Wer erinnert sich noch an Süleyman Demirel? (Eine Anekdote)

Sami Süleyman Gündoğdu Demirel (* 1. November 1924 in Isparta; † 17. Juni 2015 in Ankara) war ein türkischer Politiker. Die Türkei kannte ihn als Süleyman Demirel. Er war siebenmal Ministerpräsident und von 1993 bis 2000 Staatspräsident der Türkei. Man kann ihn für gut oder schlecht halten, er war zum Politiker geboren. Er war auch der Mann mit dem Hut. Sein Borsalino Hut hatte meistens dabei. Griff er danach und hob es hoch, um dem Volk zu Winken, ging ein Jubelschrei los, dass man sich fragte, ob das Volk ihm, oder seinem Hut applaudierte.

Ich möchte nur eine kleine Anekdote erzählen. Es betrifft Süleyman Demirel und meinen Vater. Demirel war ein Schüler meiner Großeltern (Physik bei meinem Großvater, Mathematik bei meiner Großmutter). Früher waren die Lehrpersonen hochverehrte Personen, ein Leben lang. Zwischen dem Studenten Demirel und meinen Großeltern hat die Chemie immer gestimmt. Die Verbindung riss nie ab. 1948 machte Demirel an der TU in Istanbul seinen Ingenieur und war danach ca. fünf Jahre lang 5 Jahre lang im Amt für Wasserversorgung der Türkei aktiv. Kurz danach ging er schon in die Politik. Nach 1961 war er aus der türkischen Politik nicht mehr wegzudenken. Er und sein Borsalino Hut wohlgemerkt.

Demirel und mein Vater Dr. Ing. Reyyan Dener (seinen Doktor machte er damals in TH Aachen, in Gesteins- und Hüttenkunde), waren auch an der Gründung der Devlet Planlama Teskilati (DPT), das staatl. Planungsamt, ehemals einflussreichste Behörde der Türkei, direkt beteiligt. Die Aufgaben des DPT bestehen heute in Konjunkturschätzungen, Beratung und Unterstützung der Entwicklungspläne, Beobachtung der öffentlichen Ausgaben, Beratungsfunktion im Bereich der Geld- und Finanzmärkte, Beteiligung an Kontakten und Gesprächen mit internationalen Institutionen.

Eines Tages rief Demirel, als er schon Ministerpräsident war, meinen Vater zu sich und sagte ihm, dass er ihn an der Spitze der staatl. türkischen Zementindustrie (Devlet Çimento Sanayi) sehen würde. Seine Ernennung war schon beschlossene Sache. Die Unterschriften waren unter der Ernennungsurkunde platziert.

Die offizielle Ankündigung sollte in drei Tagen erfolgen. Mein Vater war schon mal in der Behörde und machte sich mit den Mitarbeitern und Direktoren bekannt. Schon am ersten Tag kündigte sich Demirel an. Er wollte vorbeischauen und meinem Vater den Rücken stärken, es sollten alle sehen, dass er “sein Mann” ist, hinter dem er steht.

Bei der Sitzung mit meinem Vater und einigen Direktoren sagte Demirel, dass er für die kommenden Wahlen mit dem Slogan kommen wolle: “In jedem der 67 Städte wird eine Zementfabrik gebaut!” Schon hatte er meinen Vater, der immer super korrekt war, gegen sich. “Süleyman Bey, das ist unmöglich!” war die knackige Antwort meines Vaters. Es wehte ein kalter Wind durch den Raum.

“Warum soll das unmöglich sein?” “Sie wissen genau wie ich, dass Zementwerke dort nur Gewinn abwerfen, wenn sie da entstehen, wo die Bautätigkeit hoch ist und die Entfernungen zu den Baustellen kurz. Außerdem müssen es ganz große Werke sein, denn klein funktioniert bei Zement nicht.”

Demirel sagte in Politiker-Manier, dass es egal wäre, Hauptsache wäre doch, dass alles projektiert wird, er die Grundsteinlegungen realisieren kann. Nachher würde man entweder bauen, oder seinlassen. Ihr merkt, genau wie die Politiker unserer Zeit. Wie lange baut die Türkei schon an den Geheimwaffen, an unsichtbarem alles, an Autos und Flugzeugen?

“Das ist unmöglich!” hieß die Antwort meines Vaters. Sichtlich wütend soll Demirel das Gebäude verlassen haben. Am Abend bekommt mein Vater dann einen Anruf. Sein Freund aus der Behörde, einer der Direktoren sagt: “Hör mal Reyyan, kündige besser du, bevor Süleyman Bey das morgen tut”. Lange Rede, kurzer Sinn, mein Vater war einen Tag lang an der Spitze der türkischen Zementindustrie.

Übrigens, Demirel machte das Versprechen mit den Zementwerken um es ad acta zu legen.

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