Ankara versetzt die türkischen Exporteure in Schockstarre

Während die türkische Industrie in dieser schwierigen Situation auf positive Impulse seitens der Regierung wartet, wurde sie mit einer vernichtenden Entscheidung überrascht.

Die Exporteure müssen 80% ihrer Deviseneinnahmen in türkische Lira umwandeln und wenn sie importieren wollen, wieder Devisen kaufen. Wenn man weiß, dass der türkische Exporteur zumeist Produkte ohne Mehrwert verkauft und diese nur über den Preis zu verkaufen, wird man verstehen, in welch einer Situation sich der türkische Exporteur jetzt befindet. Verluste und das gleich zweima

Ein Beispiel: Wenn ein Exporteur vorgestern 1 Mio. EUR Umsatz gemacht hätte, würde er bei einem Umtauschkurs von 7,54 TL 7.540.000 TL Gutschrift bekommen. Wenn er dann heute für 1 Mio. EUR importieren müsste, müsste er bei einem Euro-Kurs von 7,76 TL und bei einem Verkaufskurs von 7,86 TL also 7.860.000 TL auf den Tisch legen. 320.000 TL mehr und das innerhalb 24 Stunden. Wer soll da noch kalkulieren können?

Die Entscheidung ist seit gestern gültig. Bis jetzt hatte der türkische Exporteur auch die Möglichkeit, Devisen, die aus dem Export entsprangen, im Ausland zu parken und für nötige Importe zu benutzen. Seit gestern müssen die Beträge schnellstmöglich auf das Konto bei der Bank, welches beim Export mitgewirkt hat, geholt und zu 80% in TL umgetauscht werden.

“Meine These, dass Erdogan & Co. die Türkei in die Knie zwingen möchten und nur mit diesem Ziel operieren, bekommt immer mehr Nahrung.” Der Erdogan-Anhänger wird bei solch einer Aussage ausflippen, aber auf der anderen Seite, wie soll man sonst solch schrägen Entscheidungen deuten? Das Land in 16 Jahren in die Importabhängigkeit getrieben und dann solche Entscheidungen, die niemandem Nutzen.

Der Präsident des Verbandes der türkischen Exporteure TIM, Ismail Gülle sagte: „Im Vorfeld solch einer Entscheidung hätte man auch unsere Meinung einholen müssen.“ Er sagte auch, dass diese Regelung die türkischen Banken ebenfalls in Schwierigkeiten bringen wird, zumal diese immer dann, wenn größere Beträge für den Import nötig werden, diese erst beschaffen müssten. Einen Teil der Exportumsätze im Ausland zu halten hatte folglich doppelten Nutzen. Der Exporteur, der in der Türkei bei seinen Produkten im Schnitt 82% Importanteil hat, konnte jederzeit mit dem im Ausland geparkten Geld importieren und die Hausbank musste nicht Devisen hergeben, die sowieso knapp sind.

Der Präsident der Maschinenexporteure Dalgakıran sagte: „Bei uns in der Branche wird viel auf Ziel und Ratenzahlung verkauft. Wenn jetzt die Gelder schnell ins Land fließen müssen, werden wir ein wichtiges Instrument bzw. Verkaufsargument weniger haben.“

Außerdem ist es in der Maschinen- und Anlagenbauindustrie so, dass man einen gewissen Betrag, bis die Anlagen laufen, als Sicherheit hinterlegen muss.

Der Präsident der Stahlindustrie Ekinci sagte gar, dass 65 bis 90% der Exporteinnahmen für Importe eingesetzt werden müssten und diese Regelung des hin und her Umtausches die Branche in noch größere Schwierigkeiten reinstürzen würden.

Durch die Jahre kenne ich so ziemlich alle wichtigen Entscheider der Türkei. Wenn man mit diesen unter vier Augen spricht, gehen sie mit leiser Stimme aus sich raus und sagen offen, welche unfähige Leute an der Macht sind, nur in der Öffentlichkeit reicht es nur zu: “Man hätte uns auch zu Rate ziehen können.”

Das ist ein Todesstoß für viele Branchen.

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