Wenn die Türkischstämmigen sich zum Geschäftemachen in die Türkei aufmachen (Teil I)

Wenn ich Euch aufzähle, was ich alles als Erster in der Türkei eingeführt habe, würdet Ihr staunen und ich würde wahrscheinlich im stillen Kämmerlein, für mich alleine, rot werden.

Die ersten Laminiergeräte, mit denen man heute an jeder Straßenecke Personalausweise laminiert, die ersten Plotter und Folien, mit denen heute alle Schilder, Schaufenster- und Autobeschriftungen hergestellt werden, die Folien für die Möbelindustrie, die Nanotechnologie, die Infrarotheizstrahler, die Mega-Digitaldrucker für Outdoor-Werbung u.v.a.m.

Die Türkei ist heute z.B. weltweit die Nr. 1, wenn es um Herstellung von Außenwerbung geht. Die meisten und die modernsten Geräte stehen in der Türkei. Unternehmen wie Ströer und Wall haben schon längst ihre Niederlassungen in der Türkei.

Als damals die günstigsten Megaprinter über eine Million USD kosteten hieß es in der Türkei: „Herr Dener, so etwas läuft in der Türkei nicht.“ Einen Fehler machen die meisten, die glauben das konkurrenzloseste Produkt überhaupt zu haben. Nämlich, dass sie dann zu Überfliegern werden. Ganz im Gegenteil. Du kannst praktisch jeden Radar unterfliegen, weil du erst gar nicht vom Boden abhebst. Ich habe mir den Markt geschaffen. Ich sprach mit einigen Abgeordneten und es dauerte 7-8 Monate, bis ein Gesetz erlassen wurde, dass alle Rohbauten in der Stadt mit Planen nach außen hin abzudecken waren. Was ist da besser geeignet als eine Outdoor-Werbung, bedruckt mit Mega-Digitaldruckern?!

Wo kein Konkurrent, da auch keine Nachfrage und kein Markt. Als ich die Produkte erstmals vorstellte, konnte es keine Nachfrage geben, weil die Menschen nicht wussten, dass es so etwas gab. Also musste ich mir zuerst den Markt schaffen. Nichts ist schwieriger. Die Nächsten, die nach mir kamen, machten das dicke Geld. Meine Auftraggeber und ich waren dennoch glücklich, denn die Nächsten kauften dann die Marke, die ich in den Markt einführte. Auf einmal war der Markt da und natürlich auch die Nachfrage.

Wie oft kamen Türkischstämmige aus Deutschland auf mich zu und fragten: „Ich habe ein Top-Produkt, kennen Sie einen, der dafür im Vorfeld 500.000 Euro bezahlt und den Markteinstieg mit mir zusammen realisiert?“ In meinen Ohren klingt sowas wie ein Türkenwitz. Zuerst hätte er mich fragen sollen, ob ich jemanden kenne der 500 Euro im voraus bezahlt. No way! Der Türke zahlt nichts vorweg.

Das sind aber dennoch für mich schöne Momente der Erholung. „Wozu brauchen Sie denn die 500.000 Euro?“ ist immer meine Gegenfrage, obwohl ich weiß, dass das Geld für die eigene Tasche ist, um sich zum Start frisch zu machen, zumal man das geglaubte Non-Plus-Ultra-Produkt ja im Gepäck hat.

Diese Personen versuchen auf der einen Seite ihr Glück zu machen, was nur legitim ist, aber auf der deutschen Seite, bei den Marken- bzw. Produktherstellern hinterlassen sie den Eindruck: „Vorsicht vor türkischen Kontakten!“

Wenn ich ein deutsches oder Schweizer Unternehmen für mich gewinnen wollte und zum Termin erschien, zeigte man mir einen Ordner mit türkischen Kontakten und tat kund, dass ich nicht der erste war.

Den Termin bekam ich, weil ich Referenzen zuhauf hatte. Allein die Vorarbeit, die ich vor dem Termin leistete, hätte ein Auftraggeber normalerweise richtig gut bezahlen müssen, aber anders geht es nicht. Das Land ist nicht gerade im Fokus europäischer Unternehmen. Da muss man halt daran arbeiten.

Diese Vorstufe brachte den Unterschied zu den anderen Beratern. Es ist etwas anderes, wenn man schreibt: „Ich kenne mich in der Türkei gut aus und habe Kontakte zu höchsten Stellen“, oder: „Gerne würde ich Sie für einen Markteintritt in der Türkei beraten und habe im Anhang bereits eine kleine Mappe (12 Seiten), worin ich meine Gedanken zusammengefasst habe, wie es funktionieren könnte. Sollten Sie an einem Kennenlerntermin interessiert sein, können wir das gerne zeitnah realisieren.“ Der Kennenlerntermin war schon nicht mehr umsonst, denn man muss das Gegenüber auch mal kommen lassen und sehen, wie ernst es daran interessiert ist.

Bei türkischen Unternehmen muss man sich die Mühe im Vorfeld nicht machen. Die melden sich kaum zurück, wohlwissend, dass guter Rat teuer ist.

Lieber gehen sie pleite.