Was habe ich nur nicht verbrochen? – Die Dramaturgie fehlt

Es mag makaber klingen aber, ich finde ich hätte in Deutschland einen besseren Start, mit mehr Reichweite und Fördergeldern verdient gehabt. Wenn ich wenigstens einige Tage in einem türkischen Knast gesessen hätte!

Bei mir ging es zu glatt ab, die Dramaturgie fehlte. Ich mache ein Video für ein „Nein“ zur Verfassungsänderung in der Türkei, das Video wird in zwei Wochen 16 Mio. Mal über Facebook abgerufen, ich soll verhört werden und verlasse als Deutscher die Türkei.

Nicht erst seit heute stelle ich fest, dass andere, die die Türkei genau wie ich verlassen mussten, wenn sie dort eingesessen waren, Stipendien, sonstige Fördergelder, Unterstützung jeglicher Art aus vielen Töpfen in Deutschland bekommen. Wie ich von einigen weiß, haben sie sich nicht einmal mit Formalien rumschlagen müssen.

Fakt ist: Zu sagen haben sie weitaus weniger als ich.

Die Türkei ist eine Diktatur, die Menschenrechte werden missachtet, Andersdenkende werden verhaftet, oder müssen mit Repressalien rechnen, Journalisten u.v.a. sitzen ohne eine Anklage ein, und Ende. Das Ganze ist sowieso die Beschreibung der Diktatur. Nun gut, mir fällt das Fehlen der Inhaftierung immer dann ein, wenn ich bei meinem abermaligen Kaltstart im Leben, das bleibt nicht aus, wenn man mit der Türkei befasst ist, mich wieder daran erinnere: „So ein kleiner Knastaufenthalt hätte es gebracht.“

Ich hatte vor 20 Jahren mal einen Termin in einem Büro, wo gerade eine Razzia stattfand. Schon nahm man mich mit zur Polizei und ich musste eine Nacht in der Zelle verbringen. Ob ich diesen Aufenthalt mit anrechnen lassen kann? „Antrag auf Umschreibung des Gefängnisaufenthaltes in Deutschland auf die Türkei“. Geht nicht?

Dann mache ich halt so weiter wie gehabt. 😉

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