Die Deutschland-Reise: Ein großer Erfolg für Erdogan

Es ist überstanden. Im Nachhinein stelle ich fest, dass alle Situationen, die ich mit Fremdschämen begleitete, am Ende Pluspunkte für Herrn Erdogan waren. Er war nicht in der Absicht nach Deutschland gekommen, um die Deutsch-Türkische Freundschaft zu bestärken, oder auf den angeblich früher guten Zustand zurückzuführen. Es ging um die Stärkung seiner Machtposition in der Türkei, im Nahost und unter seinen Anhängern in Deutschland und Europa. Das ist ihm hervorragend gelungen. Jede kleine Geste, Mimik und überhaupt alles saß. An dieser Stelle muss ich seine Anhänger bitten, nicht in Euphorie auszubrechen. Er tat nichts für Euch, nur für sich.

Wie er den deutschen Bundespräsidenten für ein Foto am Arm greift und zu sich zieht, ist eigentlich ein Bild für die Götter. Dann die Moschee Eröffnung. Kein einziger deutscher Politiker dabei. Er steht alleine auf der Bühne und per Live-Schaltung in die Heimat trifft er die richtigen Worte. Politischer Islam halt. Schade um die schöne Moschee.

Deutschland schaute zu, wie er Deutschland als seine Bühne benutzte. Jetzt ist er weg. Die türkische Community ist noch gespaltener als zuvor. Um Geld ging es nicht. Warum sollte er sich eine Absage einhandeln, denn wenn es soweit ist, müssen alle sowieso zahlen, oder Schulden streichen. Trotz der maroden Wirtschaft markierte er den Starken. Was mit der türkischen Wirtschaft passiert und passieren wird, interessiert ihn nicht. Schuld werden sowieso immer die anderen sein. Die Reise hat der Türkei und den Türken auf dieser Welt nichts gebracht, aber er hat seine Machtposition gestärkt. Als sein Kritiker muss ich neidlos anerkennen: Die Deutschland-Reise war ein voller Erfolg für ihn.

Wie ein Freund gestern treffend feststellte, hätte er der Welt was vorführen können, wenn er in der Situation als der eine Journalist an den Armen gepackt aus der Pressekonferenz herausgetragen wurde, gesagt hätte: „Lassen Sie den Mann in Ruhe, behandeln Sie in Deutschland so die Journalisten?“ In der Situation hätte ich gerne Frau Merkel erlebt. Nun gut, man kann nicht alles haben. Wie gesagt, die Reise war ein großer Erfolg für ihn und findet auch in Nahost entsprechenden Nachklang, wie bei der hervorragend inszenierten „One Minute“ Aktion von Davoz. Ich weiß nicht, ob seine Anhänger diese Aussagen richtig verstehen werden. Hier nochmal erklärt: Die Reise war ein Erfolg nur für ihn allein, die Türkei und die Türken hat das ganze nicht tangiert. Weiter sitzen 80.000 u.a. deutsche Staatsbürger und Journalisten, ohne Anklage im Gefängnis, 180.000 sind entlassen und dürfen nirgendwo mehr arbeiten, die meisten Menschen können sich immer weniger leisten und leben unter der Armutsgrenze u.v.a.m.

Lasst uns in Deutschland weiter darüber reden, wie wichtig der Islam für das Land ist und wie nicht integrierbar die Türken sind. Geht es noch schlimmer? Bestimmt!

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