Zensur sei Dank – Einige Risiken der Wirtschaft bleiben unerwähnt

Die Inflationsrate ist nach 15 Jahren wieder über die 25% Grenze geklettert. Es heißt, dass die Steigerung vom September auf Oktober über den Erwartungen lag. Ich bin eher überrascht, wie niedrig die Inflationsrate ausfiel.

Dabei gehe ich von der Inflation auf der Herstellerseite aus. Das produzierende Gewerbe hat nämlich bei der Beschaffung eine Verteuerung von über 40% (aufs Jahr gesehen) zu verkraften.

Unter dem Druck der Regierung, aber auch, weil die Kaufkraft nicht da ist, versuchen die meisten die Verteuerungen nicht an den Verbraucher weiterzugeben. Nur wie lange geht das gut?

Einmal werden die Industriebosse richtig liegen

Gestern haben die Wirtschaftsbosse, wieder einmal fast einstimmig erklärt, dass die Talsohle jetzt überschritten sei. Das hatten sie, um gut mit Ankara zu stehen, in den letzten Monaten auch gesagt und wenn die so weitermachen, werden sie einmal recht behalten.

Das produzierende Gewerbe benötigt, alle Jahre wieder, zumeist im 3. Quartal Finanzierungen. Nur die Bonität ist bei fast allen katastrophal. Die Preissteigerungen nicht an die Kunden weitergeben, keine Kredite bekommen zu können verheißen nichts Gutes. Viele importierten Halbfertigerzeugnisse sind, wie ich von einigen Zollagenten weiß, immer noch auf Zolllager und können wegen fehlender Finanzmittel nicht abgefertigt werden.

Ankara hat, um den Konsum zu fördern, die Steuern bis Ende des Jahres gesenkt. Sollte der Konsum wirklich Fahrt aufnehmen, wird man feststellen, dass es ein zweischneidiges Schwert ist. Je mehr Waren das produzierende Gewerbe an den Markt liefert, umso mehr Schwierigkeiten kommen auf sie zu.

Am Ende werden die Unternehmen, um sich zu retten, die Preise massiv anheben müssen, es sei denn, sie gehen still und leise Pleite. Wie man merkt, ist man an einer Stelle angekommen, wo fast alles was man macht, das Falsche sein kann. Die Situation bleibt riskant und nach Stand der Dinge müsste vorrangig die Inflation heruntergeschraubt werden.

Dann sind da noch die zu bedienenden Devisenkredite. Wie soll die Industrie in dieser Phase, wo sich am Markt kein Blatt bewegt, Geschäfte machen, Gewinne erwirtschaften, Rücklagen bilden und die Schulden bezahlen?

Helmut der Große sagte mal, “wer bei der Analyse nur darauf bedacht ist, seine eigenen Worte von gestern nicht in Misskredit zu bringen, der kann die Kraft zum radikalen Durchdenken nicht aufbringen.” Zum Glück muss man in der Türkei keine Angst haben als Politiker in Misskredit zu geraten. 

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