Türkei: Eltern treiben die eigenen Kinder in die Arbeitslosigkeit

Ein bekanntes Problem der Türkei ist, dass die Jugendlichen sich selten in handwerkliche Berufe verirren. Entweder Universität, oder Schulabbruch. Es gibt, so scheint es, genug Berufsschulen, aber keine Schüler. Heute gibt es ein Beispiel aus Inegöl. Drei Geschäftsleute aus Inegöl haben eine Berufsschule bauen lassen (s. Foto aus Dunya-Online). 450 Schüler hätten hier technische Berufe erlernen können, aber eingeschrieben haben sich nur 24. Dabei hätte die Schule nichts gekostet.

Es herrscht Ratlosigkeit. Der Grund sind die Eltern, die für ihre Kinder ein Studium sich erhoffen. Sie glauben, dass man nur wer ist, wenn man ein Universitätsabschluss hat. Dabei liegt die Akademikerarbeitslosigkeit bei 30%. Die Zahl ist nicht aussagekräftig, zumal die meisten Absolventinnen nach dem Studium heiraten, aber zumindest auf familiären Druck hin, nicht arbeiten. Da sie nicht in den Arbeitsmarkt gehen, werden sie auch nicht als Arbeitslose gezählt.

Trotz der wirtschaftlich angespannten Situation der Türkei, haben einige Unternehmen volle Auftragsbücher, aber kein Fachpersonal, die aus dem Handwerksberufen kommen. Die Gegend um Balikesir, wo viele Stahlwerke sind, können ein Lied davon singen.

Ich denke, dass man die Eltern und die Jugendlichen besser informieren und ihnen reinen Wein einschenken muss, dass ein Uni-Abschluss in der Türkei, mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit, Arbeitslosigkeit bedeutet.

Wie ich weiß, ist es ein hoffnungsloses Unterfangen. Alle träumen von einem Universitätsdiplom, wo doch selbst der Präsident keines hat.

 

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