Die Würde des Menschen ist unantastbar*

James M. Lindsay, einer der führenden Köpfe der US-Außenpolitik sagte während einer Moderation zum Thema, „Türkei nach den Wahlen“, dass er die Amtszeit von Herrn Erdogan, der heute 64 Jahre alt ist, noch auf 14 Jahre schätzt. Das mag toll für Herrn Erdogan sein aber, was ist mit denen, die aus purer Willkür und weil sie anderer Meinung waren, einsitzen und ihrer Freiheit beraubt werden? Vierzehn Jahre – ist das die Zeit, die diese Menschen noch vor sich haben bis sie dann womöglich freikommen?

Die letzten Jahre haben gezeigt, die inhaftierten kommen als schweigsame Menschen raus und sind dann nur noch ein Schatten ihrer selbst.

Auch wenn viele in den türkischen Gefängnissen festgehalten werden, möchte ich mit dem Beispiel des jungen Saudis Raif Badawi aufwarten, der heute 34 Jahre alt ist.  Badawi gründete 2008 mit 24 Jahren ein Online Forum „Die saudischen Liberalen“. Heute wird er als Internet-Aktivist und politischer Gefangener bezeichnet. In Saudi-Arabien und besonders im Islam hat das Wort „Liberal“ normalerweise nichts zu suchen. So kam es auch. Zuerst durfte er nicht mehr in Ausland reisen, danach wurden ihm seine Konten eingefroren und am Ende wurde er wegen „Beleidigung des Islam“ verhaftet und verurteilt. Zehn Jahre Haft und 1000 Peitschenhiebe. In 2015 wurde erstmals öffentlich ausgepeitscht. Einer seiner Forderungen war, den Islam mit anderen Religionen gleichzustellen.

„Der Staat ist religionslos. Das heißt nicht, dass er ketzerisch ist. Ganz im Gegenteil schützt und pflegt der Staat das Recht aller Religionen, ohne sie zu diskriminieren, zu bevorzugen oder den Glauben der Mehrheit zu missionieren. Der Liberalismus ist die Vision eines freien und guten Lebens für alle. Und diese Vision steht im Einklang mit der göttlichen Religion, die immer und jederzeit zur Güte, Liebe und zum Frieden aufruft.“

Mit Blick auf die Situation der Frauen in Saudi-Arabien schrieb er:

„Natürlich muss das liberale System auf andere Konzepte ausgeweitet werden wie Menschenrechte, Gleichberechtigung und Chancengleichheit. Hätten liberale Frauen und Männer nicht über Jahrzehnte dafür gekämpft, gäbe es solche Konzepte und Ideen nicht.“

Nunmehr dürfen die Frauen in Saudi-Arabien Auto fahren, aber er sitzt und schmort immer noch im Gefängnis.

Im Jahre 2012 wurde er verhaftet und 2013 zu einem „Ungläubigen“ erklärt.

Das Gericht warf ihm vor, er habe Muslime, Christen, Juden und Atheisten als gleichwertig bezeichnet, was gegen ein im Jahr 2014 in Kraft getretenes Anti-Terror-Gesetz verstoße. Dieses Gesetz sieht im Artikel 1 jede Infragestellung des Islam als terroristische Handlung und stellt in Artikel 4 die Verbreitung von solch kritischen „Inhalten, Slogans, Symbolen, Botschaften […] über Audio-, visuelle, Print- und sämtliche soziale Medien“ unter Strafe, bis zur Todesstrafe. Badawi wurde außerdem zu Zahlung von 197.000 Euro verurteilt. Die 1000 Peitschenhiebe sollten innerhalb von 20 Wochen vollzogen werden. Nur die ersten 50 Schläge verletzten ihn so schwer, dass auf Anraten des Gefängnismediziners die nächsten 50 Peitschenhiebe verschoben werden mussten. Er muss also erst einmal gesund werden, damit er wieder zum Krüppel geschlagen werden kann. Das sind wahrlich Momente, wo der gesunde Menschenverstand auf der Strecke bleibt.

Sein Rechtsanwalt ist zu 15 Jahren Haft verurteilt worden. Er hatte etwas ganz Schlimmes begangen (Ironie). „Ungehorsam gegenüber dem Herrscher und der Versuch, seine Legitimität zu untergraben“ und „Schädigung des Rufs des Staates durch den Austausch mit internationalen Organisationen“.

Im März 2015 wurde bekannt, dass Badawi möglicherweise von der Todesstrafe wegen „Abfalls vom Glauben“ bedroht ist.

Badawi leidet unter Bluthochdruck und sein Gesundheitszustand hat sich seit Beginn der Auspeitschungen verschlechtert.

So absurd und unmenschlich die Situation von Badawi ist, so absurd ist die Situation bei den Inhaftierten des Erdogan-Regimes. 53% finden es gut, dass es in der Türkei so ungerecht und unmenschlich zugeht.

(*) Die Würde des Menschen ist unantastbar. … Als Menschenwürde versteht man die Vorstellung, dass alle Menschen unabhängig irgendwelchen Merkmalen wie etwa Herkunft, Geschlecht oder Alter denselben Wert haben, da sie sich alle durch ein dem Menschen einzig gegebenes schützenswertes Merkmal auszeichnen, nämlich die Würde.

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