Ja wo laufen sie denn?

Warum das Kopftuch thematisieren, wenn man aus einem Land stammt, wo man Alkohol trinkt und das nicht zu knapp und zockt, bis die Balken brechen und der Staat wegen der hohen Wettsteuer sich die Hände reibt.

Die ersten Pferderennen wurden zu Zeiten des Osmanen im 17. Jahrhundert in der Stadt Edirne und in Istanbul, im Garten des Yıldız Palastes veranstaltet. Im 19. Jahrhundert dann zog man mit den Rennen nach Makriköy, heute Bakırköy um. Dort benutzte man den Grund und Boden des Veli Efendi. Die moderne Pferderennbahn von Istanbul steht heute noch da.

Die ersten durchorganisierten Pferderennen fanden ein Jahr nach der Republikgründung, 1924 statt. Das türkische Derby (Gazi Koşusu) wurde erstmals 1927 in Veliefendi Hippodrom gelaufen. Heute veranstaltet das türkische Jockey Club Rennen in Istanbul, Ankara, Izmir, Adana, Bursa, Kocaeli, Elazığ, Diyarbakır und Şanlıurfa. Antalya soll als die neueste Bahn hinzukommen. Erstaunlich, wenn man bedenkt, dass man sich in der Türkei in einem islamischen Land ist und vor Glücksspielen keinen Halt macht. Das kann man auch schlecht. Wo Geld zu holen ist, holt man. Über 50% der Wetteinsetze behält der Staat für sich.

Übrigens wurde die Rennbahn Veliefendi, zu Zeiten von Enver Pascha 1012/13 von einem deutschen Spezialisten angelegt. Die erste der heute bestehenden Tribünen wurde 1969 fertiggestellt. Heute haben beide Tribünen zusammen eine Sitzplatzkapazität von 7.600 Sitzen.

Das Wettmonopol hält das Agrarministerium und hat diesen zur Veranstaltung von Rennen, an den türkischen Jockey-Club in Lizenz weitergegeben.

Neben der Turkish Airlines sind die Pferderennen, samt dem Wettmonopol, sowie teile der Staatslotterie, dass wertvollste überhaupt, was die Türkei noch besitzt. O-Ton stellv. Ministerpräsident Şimşek.

Klar, es gibt den Glanz von Ascot und Baden-Baden auch in Istanbul, allerdings nur in der VIP Tribüne. Ansonsten sieht man auch hier das Bild des Scharia. Viele Kopftuchträgerinnen, nicht am Wettschalter, aber zumindest als Begleitung der Ehemänner. Überhaupt gibt es sehr viele Rennbahnbesucherinnen. Weitaus mehr als in Deutschland.

Früher in den 60ern und 70ern, als unser Vater uns als Kinder auf die Rennbahn nahm, da gab es den VIP Bereich so nicht, dafür gab es aber auch nicht eine Kopftuchträgerin. Damals waren die moderneren Menschen unterwegs. Sie waren frei im Gedanken und nicht so vom Politik, Ideologien und Religion zerfressen, wie heute. Das Foto zum Beitrag zeigt (s.o.) z.B. die auch heute existente Picknick-Fläche der Rennbahn, wo die Kopftuchquote unter den Frauen derzeit nicht unter 80% liegen dürfte.

Velieefendi alleine ist schon immer fortschrittlicher als die Türkei gewesen. 25. August 1967 drückte der damalige deutsche Außenminister und Vizekanzler Willy Brandt auf den roten Knopf und startete das neue TV-Zeitalter. Das Farbfernsehen war am Start.

1972 ging es dann auf der Rennbahn Veliefendi los. Das Rennbahnfernsehen strahlte in Farbe aus. In der Türkei startete man die Testsendungen in 1982, bis man dann 1984 in Farbe ausstrahlte.

Ja, die Türkei ist voller Gegensätze. Der krasseste Unterschied zu früher ist, dass sich die Menschen nicht mehr grün und schweigsam sind. Die Angst regiert die Türkei. Gerade dieser Tage, als ich einige fragte, ob sie bei einem Event gegen Erdogan mitmachen würden, war die Top-Antwort: “Ich habe eine alte Mutter, wer soll sie pflegen, wenn ich in den Knast komme?”

Was ist das? Da ist ja ein Button unten! 😉

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