Einmal HINGESCHAUT: Service-Oase Türkei

Meine Kolumne im Tagesspiegel vom heutigen Sonntag. Der Große Alfred Hitchcock lief in seinen durchweg tollen Filmen irgendwann immer durchs Bild und alle warteten gespannt darauf, an welcher Stelle das passieren würde. Bei meinen Beiträgen ist es der türkische Präsident, der immer durchs Bild läuft, dass mancher Leser manchmal denkt: War das jetzt nötig?

Ihr müsst das so sehen. Politiker kommen und gehen. Solange sie da sind, muss man es ausnutzen. Solche Politiker wie er, die Morgens etwas anderes sagen als abends und den Anhängern einen vom Pferd erzählen… Da muss man einfach zugreifen. 😉 Allen eine schöne, erfolgreiche und kurzweilige Woche.

Service-Oase Türkei

Bevor ich zum Thema komme, muss ich Euch mitteilen, dass Herr Erdogan derzeit mit einer Wahlkampftaktik auffährt, die mir geradezu patentwürdig erscheint. Das geht natürlich nur, wenn man Fans hat, die nicht so genau hinhören. Wenn er zum Beispiel sagt: „Wenn ich gewählt werde, dann werde ich …“ – dann tut er so, als hätte in den vergangenen 16 Jahren jemand anders regiert. Aber er war’s! Soweit dazu.

Im täglichen Leben der Türkei verläuft einiges besser und einfacher als in Deutschland. Die Türkei entwickelt nicht, kauft grundsätzlich das Neueste, was es auf dem Weltmarkt gibt und setzt es ein. Die Banken haben nicht nur tolle Online-Banking Anwendungen, sondern arbeiten auch schneller. Zahlt man auf dem eigenen Bankkonto am Geldautomaten ein, ist das Geld sofort auf dem Kontoauszug sichtbar. In Deutschland kann es Tage dauern. Auch kann man, wenn man die Bankkarte vergessen hat, mit den Daten des Personalausweises oder mit einem QR-Code auf dem Smartphone alles erledigen. Du kannst zum Beispiel jemandem Geld schicken, der es sofort von irgendeinem Automaten sofort mit dem Personalausweis oder dem Smartphone abholen kann. Es gibt noch viele Funktionen, die für die Verbraucher besser funktionieren, als anderswo.

Dass allerdings in einigen Fällen der Service eine Frage des Geldes und der Kosten ist, kann man ebenfalls am Beispiel der Türkei aufzeigen:

Die multinationalen Marken wie Siemens, BSH, Miele oder andere haben die Türkei – im Gegensatz zu Deutschland – in eine Service-Oase verwandelt.

Als ich Geräte dieser Marken in Istanbul kaufte und anschließend noch ein paar Stunden in der Stadt verweilte standen bei meiner Rückkehr nach Hause die Service-Mitarbeiter mit den Geräten vor der Tür.

Ich staunte nicht schlecht. Anschließend haben sie die Geräte angeschlossen, zum Laufen gebracht, erklärt, wie was funktioniert und beim Gehen noch eine Telefonnummer hinterlassen, die wir anrufen sollten, wenn was unklar ist.

Wenn noch Fragen wären würden sie noch einmal kostenlos vorbeikommen.

Schnell wurde mir klar, dass diese Unternehmen – die ja ihre Mutterwerke und Zentralen in Deutschland haben – diesen Service auch dort gerne bieten würden. Doch die hohen Personalkosten sind der Grund für die „Service-Wüste Deutschland“-  Dass sie diese in eine Oase umwandeln könnten, wenn die Menschen zu Mindestlöhnen von 369 EUR brutto arbeiten würden, beweisen sie in der Türkei.

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