“Damit seine Soldaten nicht dem Kältetod sterben”

Heute möchte ich eine Cumhuriyet-Kolumne meines Freundes zum 29. Oktober, zum Tag der Republik bringen. Sie erschien heute in der Cumhuriyet und die Überschrift lautete: „Damit seine Soldaten nicht dem Kältetod sterben“. Den Anlass lieferten die vor einigen Tagen verstorbenen zwei Soldaten, die den Kältetod starben.

„Askeri donmasın diye“ („Damit seine Soldaten nicht dem Kältetod sterben“)

1934 war der Faschismus in Europa auf dem Vormarsch. In dem Jahr, als Benito Mussolini die Fußballweltmeisterschaft im eigenen Lande zu Propagandazwecken nutzte, legte in Antalya ein Kriegsschiff mit türkischen Soldaten an.

Die Italiener glaubten schon immer, dass Antalya eigentlich ein Teil Italiens sein müsse. Von 1919 bis 1921 hatten sie schon mal Antalya belagert, und so glaubten die Türken, dass diese Träume der Italiener mit dem aufkommenden Faschismus durch Mussolini, noch nicht ausgeträumt sein könnten und positionierten ein Regiment von Soldaten vorsichtshalber in Antalya.

Der Stützpunkt war etwas im Landesinneren in Elmalı. Nach der Ankunft in Antalya begab sich das 40. Regiment der türkischen Armee sofort nach Elmalı und bezog Quartier.

Das Regiment wurde von Major Abdurrahman Karakullukçu geführt. Er war kriegserfahren und hatte während des russischen Krieges viele Jahre in Gefangenschaft verbracht. In dieser Zeit lernte er perfekt Russisch und Deutsch. So gut, dass er bei den türkischen Militärs die meisten Übersetzungen machte.

In den Sommermonaten wurden die türkischen Soldaten in Zelten untergebracht. Doch Major Karakullukçu wusste, dass es in Elmalı in 1.000 Meter Höhe im Winter ganz schön kalt werden würde und bereitete sich mit den Soldaten den ganzen Sommer lang auf den Winter vor. Zelten im Winter, hätte den sicheren Tod bedeutet. Es wurden Steinhäuser und für die Tiere Ställe aus Stein gebaut. Der Winter konnte kommen.

Auch wenn die Dorfbevölkerung dieses nicht ganz wahrnahm, so hatten die gut ausgebildeten Offiziere viel Gutes bewirkt in Elmalı. Auch wurden die nationalen Feiertage viel prunkvoller gefeiert als es jemals zuvor der Fall war, und die Harmonie zwischen dem Major, der die Parade anführte und seinem Araberpferd soll jedesmal eine Attraktion gewesen sein.

An diesen Feiertagen gab es auch zu Feier der Republik die sogenannten Republik Bälle. Gefeiert wurde mit viel Musik tagelang. Die Töchter des Majors, Sevim und Sevinç, wurden sehr frei und säkular erzogen und durften sehr spät in der Nacht nach Hause kommen.

Die jüngste Tochter ,Sevinç, ging in eine Grundschule, direkt hinter dem Haus, wo sie wohnten. Sie war nervös, weil sie am Feiertag am 23. April ein Gedicht aufsagen sollte und dabei ihr rotes Kleid tragen würde. Sie bekam in der Nacht zuvor die Masern und konnte nicht mit dabei sein. Und so verbrachte sie den ersten Feiertag, wo sie eine tragende Rolle spielen würde in ihrer Grundschulzeit, weinend zu Hause.

1938 wird der Major zum Generalstab nach Ankara versetzt. Sevinç besuchte das TED Gymnasium. Erstmals in einer großen Stadt, im Herzen der Türkei in Ankara würde sie den Tag der Republik am 29. Oktober erleben. Sie war ziemlich stolz darauf und konnte den Tag nicht abwarten.

Leider verstarb 12 Tage nach dem Feiertag Mustafa Kemal in Istanbul. Sie hat es von ihren Lehrern erfahren. Sie ist entschlossen, weiter auf dem Weg des Vaters und des Mustafa Kemals zu gehen. Wenn es um das Vermächtnis Atatürks an das türkische Volk geht, ist meine Mutter immer noch mit Leib und Seele dabei.

Erst im letzten Satz erfuhr ich, dass mein Freund, ein Zahnarzt und Kolumnist der Zeitung Cumhuriyet, von seiner Familie und im besonderen von seiner Mutter erzählte. Danke Feyzi Açıkalın.

Zum Original-Text

Frei übersetzt von ARDener 

Vodafone Türkei FlatKaltstart X - Das Buch von Ahmet Refii Dener

Das könnte Dich auch interessieren …