohnung. Mein Vorschlag an die türkische Regierung wäre, den Rechnungsstreifen noch etwas länger zu machen und noch all das drauf zu packen, was man dem Volk mitteilen möchte. Das Runterschlucken klappt mit den Rechnungen hervorragend.

Erkl.: In der Türkei zahlt man mindestens den doppelten Betrag vom eigentlichen Verbrauch. Dass ich ‚mindestens‘ sage und nichts Genaues sagen kann, hat damit zu tun, dass die Strom-, Gas- und Wasserwerke das auch nicht sagen können. Je nach Bedarf wird eines der Positionen erhöht, dabei muss ich sagen, mindestens eines der Positionen, von denen es viele gibt.

Es gibt z.B. die Spalte mit dem Strom-Fonds. Hierbei leistet der Verbraucher seinen Anteil bei der Instandhaltung der Leitungen und Bau neuer Werke, die eigentlich ausgeschrieben und deren Bau an private Anbieter vergeben werden.

Einzelverkaufsdienstleistungen (Perakende satış hizmet bedeli). Unter dieser Überschrift sind z. B. die Marketingaktivitäten der Stromanbieter genauso enthalten, wie sonstiger Dienste, die nötig sind, damit der Strom vom Erzeuger zu ihnen gelangt.

Fast für die identische Leistung wird unter ‚Stromverteilerdienste‘ (Elektrik faturası dağıtım bedeli) nochmals kassiert. Hierbei sollen auch die Wartungsarbeiten, Stromab- und Wiedereinschaltungskosten aufgefangen werden.

Zählerlesungsdienste ist natürlich ebenfalls eine nötige Dienstleistung, die man mittragen muss.

Dann gibt es da noch eine Spalte zum Haare raufen. Die Rundfunk- und Fernsehgebühren werden ‘anteilig’ über die Strom- und Gasrechnung einkassiert. Wer welchen Anteil kassiert und ob das am Ende 100% oder 160% ausmachen, darüber hat der türkische Rechnungszahler keinen Überblick.

Einzig reale ist eigentlich, neben den Kosten für die Stromnutzung, noch die 18% Mehrwertsteuer. Ungerecht ist dabei aber, dass man auf all die fiktiven Kosten, die man so auf die Rechnung drauf addiert, die 18% zusätzlich bezahlt.

Witzig ist, dass man die Rechnungen nicht sofort nach dem Erhalt bezahlen kann, denn da gibt es den Zusatz. „Zahlen Sie auf keinem Fall vor dem … . Zahlen Sie bitte bis spätestens.“ Der Ali-Normalverbraucher zahlt sowieso am letzten Tag.

In Alanya war es manchmal so, dass wenn man einen Tag über die Zeit war, kein Strom mehr hatte. So korrekt arbeiten die Stromwerke. Dass da bei jedem Regen und Unwetter, aber auch sonst, der Strom ausfällt, hat dann nichts mehr mit dem Verbraucher zu tun.

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