Der Einzelhandel zieht wieder auf die Straße um

In 2017 gab es in der Türkei 397 Einkaufszentren. Wer schon mal in der Türkei war, wird wissen, dass diese nach qm nicht gerade klein ausfallen. Die EKZ’s möchten in der Regel Top-Marken als Mieter sehen und diese sind sowieso in Zugzwang, denn, statt dem Konkurrenten das Feld zu überlassen, mieten sie sich in fast jedem neuen EKZ ein.

Seit ca. 3-4 Jahren sind die meisten Einzelhändler der EKZ, trotz Mietnachlässen von bis zu 60%, mit der Miete im Rückstand geraten. Laut EVA Immobilien Verwertungsgesellschaft haben die Istanbuler EKZ’s mit ca. 42 USD/m² die höchsten Mieten. Hinzu kommen in der Regel ca. 15 USD/m² Nebenkosten noch dazu.

Die Anmietung ist außerdem nicht einfach. Ein Jahresmiete Bürgschaft, oder 6 Monatsmieten im Voraus etc. kommen oft vor.

Auch wenn der Trend für die Einzelhändler “weg von der Straße” war, geht es jetzt wieder zurück in die andere Richtung. Die Besucherzahlen der EKZ’s sind sehr unterschiedlich. Verdient wird zumeist, wenn überhaupt an den Haupt- und nicht an den Nebengängen. Hier berichten die meisten Marken einheitlich, dass sie manchmal 3-4 Tage in Folge ohne Umsatz verbringen.

Laut dem Einzelhandelsverband haben die Top-Marken derzeit nur 10% der Läden auf der Straße. Dieses soll in den kommenden 2-3 Jahren auf ca. 20-25% hochgeschraubt werden. “Die Menschen wollen da einkaufen, wo sie wohnen.” heißt es jetzt auf einmal. In 5 bis 10 Jahren möchten die Labels, die Läden in den EKZ’s und auf der Straße im Verhältnis 50/50 realisiert wissen, heißt es vom Einzelhandelsverband.

Auch wenn die meisten Ladenlokale an den Straßen, wegen der momentanen Wirtschaftslage, mit einem “Zu vermieten” Schild versehen sind, scheint es für die Vermieter auf Dauer doch noch Hoffnung zu geben.

Was dann allerdings die vielen Einkaufszentren machen werden, wenn die Marken wegziehen, wird man sehen. Es ist nicht so, dass keine Mietinteressenten da wären. Bei meinen letzten Gesprächen mit Betreibern fiel oft die Zahl von 17.000 Marken (Mono-Geschäfte, also keine Filialunternehmen), die in die EKZ’s drängen würden. Nur bin ich der Meinung, dass dies keine Lösung wäre für die EKZ’s. Um in einem No-Name Laden einzukaufen, kommen die Kunden bestimmt nicht in ein EKZ, nicht in den Metropolen der Türkei, wo man auf Marken steht. So werden wahrscheinlich einige der Einkaufszentren in Wohnungen, oder gar Bürogebäude umgebaut werden müssen. Warten wir mal ab.

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