Türkei: Ein Leben ohne Sonnenblumenkerne ist undenkbar

Wenn z.B. nach einem Fußballspiel das Stadion gesäubert wird, machen die Hülsen der Sonnenblumenkerne bestimmt 80% des Mülls aus. Zu jeder Gelegenheit, werden in ICE Tempo die Kerne mit dem Äußeren zwischen die Scheidezähne geführt und mit Zungeneinsatz im Nu von der Hülse befreit. Die Hülse spuckt man zumeist auf die Straße, während man zuhause dafür spezielle Behälter bereithält.
In den letzten Jahren hat die Türkei so viel Sonnenblumenkerne aus China importiert, dass sie vom Exporteur zum Importeur wurde. Die Gebrüder Cetin aus Sivas sagten z.B. dass deren Anbaufläche, vom letzten Jahr 1.500 Hektar auf 900 Hektar in diesem Jahr zurückging. Sie rechnen damit, dass in 1-2 Jahren schon keine türkischen Sonnenblumenkerne mehr geben wird.
80% der Sonnenblumenkerne kommen aus China. Die Sonnenblumenkerne aus China sehen, wie ich als Verzehrexperte weiß, dicker aus. Sie haben folglich mehr Inhalt. Nur, warum die so dick sind, weiß der Türke nicht. Sie hätten es versucht auch so zu züchten, schafften es aber nicht. Laut Gebrüder Cetin war die Produktion der Türkei vor zwei Jahren noch 150.000 Tonnen. Mittlerweile sind es nur noch 50.000 Tonnen. Dabei exportierte die Türkei noch vor zwei Jahren 75.000 Tonnen.
So wie mit den Sonnenblumenkernen der Fall, wird die Agrarwirtschaft der Türkei immer kleiner. Es hat System, wenn dafür gesorgt wird, dass die Bauern sich der Agrarwirtschaft abwenden und ihr Land als Bauland verkaufen. Wenn die Türkei verstanden haben wird, dass man Beton nicht essen kann, wird es zu spät sein. Es ist schon zu spät, ein Rückkehr zum Besseren wird es für die Agrarindustrie nicht mehr geben. Das soll nicht als Vermutung von mir in der Luft stehen bleiben, nein, es gibt keinerlei langfristige Planungen, außer Slogans, die die Agrarwirtschaft ein Überleben garantieren könnten.

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