Türkei: Warum sollte jetzt nicht alles besser werden?

Diese Frage stelle ich mir immer wieder. 16 Jahre ist nunmehr Herr Erdogan an der Macht und die Hälfte der Zeit stand er unter massivem Druck. Die Korruptionsvorwürfe brachten ihn im Besonderen und seine Mannen unter Zugzwang. Er brauchte das Präsidialsystem und musste der erste Präsident dieses Systems werden, denn sonst hätte er das Land womöglich verlassen müssen um den Klagen, die auf ihn zukämen, zu entkommen.

Er hat es geschafft. Wie erleichtert er ist, kann man dieser Tage an der Körpersprache sehen. Er ist der King. Das er vom innersten Lachen kann, konnte man dieser Tage ebenfalls erleben.

Schön, das wäre dann geschafft, jetzt schauen wir mal weiter.

An dieser Stelle kommt meine Frage: Warum sollte  jetzt nicht alles besser werden? Die Logik und die Erfahrung sagen, dass einer, der sich der Druck entledigt hat, freier agieren kann. Das kann Herr Erdogan jetzt tun und die Türkei zu neuen Ufern führen.

Kann er das? Erlauben die Umstände das?

Dann aber, rufe ich mir den IST-Zustand der Wirtschaft wieder ins Gedächtnis. Warum wirtschaftet einer, der Alleinherrscher über das Land werden wollte, sogar Kalifats Träume träumt, das Land ab. Die Türkei ist in den letzten Jahren auf allen Gebieten ein Import abhängiges Land geworden. Eine Umkehr ist schwerlich möglich. Da frage ich mich abermals, warum hat er das dann gewollt und sich die Zukunft vermasselt? Eigentlich müsste er jetzt anfangen, all seine Fehler zu reparieren, nur mit welchem Geld und Manpower? Der Bildungsstand der letzten Generationen liegt am Boden und der Fachkräftemangel ist 6. höchste der Welt.

Dass die meisten Schlüsselindustrien und Privatisierungen über die AKP-People, gewinnbringend für die eigenen Taschen, an die Ausländer verkauft worden sind, darf man nicht vergessen, aber der türkischen Bevölkerung ist so etwas gleichgültig. Dass der einfache Bürger am Ende den Schaden hat und über die Steuern dafür aufkommen muss, interessiert den Türken auch nicht. Dann kann man das Ganze auch als ein Plus ansehen. Die ausländischen Investoren, die in die türkische Industrie investierten, forschen und entwickeln. Also würde deren Forschen und Entwickeln auch der Türkei zugutekommen. Was die Türkei am Ende davon haben wird? Arbeitsplätze zu Mindestlöhnen, also zum Hungerlohn.

Ich denke, das Spiel fängt jetzt erst an. Es wird ein heißer Tanz auf dem Vulkan.

Über 450 Milliarden USD Schulden, Arbeitslosigkeit auf Rekordniveau, die meisten arbeitslosen Akademiker, Menschen im erwerbsfähigem Alter, von denen über 50% dem Arbeitsmarkt fernbleiben und von anderen unterhalten werden müssen, junge Bevölkerung die nach Arbeit schreit, über 3 Mio. Flüchtlinge, die bereits sind zum Hungerlohn zu arbeiten und den Türken die Arbeitsplätze wegnehmen, ein Stau an Steuer- und Preiserhöhungen in allen Bereichen, hohe Inflationsrate, die tendenziell noch nicht am Ende angekommen ist, Wertverlust der türkischen Lira, volle Gefängnisse, Liste mit noch zu verhaftenden Menschen u.v.a.m.

Dann gibt es noch das eine Problem. Es ist ein ungeschriebenes Gesetz, dass ausländisches Kapital “Ein-Mann-Regimes” nicht traut und eher meidet, weil alles von den Launen eines Mannes abhängt.

Es bleibt spannend.

Noch was! Für die Meinungsfreiheit und der Menschenrechte wird es noch schlimmer kommen. Schließlich werden die Kapazitäten der geplanten Gefängnisse ausgelastet werden (250.000 Personen Kapazität). Die Islamisierung wird voranschreiten u.v.a.m.

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