Meine Begegnung der besonderen Art mit den Möbelmonteuren

Ich kaufte in dem Möbelhaus, wo man nach dem Kauf der Möbel viel schrauben muss, ein Sofa. Ich buchte die Lieferung mit. Dann sagte mir die nette Verkäuferin, dass ich die Montage mitbuchen sollte, zumal die Überzüge schwer zu beziehen wären. An den 29 Euro wollte ich sowieso nicht sparen.

Das Sofa wurde, wie angekündigt, pünktlich geliefert. Die Monteure waren sehr nett und konnten sich in Arabisch untereinander hervorragend verständigen. „Montage?“ fragten sie mich. „Ja klar, mit Montage“ sagte ich. Wie die beiden die Montageanleitungen auf dem Boden ausbreiteten, machte mich schon stutzig. Das war nämlich die Art, wie ich so etwas angehen würde und die beiden sollten, wie mir die Verkäuferin versicherte, absolute Spezialisten sein.

Es waren vier Sitzblöcke miteinander zu verbinden, aber ich hatte den Eindruck, dass der eine für die Montage und der andere für die Demontage zuständig war.

Ich stellte als Laie schon schnell fest, dass die Teile unmöglich zusammenpassen würden. Die Module waren falsch angeliefert. Nur, in welcher Sprache sollte ich das denen erklären? Nach knapp einer Stunde, sagte dann einer von den beiden: „Nix!“, was so viel heißen sollte wie: „Die Teile sind falsch geschickt worden und so können sie unmöglich zusammenpassen, wir werden jetzt nicht mehr weitermachen.“

„Okay!“ sagte ich, was so viel heißen sollte wie: „Ich habe doch direkt gesagt, dass die Teile nicht zusammenpassen können, denn würde man die zusammen bekommen, würden zwei Sitze nach vorne und zwei nach hinten schauen.“ Nein, das habe ich mir gedacht und nicht gesagt. In welcher Sprache hätte ich das denn sagen sollen?

Dann hielt einer mir sein Handheld hin. Dort waren Smiley-Gesichter drauf. Sechs Stufen wurden mir angeboten. Von verdammt freundlich lachend, so wie ich immer drauf bin, bis zu den Erdogan-Anhängern, die meine Beiträge lesen. Genau da wollte ich draufdrücken und just in dem Augenblick sagte einer der Monteure, der mir das Gerät hingehalten hat: „Kündigung, nix gut!“ und wollte sagen: „Wenn Sie da draufdrücken, obwohl wir nichts zusammenmontiert haben, werden wir gefeuert werden. Deshalb bitte gnädig sein und eine bessere Benotung zuteilwerden lassen.“

Daraufhin sagte ich: „Ja aber, wenn ich Sie besser benote als einen Erdogan-Anhänger, wird Ihr Chef mich für verrückt halten, zumal nichts montiert wurde.“ Nein, das sagte ich nicht. Wie denn auch?

Ich drückte auf die 4. Stufe. Das ist der Erdogan-Anhänger, bevor er wählen ging und staunte abermals über mich, was für ein weiches Herz ich hatte und sogar drauf und dran war, mich als Blödmann abstempeln zu lassen.

Einer von den beiden zeigte auf den Betrag „29 Euro“ in der Rechnung. Ich sollte auch noch dafür bezahlen.

„Sie spinnen wohl, Sie haben doch nichts gemacht, dafür kann ich doch nicht bezahlen“, sagte ich nicht.

Um dem Ganzen ein schnelleres Ende zu bereiten, habe ich bezahlt und sogar 1 Euro Trinkgeld gegeben. Sonst hätten die beiden mir nämlich zu erklären versucht, dass die keinen Euro dabei haben.

Dann zeigte der eine auf seinen Handheld. Dort sollte ich wohl reinschreiben, was verkehrt gelaufen war. Nur musste ich nach langer Suche, erst einmal die Tastatur zum Vorschein bringen. Der Mann konnte das nicht. Ich drückte auf die „Hilfe“ Taste und las zuerst einmal die Gebrauchshinweise. Somit war das Montageteam auf drei Personen angewachsen.

Wir ergänzten uns hervorragend, ohne ein einziges Wort miteinander zu wechseln.

Am Ende speicherte ich das, was ich schrieb und verabschiedete die beiden. Einer von den beiden sagte mir nicht: „Dass ich zu dem betreffenden Möbelhaus fahren und die Angelegenheit klären soll.“

Sie machten sich auf und wollten gehen, ohne die gebrachten Möbelstücke mitzunehmen. Das Wohnzimmer war voll von den Möbelteilen, Polstern, Kissen und Verpackungsmaterial.

„Sie können das doch nicht alles zurücklassen!“ wollte ich sagen. Da sagten beide im Gleichklang, aufeinander zeigend: „Montör“, sollte heißen: „Wir sind Monteure von Allahs Gnaden und übernehmen keine Rücktransportaufgaben. Das machen andere. Nehmen Sie bitte Kontakt mit unserem Arbeitgeber auf.“

Und weg waren die beiden. Dabei muss ich sagen, dass das Möbelhaus mit mehreren Transportunternehmen zusammenarbeitet.

Eine Woche später dann wurden die falsch gelieferten Teile bei uns abgeholt. Das Abholteam sprach Deutsch und Rumänisch. Das Schicksal unserer Arabisch sprechenden Freunde würde mich dennoch interessieren.

Wenn Ihr Möbel kauft und Montage dazu bucht, solltet Ihr auf dem Formular die Sprachen angeben, die Ihr beherrscht. So kann man sichergehen, dass man mit den Monteuren kompatibel ist.

 

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