Türkische Kat(h)arsis

Ein Hotelier, den ich gut kenne. Sein Hotel war an einer Top-Lage an der türkischen Riviera. Die Lage war so gut, dass die Gäste, mit viel Alkohol übersahen, dass seit 24 Jahren kein Handwerker mehr im Hotel Hand angelegt hatte. Nichts wurde erneuert. Auch war der Bekannte ein Lebemann. Die Angestellten nicht bezahlen aber auf großem Fuß leben. Es war wieder einmal soweit, dass er sich ein neues Hobby zulegte. Auf einmal stand vor dem Hotel ein Motorrad, welches in der Türkei 45.000 Euro kostete. Wenn schon solch ein Fehler, dann sollte es glimpflich für ihn abgehen. Ich habe ihm dazu geraten sein Motorrad woanders zu parken und nicht vor den Augen der Angestellten. Er tat es, aber mit zwei Tagen Verspätung. Am zweiten Tag waren die Reifen aufgeschlitzt. Übrigens, der Betrag für sein Motorrad hätte voll ausgereicht, die Gehälter der Mitarbeiter für drei Monate zu begleichen.

Da kam ihm der Gedanke, dass die Reiseagentur, die die Zimmer in seinem Hotel Jahr für Jahr buchte, das Motorrad ihm geschenkt haben könnte. Ja, das war ein guter Gedanke, dachte er. Den Mitarbeitern sagte er, dass das Gefährt ein Geschenk der Reiseagentur sei. Das interessierte die Angestellten herzlich wenig. Sie stellten ihm ein Ultimatum von drei Tagen. Entweder würde er das Motorrad verkaufen und die Gehälter komplett begleichen, oder sie würden gehen. Bis auf wenige sind sie dann auch gegangen.

Jetzt gibt es zwei Möglichkeiten. Entweder hat Herr Erdogan zu einer Zeit, wo das Land mit fast 500 Milliarden USD im Ausland verschuldet und die Wirtschaft am ersticken ist, den Jumbo-Jet, Scheckheft gepflegt aus 1. Hand gekauft und möchte diese als Geschenk des Prinzen aus Katar tarnen, oder es ist tatsächlich ein Geschenk, für seine Verdienste (Ausverkauf der Türkei) um das Emirat Katar. Eigentlich in beiden Fällen nicht akzeptabel. So ein Jumbo-Jet hat zu viele Räder, als das man die Reifen aufschlitzen könnte.

An den Katarern habe ich mich mit meinen Beiträgen über deren Aktivitäten in der Türkei, schon seit Jahren festgebissen.

Hier eine Kolumne von mir aus dem Tagesspiegel vom 31. 03. 2018

TÜRKISCHE KAT(H)ARSIS

Wieviel Geld werden die Katarer noch in der Türkei investieren? Unser Autor Ahmet Refii Dener macht sich so seine Gedanken. Eine Kolumne.

Manche Wohlhabende kaufen sich eine Insel. Auf die Idee, sich ein ganzes Land – nämlich die Türkei – zu kaufen, sind dagegen die Katarer gekommen. Vielleicht wegen der Chinesen, die sich gerade Großbritannien einheimsen. Um ihr Vorhaben in die Tat umzusetzen, brauchten die Katarer einen Kontaktmann vor Ort, der in der Türkei viel bewegen kann. Den fanden sie schnell. Nennen wir ihn Mr. E.

An die große Glocke hängt man das Ganze nicht. Still und leise investieren die Katarer: die türkische Finansbank, der Pay-TV-Sender Digiturk mit den Süper-Lig Fußballlizenzen, der Mischkonzern Boyner Holding, die ABank, Banvit-Geflügel, BMC Motoren, die Patisserie-Kette Mado und andere – sie alle sind schon katarisch.

Investitionen in Milliardenhöhe
Vergangenes Jahr, auf der Immobilienmesse in Doha, sagte der stellvertretende Präsident der Industrie- und Handelskammer von Katar, dass innerhalb kurzer Zeit 18 Milliarden US-Dollar für Investitionen in die Türkei gezahlt worden seien. Der türkische Wirtschaftsminister teilte kürzlich mit, dass zwischen 2002 und 2017 insgesamt 1,8 Milliarden US-Dollar aus Katar in die Türkei geflossen seien und in diesem Jahr Investitionen von 20 Milliarden US-Dollar aus Katar in die Türkei fließen würden. Die Zahlen verwirren und widersprechen sich.

Ab einem Millionenkauf erhält man einen türkischen Pass
Katarische Geschäftsleute haben außerdem hunderte von Unternehmen in der Türkei gegründet. Der Minister bezifferte die Zahl mit 121 Firmen, die mehr als fünf Milliarden Türkische Lira eingezahltes Kapital haben. Wieder Milliarden, die in keiner Statistik auftauchen. Es sind Kapitalgesellschaften nach türkischem Recht. Was diese hier und da kaufen und investieren, wird nicht als katarische Investition erfasst. Hinzu kommt, dass man bei Immobilienkäufen ab einer Million US-Dollar einen türkischen Pass bekommt. Folglich kaufen die Katarer als Türken weiter ein. Grundstück um Grundstück, Immobilie um Immobilie kaufen sie die Türkei auf.

Vielleicht braucht Mr. E. irgendwann eine Zweitadresse
Die Katarer und auch Araber aus anderen Ländern, sind es gewohnt, andere für sich arbeiten zu lassen. Meine Überlegung ist, dass die Türkei, die so nahe an Europa liegt, für die Menschen aus dem Katar eine hervorragende Zweitresidenzadresse hergibt. Billige Arbeitskräfte gibt es zuhauf. Wer weiß, vielleicht braucht Mr. E. irgendwann mal selbst eine Zweitadresse in Katar?

Nicht nur die Scharia hat also schleichend in der Türkei Einzug gehalten, sondern auch die reichen Katarer.

Katharsis
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