Schließung von Staatstheatern, -Oper, -Ballett: Zwei Schritte zurück, eins vor

Anders kann man die Eile von Herrn Erdogan, den Islam so schnell wie möglich in der Türkei voranzubringen und zu installieren, nicht beschreiben.

Die schon lange ins Auge gefassten und auch auf dem Papier verfassten Maßnahmen werden einer nach dem anderen umgesetzt. Nur geht alles so forsch und unbedacht, dass einiges davon wieder revidiert und/oder zurückgenommen werden muss.

Die erste wichtige Amtshandlung von Herrn Erdogan war, die Schließung aller Staatstheater, der Staatsoper und des Staatsballetts. Wie ich oft schon geschrieben habe, dass Verbote nicht direkt kommen würden, war auch hier der Fall. Es wurde nichts verboten, lediglich wurden die Räumlichkeiten und Gebäude anderen Nutzungen zugeführt. So sind die Künstler, Musiker, Schauspieler, Bühnenbildner u.a. immer noch das was sie sind, nur ohne eine Bühne, wo sie ihre Kunst hätten ausüben können.

Die neue Regelung hatte gerade mal zwei Tage Bestand und schon ging man von den zwei Schritten den einen Schritt zurück. Die Gebäude wurden wieder an die Institutionen zurückgegeben, nur brachte man eine neue Regelung, dass die Intendanten der Staatsoper und des Staatsballetts branchenfremde sein dürften. Auch werden alle Leiter, Geschäftsführer genannt werden.

Die Leibwächter, Fahrer und sonstige Bedienstete von Herrn Erdogan, die ihm wohlwollend ihre Dienste geleistet haben, sitzen mittlerweile im Parlament. So kann man gespannt sein, wer demnächst über die Künstler bestimmen wird.

Dass jetzt branchenfremde Mannen und Frauen den Künstlern vorgesetzt werden, ist schon mal eine Beschneidung der Kunst. Es wird nur das aufgeführt werden dürfen, was den Herrschaften genehm ist, am liebsten gar nichts.

Das Zentralbibliothek der Türkei mit 3 Millionen Büchern ist per Dekret ebenfalls dicht gemacht worden. Nach den Medien zur Folge sollen die Bücher in den Palast von Herrn Erdogan transportiert werden. Dass man die dort nicht nutzen kann, weiß man. Zum einen liest Herr Erdogan keine Bücher, hat auch keine Zeit dafür und zum anderen kann das Publikum aus Sicherheitsgründen zum Lesen nicht in den Palast gelassen werden.

Die kränkelnde bis todkranke Staatskasse und die Wirtschaft werden derzeit außen vor gelassen. Niemand scheint sich darum zu kümmern.

Das große Schweigen des Auslandes geht weiter. Sie scheinen Herrn Erdogan zu mögen und die antidemokratischen Schritte in der Türkei zu befürworten.

Noch was! Dem weltberühmten Pianisten Fazil Say wurde ein Konzert in Istanbul kurzfristig verwehrt. Say schrieb einen offenen Brief mit der Überschrift: “Ich möchte in meinem Land leben und meine Kunst hier ausüben dürfen”.

Ich denke in einigen Jahren wird man in Europa sagen: “Wie konnten wir das vor unserer Nase geschehen lassen?” Dann wird es aber zu spät sein und noch schlimmer, die Auswirkungen werden nach Deutschland und Europa reinreichen.

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