Istanbul, Leica und Ara Güler – Du bist mein Istanbul

Der Master of Leica und Master of Istanbul, oder “The Eye of Istanbul”, wie er auch genannt wurde, ist gestern von uns gegangen. Nie war schwarz-weiß so bunt. Er fotografierte, mit wenigen Ausnahmen, nur schwarz-weiß und hatte dabei immer seine Leica zur Hand.

Irgendwie schmerzt der Tod lieber Menschen besonders, wenn sie ein langes Leben leben, den Menschen so viel geben, aber nicht ihren eigentlichen Namen tragen dürfen bzw. können, weil die Umstände und das Umfeld dieses nicht erlauben.

Aram Güleryan, wie er eigentlich hieß, nahm, um dem Druck der Öffentlichkeit zu entgehen, wie viele Türken, armenischen Ursprungs, den türkischen Namen Ara Güler an. Ara Güler wurde als Kind einer armenischen Apothekerfamilie in Istanbul geboren. Vom Kino fasziniert, begann er eine Schauspielausbildung. Der folgte ein Studium der Wirtschaftswissenschaft. Er entschied sich schließlich für eine Karriere als Fotojournalist.

Ab den 1950er Jahren arbeitete er für die Zeitung „Yeni İstanbul“ („Neues Istanbul“), später folgten Arbeiten als Nahostkorrespondent für internationale Zeitschriften wie Time Life, Paris Match oder Stern. Im Jahr 1956 lernte er Henri Cartier Bresson sowie Marc Riboud kennen. Außerdem wurde er Mitglied der Agentur Magnum Photos. Nach seinem Militärdienst übernahm er 1961 die Position des Chefs der Fotoredaktion der Zeitschrift „Hayat“ („Das Leben“). Internationale Engagements in Japan, Nordamerika und Europa folgten.

Ara Güler fotografierte weitgehend mit einer Leica-Kamera in schwarz-weiß. Der Großteil seiner Fotos bildete seine Heimatstadt Istanbul ab. Dabei lag sein Fokus häufig auf kleinen Details, dem einfachen Leben und Kindern. Zudem porträtierte er eine Vielzahl von Prominenten, darunter İsmet İnönü, Winston Churchill, Indira Gandhi, Bertrand Russell, Maria Callas, Alfred Hitchcock, Salvador Dalí und Picasso. Er fotografierte bis zu seinem Tod.

Für seine Werke wurde er mehrfach ausgezeichnet: 1961 bezeichnete ihn das „Photography Annual“ als einen der sieben besten Fotografen weltweit, 1962 wurde er zum „Master der Leica“ gekürt, 1968 wurde er vom Museum of Modern Art, New York zu den „Zehn Meistern der Farbfotografie“ gewählt, 1999 erhielt er die türkische Auszeichnung als „Fotograf des Jahrhunderts“. Güler ist der Namensgeber eines Cafés in der Nähe der İstiklal Caddesi in Istanbul.

Er starb am 17. Oktober 2018 im Alter 90 Jahren. Ein Stück Istanbul ist gestern von uns gegangen. “Du bist mein Istanbul”. Ruhe in Frieden.

 

Stimmt, er hat auch die Erdogan Familie fotografiert, aber schließlich war er Zeitzeuge über fast 90 Jahre Türkei. So gehört Erdogan, auch wenn er sich nicht gerade mit Ruhm bekleckert, zur türkischen Geschichte. Ara Güler bezeichnete sich als einen visuellen Historiker.

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