1952 kam er nach Deutschland

Dr. Ing. Reyyan Dener, 1952, als er das erste Mal nach Deutschland kam.1952 war er das erste Mal in Deutschland und danach unzählige Male, zum Promovieren, zum Urlauben, um hier zu leben, zu Tom Jones, Shirley Bassey, Engelbert H. Konzerten gehen…

Er war ein Wandersmann, wie er im Buche steht. An einem Ort hielt er es nie lange aus.
Er war eine anerkannte Größe, in Europa und der Türkei, wenn es um wirtschaftliche Themen und Projekte der Schwerindustrie ging. Doch war seine innere Unruhe maßgebend daran schuld, dass er privat den Karren immer an die Wand fuhr. Er weilt zwar schon seit 25 Jahren nicht mehr unter uns, sonst hätten wir vorgestern seinen 89. Geburtstag gefeiert, doch wurde mein Leben, vor und nach seinem Tod, stark von seinem Handeln geprägt. Die Rede ist von meinem Vater.

In meinem Buch „Kaltstart Nr. 8“ – ‚Was bisher geschah‘, spielt er natürlich auch eine Rolle (ich schreibe noch).
Um das Bild abzurunden, oder noch verworrener zu machen… Er spielte Geige und wollte er mal unsere Mutter überraschen, dann hielt er Opern-, Ballett, oder Konzerttickets, in der Hand. Ein toller Mann.

Hier noch eine Anekdote mit ihm.

Ich weiß nicht, ob er überhaupt wusste, dass es Religionen gab, aber er wusste, dass die Muslime fünf Mal am Tag beteten. Als Chemieingenieur war er in Naturwissenschaften ein Ass. In Mathematik konnte er jedem was vormachen. Das war insofern nicht verwunderlich, denn ab den 1930ern war die Bildung in der Türkei Top. Bis dann gewisse Leute kamen und alles verkehrten. So kam der Doktor, wie wir Söhne ihn nannten, auf die Idee, eine elektronische Gebetsuhr zu entwickeln. Damals, vor dem Computerzeitalter, war das schon eine Herausforderung. Er schaffte es, auch wenn am Ende andere die Nutznießer waren. Als er in dieser Angelegenheit unterwegs war, stiegen wir in Köln in den Flieger. Wir wollten nach Istanbul fliegen. Es war Ramadan und in der Maschine hatte man den Eindruck, dass, bis auf wenige Ausnahmen, alle fasteten. Sie hatten Tüten und Taschen mit Nahrung, zum Fastenbrechen. Die Maschine hob ab. Eine Stunde später wäre in Köln die Zeit zum Fastenbrechen. Der Geruch von türkischen Pizza, Zwiebeln u.a. hatte schon die Maschine erfasst, würde man all das noch aus den Verpackungen rausnehmen, wäre es passiert. Bei meinem Vater drehte sich schon alles im Magen. Er stand kurz davor den Kotzbeutel zu benutzen.
Dann kam ihm eine Idee. Er ging nach vorne und sagte der Stewardess, dass wir ja nicht mehr in Köln wären und das sicherste Zeichen, dass man nicht frühzeitig was isst, wäre der Sonnenuntergang. Alle sollten warten, bis die Sonne unterging. Tatsächlich machte sogar der Pilot die Ansage. Was er vergessen hatte zu sagen war, dass wir über den Wolken waren und bis Istanbul die Sonne nie unterging.
Der Doktor und ich stiegen schön gesättigt aus.

Doktor hat der Türkei viel geben können. Über Einhundert der tragenden Projekte der Türkei sind von ihm realisiert worden. Zwar gehört fast nichts mehr den Türken, aber zumindest stehen die Werke noch dort, dass die Menschen Arbeit finden können.

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