3 USD/Stück Subvention bei Export von Gummilatschen

Wann lese ich schon mal im türkischen Amtsblatt (Resmi Gazete)?

An jenem Tag tat ich es, es war Ende der 90er Jahre. In einem Absatz las ich, dass man bei Exporten von Gummilatschen pro Stück 3 USD vom türkischen Staat bekam. Als Anreiz sozusagen. Ich habe den Absatz mehrmals durchgelesen, ob das denn sein könnte. Danach suchte ich einige andere und jeder dürfte mir sagen, was er verstand.

Ja, pro Paar Gummilatschen gab es tatsächlich 3 USD Subvention oben drauf.

Mir war klar, dass man die für knapp 1 USD, oder noch weniger einkaufen konnte. Am nächsten Morgen machte ich mich dran, denn ich wollte mit einem Schlag reich werden. Ich fand auch Geldgeber, die bereit waren, einen zweistelligen Millionenbetrag in USD zu investieren. Die Latschen gab es in China in Unmengen zu bekommen. Zuerst importieren und dann sofort exportieren.

Sollte ich mir zuerst eine Geldzählmaschine zulegen, oder mir Gedanken machen, wohin mit dem Geld?
Am nächsten Tag dann rief mich mein Zollagent an und sagte, dass es in der Resmi Gazete eine Berichtigung gäbe. Es war ein Fehldruck. Angeblich!

Schon eine Woche später dann wurde es öffentlich. Es war alles fingiert. Die LKW’s voll beladen mit Gummilatschen warteten bereits an der Grenze auf den Fehldruck. Es kam sogar heraus, dass die LKW’s weitaus weniger Latschen enthielten, als auf der Rechnung ausgewiesen.

Sogar ein späterer AKP Minister war ganz dick dabei. Es kam zwar zu einigen Verurteilungen, aber einsitzen musste niemand, denn der Rechtsstaat existierte in der Türkei schon immer (leichter Anfall von Sarkasmus). Mit dem Rechtsstaat ist in der Türkei etwas anderes gemeint, als woanders. Das ist so wie mit den rechtsdrehenden Säuren.

Gestern dann passierte etwas Seltsames mit der staatlichen Halkbank. 38 Minuten lang tauchten so günstige Devisenumtauschkurse, dass viele auf den Zug sprangen und die immer wertloser werdenden TL in USD bzw. in Euro umtauschten.

1.763 Personen kauften 4,6 Millionen USD. Die Halkbank teilte heute mit, dass der Fehler vom Data-Lieferanten Bloomberg herrührte. Die Konten der Kunden, die Gelder umtauschten, wurden sofort blockiert und die Transaktionen rückgängig gemacht. Die Bankenaufsicht der Türkei teilte allerdings mit, dass die Rückabwicklung nicht möglich und nicht zulässig sei. 😉

Hier endet die Geschichte des Halkbank Fehlers. Normalerweise müsste es so weitergehen:
„In einer Nacht und Nebel Aktion wurden die 1.763 Personen unter dem Verdacht der Unterstützung einer terroristischen Organisation verhaftet.“

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