Die Spitze fährt mit tiefer gelegten Autos, bei lauter Musik durch die Straßen

Du hast Hundert Millionen Euro zur Verfügung und möchtest damit investieren. Die Türkei ist eine deiner Optionen, aber jetzt siehst du, dass die türkische Lira ständig an Wert verliert und es der Wirtschaft des Landes außerdem schlecht geht. Du wartest ab, denn schließlich möchtest du die Risiken so klein wie möglich halten.

Ein-Mann-Regimes traut man grundsätzlich nicht

Deine Berater erinnern dich daran, dass die Türkei ein Ein-Mann-Regime ist. Also, egal wie gut die Wirtschaft funktioniert, das Risiko ist dieser eine Mann, der in der Türkei Erdogan heißt. Was ist, wenn er eines Morgens von seiner schlechten Seite aufwacht und die falschen Entscheidungen trifft?

Dabei wacht er immer von der falschen Seite auf, und trifft immer die falschen Entscheidungen und tut er das mal nicht, dann hat er keine Entscheidungen getroffen, was auch bitter sein kann, denn die Wirtschaft braucht Impulse, die weiterbringen.

„Bald platzt mir der Kragen!“

Die Zentralbank hat die Zinsen über die Erwartungen erhöht. Der Mann sagt: „Bald platzt mir der Kragen!“ und meint die Zentralbank, denn er ist gegen eine Zinserhöhung gewesen weil er keine Ahnung von der Wirtschaft hat. Sicher hofft er aber insgeheim, dass damit alles wieder in Ordnung kommt.

Wird nicht! Argentinien steht mittlerweile bei über 60% Zinsen und nichts wird besser. Mit Leitzinserhöhungen wird sich die Wirtschaftslage der Türkei nicht normalisieren. Bald werden die Devisenkurse wieder stärker ansteigen.

Die Wirtschaft braucht Impulse und muss der Spitze trauen. Die Spitze? Erdogan und sein Schwiegersohn, der Finanzminister, dem auch das Schatzamt untersteht, sind die Spitze. Wo soll also das Vertrauen herkommen?

Die inländischen Investoren trauen denen nicht einmal, wie soll der Ausländer denen trauen?

Am 20. September werden die mittelfristigen Pläne für die Wirtschaft verkündet. Wird auch nichts bringen, denn die Sache ist aus dem Lot geraten. Die Spitze muss zuerst den eigenen Unternehmern und Investoren im Land Vertrauen einflößen und dann das Ausland ins Visier nehmen.

Brumm, Brumm!

Irgendwie erinnert mich das Vorgehen der Spitze an die Halbstarken, die mit lauter Musik, die Bässe auf Dröhnung eingestellt, bei offenen Fenstern, mit ihren tiefer gelegten Autos, durch die Straßen fahren und glauben wer zu sein.

Manche OP’s in den Kliniken können nicht mehr durchgeführt werden

Still und leise blutet die türkische Wirtschaft aus. Nicht nur die Wirtschaft. Heute erzählt mir ein Herzchirurg, dass seine Herzklappen, die er in Reserve hatte, alle verbraucht seien. Die Kasse bezahlt keine neuen Importe, also müssen die Patienten nach Hause geschickt werden. Nicht anders soll es in anderen medizinischen Bereichen ausschauen.

Ich habe selber einen Bekannten dem ich die Medikamente mit Reisenden aus Deutschland schicken muss. Der Patient muss bei 1.100 TL/Monat Rente, monatlich 8.000 TL für Medikamente aufbringen. Er versucht sein Haus, in dem er wohnt, zu verkaufen und zur Miete zu wohnen, damit er sich die Medikamente leisten kann. Durchhalteparolen und leere Versprechungen bringen diesen Personen herzlich wenig, eher wird denen durch eine nicht durchgeführte OP das Leben genommen.

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