Pacht mal acht? Der türkische Vermieter lacht

In Deutschland gibt es diese Faustregel in der Gastronomie, dass die Pacht 1/8 des Nettoumsatzes ausmachen sollte, also des Umsatzes ohne Mehrwertsteuer.

Bei Hotels kann dieser Betrag 15-25% des Nettoumsatzes ausmachen.

Und in der Türkei? In der Türkei kann man von diesem Verhältnis nur träumen. Besonders in den guten Lagen spinnen die Vermieter. Im Gedanken rechnen sie sich hoch, was sie mit einem Ladenlokal hätten erwirtschaften könnten, wenn sie es denn betrieben und verlangen diesen Betrag dann als Miete. Was bleibt da dem Unternehmer? Das Risiko, ein riesen großes Risiko.

Ich kenne Ladenlokalbetreiber, die am 23., 24. eines Monats erst die Miete verdient haben. Natürlich gehen wir von Läden aus, die einigermaßen laufen.

Als ich damals im Stadtteil Nişantaşı in Istanbul eine Fläche für ein Gastrokette anmieten wollte, in 2007, wollte der Eigentümer 60.000 EUR/Monat Miete für knapp 600 m². So wie der Laden geschnitten war, hätten wir eine Vorbereitungsküche von 200 m². Der Umsatz sollte also auf 400 m² Bruttofläche verdient werden.

Unser Staunen hatte sich noch nicht abgelegt, da kam der Vermieter mit den Bedingungen um die Ecke. Drei Jahresmieten in voraus und eine Bankbürgschaft über eine Jahresmiete. Mehr wollte er nicht.

Funktioniert mit großem Erfolg, im Stadtteil Suadiye in Istanbul, wo sich die Menschen ansonsten nur bedienen lassen.

Als mein Auftraggeber, der dabei war, das alles hörte, kam bei ihm rausgeschossen: „Dann kaufe ich das Gebäude, was soll es kosten?“ Als er 20 Mio. EUR sagte, gingen wir raus und schauten nach oben, wie groß das Gebäude ist.

„Nein, nicht das Gebäude, obendrüber ist alles Eigentumswohnungen, ich meinte nur den Laden!“

Das war an diesem Tag der zweite Vermieterschock für uns. Wir nahmen uns frei und machten eine Bosporus Rundfahrt mit dem Schiff.

Dennoch, jeder Laden findet seinen Mieter, egal zu welchem Preis, denn rechnen können die wenigsten. Oder wollen wir nicht so sein, rechnen könnten sie, wenn sie es denn für nötig hielten. ‘Gefühlt’ werfen alle Ideen und Konzepte Gewinn ab, wenn es die eigenen sind.

Übrigens, bei dem anderen Vermieterschock, von dem ich oben sprach, liefe die Miete in einem EKZ auf ca. 116.000 EUR/Monat. Bei unserem Konzept um die italienische Küche, hätte der Einkaufszentrumbesucher selbst zum Frühstück Pizza, Pasta und Salate essen und das EKZ statt um 10 um 7 Uhr aufmachen müssen.

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