Türkische Wirtschaft: Wenn der Pastor seinen Segen nicht erteilt

Dass die Geschehnisse um einen Pastor am Ende die Entwicklung des Dollar-Kurses gegenüber der türkischen Lira mit beeinflussen würden, hat sich wohl niemand ausdenken können, wie das gerade mit Pastor Andrew Brunson in der Türkei passiert. Der Pastor, der schon bald 20 Jahre eine Kirche in Izmir leitete, wurde kurz nach dem Putschversuch inhaftiert. Ihm werden Dinge vorgeworfen, die jedem willkürlich inhaftierten in der Türkei vorgeworfen werden.

Amerika drohte mit Sanktionen und prompt wurde der Pastor aus der Haft entlassen und unter Hausarrest gestellt. Die USA verlangte, dass der Pastor die Türkei verlässt und in die USA reist. Seitdem kochen die Gemüter. Die Türkei sagt “Wir lassen uns nicht unter Druck setzen”, dabei haben sie doch schon mal auf erste Anforderung der USA den Pastor aus dem Gefängnis rausgeholt, nur den nächsten Schritt möchten sie doch nicht gehen.

Jetzt haben die USA gegen zwei türkische Minister Sanktionen verhängt. Die zwei Minister, die an der Inhaftierung vom Pastor mitwirkten. Deren US Besitz ist beschlagnahmt worden. Beide beteuern in den USA nichts zu besitzen. Dem braucht man kein Glauben schenken, denn die Sanktionen wären keine, wenn die Aussagen der Minister stimmen würden. Auch dürfen US Bürger mit den Ministern keine Geschäfte mehr machen. Die beiden Minister scheinen richtig geschäftstüchtig gewesen zu sein, wenn diese Maßnahmen sie treffen sollen.

Die Türkei hat die Entscheidung verurteilt und Gegensanktionen angedroht. Noch vor einigen Monaten sprachen wir von der magischen Grenze von 4 TL des US Dollars. Gestern ist bereits die nächste magische Grenze von 5 TL überschritten worden. Wo das hinführen soll, weiß man nicht. In diese schlechte Phase hinein wird die Geschichte mit dem Pastor Herrn Erdogan gerade rechtzeitig gekommen sein. Seine leichtgläubigen Anhänger werden ihm gerne abnehmen, dass der Pastor am Niedergang der Wirtschaft schuld ist.

So, wie die Öffentlichkeit sich in der Türkei gibt, gibt es die Krise gar nicht. Einige Telefonate mit großen Steuerberatungsbüros und schon weiß man Bescheid, wie es um die Wirtschaft steht. Über fünfzig Prozent der Mandanten können nicht einmal den Steuerberater bezahlen. So lebt man in Eintracht und schweigend bis zum bitteren Ende weiter.

Übrigens, was passiert am Ende? Das Bild wird nicht so sein, wie nach einem Erdbebenfilm, wo alles dem Erdboden gleicht gemacht ist, nein, dafür gibt es solide funktionierende Unternehmen der Wirtschaft, die das ganze mit Blessuren überstehen und sich erholen werden. Die breite Masse der kleinen und mittelständischen Unternehmen, darunter auch Große, werden das Ganze nicht überleben. Die Arbeitslosigkeit wird ständig steigen, die überschuldete Bevölkerung, kann jetzt schon die meisten Schulden nicht bedienen und die Situation wird sich bestärken. Die Banken werden ihrerseits in Schwierigkeiten kommen. Sie müssen, wie ich gestern berichtete, alleine die nächsten 12 Monate an die 130 Milliarden USD ins Ausland überweisen. Mit welchem Geld, wenn doch nicht mehr rein kommt? Die Inflation und folglich die Preise werden ins Unermessliche steigen. Die Menschen werden den, hoffentlich nicht zu kalten Winter, in der Kälte verbringen.

Ankara muss immer wieder weitere Finanzmittel beschaffen. Die staatlichen Unternehmen der Türkei, staatliche Grundstücke, Immobilien einfach alles was die Türkei so besitzt, werden als Sicherheit angeboten und anschließend nicht mehr der Türkei gehören.

Eigentlich müssten jetzt die Regionalwahlen vorgezogen werden. Danach kann Ankara die Zügel schleifen lassen und der Dinge entgegensehen, die passieren.

1 USD = 5,05 TL 1 EUR = 5,88 TL (10 Uhr MEZ, 02. 08. 2018)

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