Türkei: Der Abwärtstrend der Lira ist hausgemacht

Der sich in der Türkei unter Hausarrest befindliche US-Pastor, der zu der Spannung im Verhältnis der Türkei zu den USA führte, wird sicher irgendwann freigelassen werden.

Nur ob sich dann die wirtschaftliche Situation der Türkei, insbesondere der Abwärtstrend der türkischen Lira gestoppt werden kann und sich normalisiert, ist eher unwahrscheinlich. Eigentlich ist der Abwärtstrend seit 2008 die Normalität. Damals konnte man durch die Nullzinspolitik günstige Kredite aus dem Ausland bekommen. Auch floss das Kapital wegen der Aussicht auf höhere Gewinne in Schwellenländer, wie die Türkei.

Die Importabhängigkeit der Türkei stieg immer weiter an. Devisen mussten her, denn sonst konnte man nicht importieren. Alle, ich inklusive, sprachen nur vom Wirtschaftswachstum und wie toll sich alles in der Türkei anließ. Dabei musste man diesen positiven Eindruck mit Devisen für teures Geld erkaufen.

So zu tun, als müsse man die Beträge nicht zurückzahlen, funktionierte bis zu einem gewissen Punkt, denn wirtschaftliche Fehler kann man nicht aussitzen und auch nicht mit Polizeieinsätzen zum Stillschweigen bringen.

Da stehen wir nun.

Die Gelddruckereien laufen auf Hochtouren, denn wie soll man sonst die teuren Devisen kaufen? Die Unternehmen gehen zu Tausenden Pleite. Darüber darf nicht berichtet werden. Wie kritisch es um die Rückzahlung der Kredite steht, zeigt auch die Tatsache, dass die deutschen Banken, in kürzeren Perioden, ja fast wöchentlich, an die Bankenaufsicht Bafin berichterstatten müssen, wie es um die Türkei Deals steht.

Dabei kommt Deutschland, mit gerade mal 20 Milliarden EUR Darlehen an die Türkei, relativ gut weg. Spanien hingegen, zittert um 100 Mrd. EUR und viel anders sieht es für Italien und Frankreich auch nicht aus. Morgen wird die türkische Regierung die mittelfristigen Strategien der Regierung im Hinblick auf die Wirtschaft verkünden. Wie man im Vorfeld erfahren kann, wird es sich gut anhören, nur sind da kaum Überschriften dabei, die man die letzten Wochen nicht auch schon vollmundig erwähnt hat.

Gute Vorsätze, die wir uns auch vor jedem Schuljahr früher vornahmen, um es dann am Ende nicht umzusetzen. Ich habe oft über die Investitionsanreize der Türkei berichtet. Diese sind auf dem Papier so attraktiv, dass man eigentlich nur die Projektentscheidung treffen muss, denn der Staat würde für alles Restliche aufkommen.

Dennoch, niemand wollte. Jetzt, wo die Türkei ein Ein-Mann-Regime, also eine Diktatur hat, soll das besser klappen?

 

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