Wie die Inkassounternehmen der Türkei funktionieren

Inkassounternehmen, sollte man nicht für möglich halten, sind etwas Neues für die Türkei und gibt es seit wenigen Jahren. Da fast das ganze Volk überschuldet ist, haben sie gut zu tun. Der Verbandspräsident der türkischen Inkassounternehmen (Varlık Yönetim Şirketleri Derneği) Selçuk Tuncalı sagte gestern in einem TV-Interview, dass die mit den Schuldnern vereinbarten Zahlungspläne von diesen größtenteils nicht mehr eingehalten werden könnten, weil die Barmittel am Markt, auch bedingt durch die Devisenkursschwankungen, knapp wären. Auch sei ein steiler Anstieg der Schulden zu registrieren. Während die Schuldner in 2010 ca. 5.000 TL Schulden im Schnitt hatten, hätte sich dieser Betrag mittlerweile verdoppelt. Im April betrugen die nicht bedienten Schulden, wo ein Pfändungsbeschluss vorlag, 100 Milliarden TL, wovon 40% von den Inkassounternehmen verfolgt werden würden.

Die Inkassounternehmen setzen auf die Unwissenheit der Bevölkerung, von denen die Masse nicht weiß, dass man kaum mehr was wegpfänden kann und machen diesen am Telefon und per SMS Angst. „Sollten Sie sich bis zum 29. 06. 2018 nicht gemeldet haben, bitten wir Sie am 07. 07. 2018 zuhause zu sein. An diesem Datum werden wir zur Pfändung kommen. Sollten Sie nicht zuhause sein, werden wir durch die Polizei Zutritt in Ihre Wohnung verschaffen….“ usw. Parallel wird die Verwandtschaft (Datenschutz?) per Telefon kontaktiert: „Ihre Nichte schuldet der Bank x den Betrag von …TL, Sie möchte bitte uns sofort zurückrufen, oder am …. zuhause sein, weil wir pfänden kommen“.

In den meisten Fällen wird die ganze Familie in Auffuhr versetzt, damit sie am Ende eine gemeinsame Zahlungsverpflichtung eingehen.

Bitter wird es, wenn der Zahlungsplan nicht eingehalten werden kann. Ab da können die Inkassounternehmen nämlich, laut Gesetzt, mit möglichem Gefängnis drohen.

Die Gespräche der Inkassounternehmen mit dem Schuldner werden aufgezeichnet. Wenn der Schuldner ein Zahlungsversprechen äußert, ist er dran. Deshalb die Warnung, keine Zahlungsversprechen, die man nicht dauerhaft einhalten kann. Denn dann droht man Ihnen nicht mit der Pfändung (der Gerichtsvollzieher kann nur das an Wertsachen nehmen, was doppelt vorhanden ist, also kommen die erst gar nicht), sondern mit einer Haftstrafe.

Im Interview sagte Selcuk auch, dass sie ca. 40% der verbrieften Schulden, also 40 Mrd. TL einzutreiben hätten und die Inkassounternehmen diese Forderungen für 4 Mrd. TL gekauft hätten. Also kann man annehmen, dass die Forderungen für 10% des Gesamtwertes von den Gläubigern verkauft werden. Auch wenn ich das aus dem Gespräch heraus annehme (also nichts verbindliches), so ist das eine Elle, welche Schmerzgrenze die Inkassounternehmen der Türkei haben, wenn Sie mit denen einen Zahlungsplan bzw. zuerst mal den geschuldeten Betrag runter handeln.

Quelle für die Zahlen

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