Kolonya, Köln, Colonia, Kölnisch Wasser, Türkei, Türkiye, Deutschland

Eigentlich haben 80 Millionen Türken eine sehr starke Beziehung zu Köln, nur ist dieses den meisten nicht bewusst. So wie Köln früher Colonia hieß, so heißt Köln im Türkischen ‚Kolonya‘, also die Schreibweise von Colonia, nur Türkisch halt.

Kolonya steht in der Türkei für Kölnisch Wasser und gehört zu jedem türkischen Haushalt, zu jedem Restaurant und zu jedem WC.

Warum das so ist? Es gilt als Desinfektionsmittel. 70 – 85 Volumenprozent sind der Grund. In der Türkei ist die Quote der Türken, die wissen, dass Kolonya Köln bedeutet, bestimmt 0,01 Prozent. Das sind dann die Deutschlandrückkehrer.

Kommen wir zum türkischen Desinfektionsmittel Kolonya. So, wie kaum jemand weiß, dass Kolonya Köln bedeutet, so weiß kaum jemand das Kolonya eigentlich für Kölnisch Wasser steht.

‚Eau de Cologne‘ wurde von der Firma Johann Maria Farina gegenüber dem Jülichs-Platz erfunden. Jetzt denkt Ihr bestimmt, ich hätte wieder einen meiner Fehler eingebaut. Nein, die Firma heißt heute noch Johann Maria Farina gegenüber dem Jülichs-Platz GmbH. Der italienische Parfümeur Johann Maria Farina (1685–1766) schuf 1709 aus Ölen von Zitrone, Orange, Bergamotte, Mandarine, Limette, Zeder und Pampelmuse sowie Kräutern ein Duftwasser, das er zu Ehren seiner Wahlheimatstadt „Eau de Cologne“ (Gattungsbegriff) nannte. Zum ersten Mal in einem Brief von 1742 erwähnt. Um das Produkt mit Herkunftsbezeichnung zu belegen, nahm man ‚gegenüber dem Jülichs Platz‘ in den Namen. Lange Zeit war der Name sogar in Französisch: „Jean Marie Farina vis-à-vis de la place Juliers depuis 1709“ Das Haus „Farina gegenüber“, wie die Firma kurz genannt wird, wurde so zum Erfinder des „Kölnisch Wasser“, das noch heute von der Firma in unveränderter Rezeptur hergestellt wird.

Ich liebe Köln, aber den strengen Geruch von Kolonya, überhaupt nicht. Statt Hände zu waschen einfach einige Spritzer Kolonya. Nicht mein Ding. Übrigens gibt es Kolonya in der Türkei nur in Kunststoffflaschen, damit man schön drücken und rumspritzen kann. Es kann auch mittlerweile sein, dass die türkischen Bazillen immun sind gegen Kolonya.

Einer der bekanntesten Kolonya-Marken der Türkei ging pleite

Es war in den 90er Jahren, als einer der bekanntesten Kolonya-Marken in der Türkei Pleite war. Ich hatte mir an die Fahnen geschrieben, das Unternehmen bzw. die Marke zu retten. Sofort hatte ich ein multinationales Unternehmen im Gepäck. Die Verhandlungen zur Übernahme des Unternehmens wurden in Istanbul aufgenommen. Es vergingen Monate und wir schienen am Ziel zu sein. Doch irgendwas war immer, was uns zurückwarf, bis die Interessenten dann genug hatten und abzogen.

Am Ende war das Scheitern einfach erklärt. Nach dem Konkurs übernahmen Vorstände einer staatlichen Großbank, die Geld von dem Unternehmen zu bekommen hatten, die Vorstandsposten des Kolonya Herstellers und spielten Konkursverwalter. Das bei sehr guten Gehältern, die eigentlich über denen lagen, die sie bei der Bank bekamen. Praktisch wurde alles zu Geld gemacht, was das Unternehmen besaß, damit die Gehälter der Banker, sorry, der Abwickler, bezahlt werden konnten. Deshalb hatten wir von Anfang an nicht die geringste Chance einer Übernahme.

Das ist ein Spiegelbild der heutigen Situation in der Türkei. An die Tausend Unternehmen wurden beschlagnahmt, weil die Eigentümer zu den Gülenisten zugerechnet wurden. Die Zwangsverwalter, die bestellt wurden, hatten vorher noch nie ein Unternehmen geführt, war aber auch nicht nötig. Zu fünfzigfachem Mindestlohn, die sie monatlich bezogen, wurden bei einigen Unternehmen gleich 3-5 von ihnen bestellt. Wenn sie nicht gestorben sind, leben sie immer noch gut davon. Die meisten Unternehmen sind aber abgewirtschaftet und dicht gemacht, oder an andere übertragen worden.

Demokratie, Rechtsstaat, Gewaltenteilung, Willkür, Unrecht, Ein-Mann-Regime…

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