Gestern wurde ich von Deutschland geküsst

Nach dem Frühstück im Cáfe wollte ich noch zwei Stücke Kuchen für den Nachmittag holen. Vor mir waren zwei Damen und ein Herr, die aber schon bedient wurden. Ich war an der Reihe. „Jeweils ein Erdbeer- und Pflaumenkuchen bitte!“ sagte ich. Gerade hatte ich den Satz ausgesprochen schallte es durch die Bäckerei im Gleichklang: „BITTE!“ (so dick und fett kann ich das Wort nicht schreiben, um den Klang wiederzugeben.)

Ich hatte mein „Bitte“ am Ende, wie sich rausstellte wohl zu leise gesagt, oder die alten Damen und der Herr waren wohl vom Hause aus schwerhörig. Sie wurden aber allesamt durch diesen Umstand wachgerüttelt. Das Deutsche in ihnen kam zu Vorschein: „Wenn man etwas bestellt, hat man am Ende ‚bitte‘ zu sagen.“

Dass ich wohl besser weiß, was ich gesagt hatte, ließ die Damen in Rage geraten. „Sie haben ja nicht einmal gesagt, wie viel Stücke Kuchen Sie haben wollen“ folgte. Ich zeigte auf die Bäckereiangestellte, die meine beiden Stücke schon auf einem Tablett hatte. Also hatte ich das auch schon gesagt.

Erst als ich bezahlte und rausging beruhigte sich die Situation in der Bäckerei und die Polizei musste nicht einrücken. Das Erlebnis zeigte auch, dass Menschen die am Stock gehen, tot ausschauen, noch Reflexe haben. Urdeutsche Reflexe.

Am Abend warnte ich meinen Sohn, dass es in Deutschland wichtig ist, dass ‚bitte‘ am Ende laut auszusprechen. In manchen Gegenden kann das einem das Leben kosten.

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