Die Schnellboote verschwinden aus dem Stadtbild von Istanbul

Sie gehören zu Istanbul, als ob es sie schon immer gegeben hätte. Die Schnellboote, die auf dem Marmarameer im öffentlichen Nah- und Fernverkehr eingesetzt wurden, gibt es aus der Zeit vom OB Bedrettin Dalan, der zwischen 1984 und 1989 an der Spitze von Istanbul stand. Er war auch derjenige, der auf der anatolischen Seite von Istanbul den Küstenstreifen in 30km Länge auffüllen und eine vierspurige Straße bauen ließ. Wahrscheinlich hätte es ohne die Straße einen einzigen Verkehrskollaps gegeben auf der anatolischen Seite von Istanbul.

Kommen wir zu den Schnellboten. Als diese angeschafft wurden, verkehrten sie zwischen Bostanci (dem Wohnort von Dalan) und Bakirköy. Danach kamen viele Routen dazu. Die IDO Betriebe der Stadt Istanbul übernahmen dann auch die anderen Schiffe, die auf dem Marmarameer im öffentlichen Nahverkehr eingesetzt wurden und waren ein Vorzeigeunternehmen. Das ging soweit, dass der AKP OB von Istanbul Topbas, sogar seine Gäste in der Verwaltung von IDO empfing. Als ich mit ihm ein Interview für die Wirtschaftswoche führte, traf ich ihn ebenfalls in Yenikapi, in der Zentrale der IDO.

Das Unternehmen wurde in 2011 privatisiert. Das Konsortium Tepe-Akfen- Souter-Sera übernahmen IDO für 861 Mio. USD. Heute erfahre ich über Bloomberg HT, dass die Routen Bakirköy-Bostanci, Bostanci-Kabatas/Besiktas und Adalar eingestellt werden. Auch die entfernteren Routen, wie Yalova, Bandirma und Armutlu sollen viel seltener befahren werden. Der Firmensprecher sagte, dass es rein wirtschaftliche Gründe wären, weshalb sie viele Routen aufgeben bzw. weniger befahren würden. Das Unternehmen würde seit der Privatisierung in 2011 Verluste machen. Eigentlich erstaunlich, zumal IDO vor der Privatisierung ein gewinnträchtiges Unternehmen war. Die Schnellboote hatten eine Belegungsquote von 87% (eine Zahl von 2013).

Jetzt bleibt zu hoffen, dass dadurch der Tunnel unter dem Bosporus, Marmaray, besser frequentiert wird, denn wie alle Megaprojekte muss der Staat auch bei Marmaray, wegen nicht erreichter Auslastungskapazitäten, den Erbauern Multimillionen von Euro monatlich ausgleichen.

Übrigens, dass Bakirköy durch die Schnellboote nicht angefahren wird, ist ganz bitter. Hierüber erreichten wir, aus allen Richtungen kommend, den Atatürk Airport.

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