Religionsbehörde (Diyanet): Imame für Touristen in der Türkei

Das Leid mit den Budgetierungen kennt man von den meisten Unternehmen. Wenn es auf das Jahresende zugeht, wird geplant für das kommende Jahr. Nicht anders sieht es bekanntlich bei Behörden und Ministerien aus. Holen, was zu holen ist, damit man im Rahmen der Budgetierung im kommenden Jahr Geld ausgeben kann.

Die türkische Religionsbehörde Diyanet* hat unter der Überschrift „Tourismus Imame“ (Turizm imamları), Ausgaben budgetiert. Sofort ging es rund in den sozialen Netzen. Seit dem 15. Juli 2016, dem Tag des gescheiterten Putsches in der Türkei, heißt es oftmals „Die Imame des Gülen“. Somit hat die Marke „Imam“ keinen guten Klang mehr.

Eigentlich muss im Fall von Diyanet dem ganzen nicht so viel Gewicht beigemessen werden, auch wenn diese Organisation das Leben in allen Lagen zu kontrollieren versucht. Nur, bis zum Tourismus konnten sie bis jetzt nicht vordringen. Auch wenn die Diyanet über einen der höchsten Etats der Republikgeschichte der Türkei verfügt, so muss man dennoch neue Überschriften schaffen, damit noch mehr Geld in die Kassen fließt.

Der Tourismus ist der Diyanet schon immer ein Dorn im Auge gewesen, denn schließlich entstanden viele kleine Kirchen und sonstige Gebetshäuser von und für Touristen und Residenten. Gegen diese vorzugehen, war nicht möglich, denn während die Exporteinnahmen durch die Importe eliminiert werden und sogar noch mehr Schulden in Form von Leistungsbilanzdefiziten schaffen, waren die Tourismuseinnahmen immer willkommen, weil man damit ein Teil der Schulden bedienen konnte.

Bei der Budgetierung der Diyanet kommt sogar die Überschrift “turistik camiler”, was „Touristische Moscheen“ bedeutet, vor. Damit sind die Moscheen gemeint, die in touristischen Regionen stehen und eine Werbung für den Islam sein sollen. Auch sind viele Gebete in viele Sprachen übersetzt worden, zuletzt ins Russische. Der politische Islam ist sowieso überall präsent. Einige Touristen merken es, andere nicht. Die AKP Regierung macht sich keinerlei Gedanken darüber, ob sie dem Tourismus schadet, oder nicht.

Auch wenn die Beteiligten mit dem Westen wieder mal die Friedenspfeife rauchen, so sieht die Wirklichkeit im Lande ganz anders aus. In den Luxusherbergen der Städte steigen die wohlhabenden ausländischen Touristen ab und kommen mit der türkischen Bevölkerung überhaupt nicht in Kontakt. In den bekannten Tourismusregionen begegnet man Touristen russischen Ursprungs und in Europa lebenden Muslimen.

Viele Hotels und Feriensiedlungen sind bereit islamkonform eingerichtet und werden entsprechend betrieben. Die Europäer, die wegen der günstigen Preise in die Türkei kommen, bekommen somit genug Kontakt zum politischen Islam. Das muss man durch die Diyanet nicht noch zusätzlich pushen.

Am Strand, auf der Straße, im Restaurant gibt es mittlerweile, für den, der es festzustellen in der Lage ist, schon lange ein anderes Türkei-Bild.

Danke für die Idee Feyzi Açıkalın (Freund, Zahnarzt und Cumhuriyet Kolumnist)

(*) Diyanet ist ein türkisches Wort und bezieht sich auf eine religiöse, muslimische Autorität der Rechtsprechung.Diyanet İşleri Başkanlığı ist das Amt für Religiöse Angelegenheiten in der Türkei.
Diyanet İşleri Türk İslam Birliği (DITIB) ist der Dachverband der türkisch-islamischen Religionsvereine in Deutschland, welche in Verbindung mit dem obengenannten Amt stehen.

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