Der Wunderheiler aus Alanya

Eine Zeit lang lebte ein Schmerztherapeut aus Deutschland in Alanya. Seine Daumen waren seine Werkzeuge. Wir hatten Sommer und ich war oft mit ihm unterwegs. Er kannte mich von über go2tr.de und wusste, dass Alanya lebens- und liebenswert war. Da er neu in der Stadt war und keine Praxisräumlichkeiten hatte, heilte er zumeist in Hotel-Lobbys, -Zimmern u.a. Räumlichkeiten, die man ihm, oder sollte ich sagen uns zur Verfügung stellte.

Es dauerte nur einige wenige Tage und schon hatte sich rumgesprochen, dass ein Wunderheiler in der Stadt war. Was soll ich sagen, ich war am nächsten dabei und kann bestätigen, dass nicht ein Fall da war, wo er nicht helfen konnte. Wer mit Schmerzen kam, ging schmerzfrei weg. In Alanya Zentrum kannte man mich schon, aber in der Zeit, in der ich mit ihm eine Heilung nach dem anderen realisierte (dabei übersetzte ich nur, geheilt hat er), so färbte das auf mich ab. In seinem Sog wurde ich noch bekannter. Um einen Termin bei ihm zu bekommen, rief man mich an. Ab und an, wenn ich an Schaufenstern vorbei ging und mein Spiegelbild darauf sah, meinte ich des Öfteren, einen Heiligenschein auf meinem Kopf zu erkennen. Der Heiligenschein steht einem der keine Haare hat, besonders gut.

Ich sagte schon oben, nicht seine Hände, sondern die Daumen waren seine Instrumente. Er wusste genau, wo er diese aufzudrücken hatte. Er drückte nicht hart, aber der danach folgende kurz stechende und dann ca. eine Minute dauernde Schmerz, war schon von der brutalsten Sorte, auf die man mit der Zeit süchtig sein konnte. Ich habe mich nämlich auch behandeln lassen. Zu wissen, dass nach diesem Schmerz die Linderung eintritt, das Gefühl ist unbezahlbar.

Mit ihm zusammen lernte ich auch die Türken besser kennen. Besonders die Alanyaner, die wiederum sich nochmals von den anderen Türken unterschieden.

Nur eine Geschichte von vielen, möchte ich hier erzählen. Zwei Geschäftsfrauen auf einer Straße wurden geheilt. Die eine brauchte eine ca. 50 Minuten Sitzung, bei der anderen war die Lage komplizierter, es dauerte bald 2 Stunden. Nachher waren aber beide Top-Fit.

Die Dame, an der man zwei Stunden therapierte erzählt der anderen, wie gut es ihr mittlerweile geht. Die zwei Stunden hätten Wunder bewirkt. „Zwei Stunden?“ fragt die andere Frau. „Wieso zwei Stunden? Warum hat er bei mir nur 50 Minuten therapiert, weiß er denn nicht, dass in der Stadt ganze Straßenzüge an Mietwohnungen mir gehören, was erlauben dieser Strunz!“ Nein, das war am Ende Trapattoni, aber so sind wohlhabende Einheimische in Alanya drauf. Es wird alles mit Geld gemessen. Beide Frauen waren geheilt, die eine hatte ‚nur‘ ein Hotel und die andere ca. 2.000 Wohnungen. Also hätte sie trotz der frühzeitigeren Heilung länger therapiert werden müssen (Lach).

Es war lustig mit dem Schmerztherapeuten unterwegs zu sein. Wenn wir nicht miteinander sprachen, so diagnostizierte er all die Krankheiten, am Gang und Haltung der Menschen, vom Alanyaner bis hin zu den Touristen, kaum einer war gesund.

Er erklärte auch ganz einfach, was er tat. So wie die Türken sich nur Bilder einer Zeitung anschauen, oder bestenfalls die Überschrift/Schlagzeile, bzw. die Bildunterschrift lesen, so hörten sie zu, wenn er was sagte, was wie eine Überschrift, oder Zitat von Atatürk klang.

„Ich kann nur da wirken, wo Blut fließt!“ Nein, damit meinte er nur, dass er schlecht am Knochen etwas bewirken konnte. Also die Muskeln und damit verbunden Nervenstränge waren sein Ding.

Wer vom Schmerz gezeichnet kam, ging lachend wieder weg. Das Ganze kostete lächerliche 150 TL, also ca. 35 Euro. Den Job verrichtete er in Istanbul für 500 – 600 TL, nur in Alanya würden die Menschen lieber den Schmerz ertragen als den hohen Preis bezahlen, auch die mit den 2.000 Wohnungen nicht.

Wir hatten ins Auge gefasst ein sog. Massagesalon zu eröffnen, die man ohne große Modalitäten in die Tat hätte umsetzen können, zumal keine Erlaubnisse nötig sind.

Als ich zu einem Geschäftstermin in Istanbul war, waren in Alanya die Karten neu gemischt worden. Ich war draußen. Er arbeitete mit jemand anderen zusammen. So kühlte sich alles ab. Mittlerweile ist er in den USA.

Männer, ab jetzt gut zuhören! Die türkischen Männer, die ihr Bares in den Hosentaschen tragen im Besonderen, aber Männer überhaupt, werden jetzt größtenteils eine Schmerzlinderung erfahren.

Einmal kam ein Patient, der über Rückenschmerzen klagte. Die Rückenschmerzen wären bei den Männern der Familie genetisch bedingt. So sind die Türken, sie kommen mit der fertigen Diagnose und wollen nur noch geheilt werden. Dieser Mann, der 65 Jahre alt war, hätte die Schmerzen seit über 40 Jahren.

Der Therapeut schaute sich den Patienten an. „Stehen Sie mal mit dem Rücken zu mir!“ sagte er. Das Problem schien erkannt. Wie viele Männer in der Türkei, trug dieser Herr seinen dicken Geldbeutel in der Gesäßtasche der Hose. Das war das ‚genetische‘ an den Männern dieser Familie. Je mehr Geld in der Hosentasche, umso größere Stellungsfehler und Rückenschmerzen.

Lustig war, dass der Mann noch bevor die danach folgende Behandlung erfolgte, merkte, dass er ohne Geldbeutel in der Gesäßtasche weniger Schmerzen hatte. Nach zwei Behandlungen war er geheilt.

Unser Therapeut war zuerst in Istanbul angekommen. Dort wollte er zuerst mit seiner Familie leben. Dann begegnete er zu seinem Pech ‚seriösen‘ türkischen Geschäftsleuten. Er sollte, wenn er ein Unternehmen gründet, auf jedem Fall einen türkischen Teilhaber haben. Schon hatte er einen 50%igen Teilhaber, der nur diesem Status erfüllte und nicht mitarbeitete. Dann hat einer noch die Räumlichkeiten mit ihm geteilt. Hälfte Schönheitssalon, Hälfte er mit seiner Praxis. Die Miete wurde gerecht geteilt. Von den 4.000 TL Gesamtmiete, zahlte er die Hälfte und zwar 10.000 TL. Ich weiß, gefickt eingeschädelt. So kam er nach einiger Zeit in Alanya an, aber die Regularien und das Umfeld, ließen nicht zu, dass er in der Türkei blieb.

Es dauerte einen Sommer lang. Es waren tolle Wochen, wo ich aufblühte und viel Spaß hatte.

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