Türkei: Auswanderungswelle hält an

Auch regierungsnahe Medien der Türkei berichten darüber, dass die Zahl der türkischen Auswanderer im Alter von 25 bis 34 Jahren, im Jahr 2017 im Vergleich zum Jahr 2016, um 42% gestiegen sei.

250.000 Personen sollen ausgewandert sein (ARD-Fernsehen). Ausgewandert ist die softere Ausdrucksweise, eher sind sie Flüchtlinge. Fakt ist, dass die wohlhabenderen Familien entweder selbst auswandern, oder aber zumeist ihre Kinder, zu Studienzwecken ins Ausland schicken.

Diese bleiben nach dem Studium zumeist im Ausland. Oft ist es aber auch so, dass sich die Familien andere Staatsbürgerschaften kaufen. Malta, Griechenland, Portugal u.a. Länder erlauben das. Die auf diesem Wege erworbenen Pässe nutzen die Personen aber nicht sofort zum Auswandern, sondern „zum sich Wohlfühlen“ im eigenen Land.

Sie haben somit die Alternative jederzeit das Land zeitweise zum Reisen, aber auch zum Auswandern zu verlassen, denn als EU-Bürger können sie ohne Visa reisen. Allein bei einer mir bekannten türkischen Visa-Vermittlungsfirma sind es 2-3 Anmeldungen täglich, die bereit sind 250.000 EUR + 25.000 EUR Vermittlungsgebühr für die Familie zu investieren. Oft möchte man nach Europa und zumeist nach Deutschland, zumal hier fast jeder Türke einen Verwandten hat, sich sicher aufgehoben fühlt und unweit der Heimat ist.

Nur, die Gesetze in Deutschland erlauben keine Zuwanderung. Einen Asylantrag stellen die allerwenigsten, denn dafür lieben sie die Heimat zu sehr und möchten sich ein Hintertürchen offenhalten. Der Wille, die Türkei zu verlassen ist bei vielen vorhanden, aber kaum umsetzbar.

Ich kenne Familien, die vor drei-vier Generationen aus Bulgarien in die Türkei ausgewandert waren und jetzt hinter einem bulgarischen Pass her sind und diesen auch zumeist bekommen. Noch letzte Woche spielten wir eine Auswanderung durch.

Einer der Top-Werbeleute in der Türkei, seine Frau und der 9 Jahre alte Sohn haben die bulgarischen Pässe vor zwei Wochen bekommen. Sie möchten, dass der Sohn eine gute Ausbildung bekommt und bessere Berufschancen hat, in dem er in der EU zur Schule geht.

Er wird als Werbemann den Erfolg, den er in der Türkei hat, wegen fehlender Sprachkenntnisse im Ausland nicht haben. Also wovon existieren? So wurde ein Plan geschmiedet, bei dem er weiter sein Büro in Istanbul haben wird. In der Türkei verdienen und im Ausland leben. Leichter gesagt als getan.

Als eine der Privilegierten in der Türkei das süße Leben aufzugeben, und in Deutschland vor vielem Unbekannten zu stehen, ist nicht jedermanns Sache. Die Umsetzung ist verdammt schwer, kostet wahnsinnig viel Überwindung und Mut. Auf der anderen Seite bin ich erstaunt darüber, wie viele neu eingereiste Türken sich hier in Deutschland durchschlagen.

Sie sind keine Asylanten. Sie sind Flüchtlinge aus der Türkei und werden hier als solche behandelt. Ich hoffe, dass die deutschen Behörden diesen jungen Menschen aus der Türkei mit Wohlwollen begegnen, denn es sind helle Köpfe dabei und es sind nicht wenige, die hier zu etwas bringen möchten.

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