WAS DU ÜBER DIE SCHARIA SCHON IMMER WISSEN WOLLTEST

“Was du über Sex schon immer wissen wolltest.”

Ich weiß, so ähnlich kling die Überschrift, aber viele tun so, als wüssten sie Bescheid, was Scharia ist.

Eigentlich glaubte ich auch zu wissen, was es ist, aber wie ich feststellen muss, ich wusste es nicht ganz. Ich vermutete nur was es ist. Was ich ganz genau weiß, sind die Folgen. In Ägypten, Iran, Irak und bald in der Türkei. Leute, lasst Euch gesagt sein, denn die Folge ist immer Finsternis und Dunkelheit für die Menschen, im Besonderen für die Frauen.

Hier hat mein Freund Emrah Erken in unserer Gruppe „Before Sharia Spoiled Everything“ in aller kürze erklärt, was es mit der Scharia auf sich hat. Die Zeit ist reif dafür es zu verstehen. Ich bitte zu berücksichtigen, dass in dem was er sagt, auch ein Bezug auf die o.g. Gruppe ist. Wer die Extended-Version haben möchte, kann nach dem Lesen des Beitrages, auf die mit beigefügten Links klicken.

Los geht’s!

Zum Wochenende möchte ich gerne einige Missverständnisse, die ich immer wieder antreffe, beseitigen und einige weitere Erklärungen abgeben, die mir wichtig erscheinen.

Was ist die „Scharia“?

Entgegen weit verbreiteter Ansicht handelt es sich bei der Scharia nicht etwa bloß um islamisches Zivil- und Strafrecht. Vielmehr handelt es sich um die Gesamtheit sämtlicher islamischer Normen inklusive die Methode der Rechtsfindung, wobei der Begriff „Recht“ im weitesten Sinne zu verstehen ist. Das bedeutet, dass die Scharia nach unserem Verständnis Strafrecht, Zivilrecht, rechtverbindliche islamische Knigge (Verhaltensnormen, die mit Recht nach unserem Verständnis nichts zu tun haben) aber auch die Methode in Kultus- und Glaubensbereichen regelt. Diese Vierteilung der Scharia durch mich in diesem Text dient nur dem besseren Verständnis. In der Scharia selbst gibt es sie nicht.

Mit anderen Worten sind die sog. Hadd-Strafen (islamische Körperstrafen) Teil der Scharia, das frauendiskriminierende islamische Ehe- und Erbrecht ist Teil der Scharia aber auch diverse andere zivilrechtliche Rechtsgeschäfte. Ebenso ist es Scharia, wenn man sein Kind nicht in den Schwimmunterricht schickt, das islamische Kopftuch trägt, darauf achtet, dass man den Hintern schariakonform mit der richtigen Hand abwischt, dass der Mann seine Frau mit der er Probleme hat, zuerst ermahnt, dann das Ehebett mit ihr meidet und sie anschließend schlägt, wenn auch das nicht geklappt hat. Und dann schließlich bestimmt die Scharia die Gebetsrichtung oder die Gebetszeit.

Wenn ich mit dem Facebook-Gruppennamen „Before Sharia Spoiled Everything“ aussage, dass die Scharia alles verdorben habe, bedeutet dies, dass die Scharia mit ihren straf- und zivilrechtlichen Regeln aber durchaus auch mit ihren gesellschaftspolitischen Forderungen zurück ist, nachdem sie im 20. Jahrhundert von diesen Bereichen weitestgehend verdrängt worden war. Diese Verdrängung war eine Folge der Politik in muslimisch geprägten Ländern. Seit circa Ende der Siebzigerjahre ist diese Ideologie sichtbar zurück, obwohl sie nie ganz verschwunden war und gewinnt weiterhin an Boden. Dieser Prozess ist noch nicht abgeschlossen. Das Ganze erfolgt allerdings je nach Land, Gesellschaft, Bevölkerung etc. in einem unterschiedlichen Masse.

Ich habe einen Aufsatz über die Scharia geschrieben, die man hier abrufen kann:

https://freiheitoderscharia.wordpress.com/…/eine-islamkrit…/

Was ich jetzt sage, ist sehr wichtig!

Die Türkei ist formell noch ein laizistischer Staat. Doch dieser laizistische Staat hat sehr große Risse bekommen. Allein der Umstand, dass der politisch der Muslimbruderschaft nahestehende Erdogan überhaupt Politik betreiben kann, war in diesem laizistischen Staat nicht vorgesehen. Man sieht nun, was dabei herauskommt, wenn man ihn lässt. Das gegen ihn verhängte Politikverbot war also kein grobes Unrecht, es war wohlbegründet. Stück für Stück wird gegenwärtig der säkulare Staat abgebaut und von Erdogans Gottesstaat ersetzt. Es ist allerdings nicht so, dass es in der Türkei gegenwärtig eine allgemeine Kopftuchtragepflicht geben würde, wie viele Gruppenmitglieder der „Before Sharia Spoiled Everything“ wissen wollten. Was noch nicht ist, kann aber noch werden. Für mich persönlich ist das nur eine Frage der Zeit. Die Islamisierung ist nämlich wie immer eine schleichende. So funktioniert die Taktik der Muslimbruderschaft überall auf der Welt, übrigens auch in Europa. Am Schluss dieses Prozesses soll auch das Kalifat wieder eingeführt werden. Für diesen Zweck hat Erdogan überhaupt seine illegale Bauten in Ankara bauen lassen. Darüber habe ich auch einmal geschrieben.

https://freiheitoderscharia.wordpress.com/…/das-neo-ottoma…/

Nach dem Gesagten möchte ich nun noch weitere davon unabhängige Dinge klarstellen:

Mit der Gründung der genannten Gruppe wollte ich weder das Schah-Regime noch die demokratischen und rechtsstaatlichen Defizite der Türkischen Republik verherrlichen. Meine persönlichen politischen Überzeugungen als europäischer Freier Demokrat sind Lichtjahre von einem Schah-Regime entfernt aber auch vom Etatismus und Kollektivismus der kemalistischen Türkei. Ich will hier ganz bestimmt auch nicht positive Dinge über die türkische Militärjunta der frühen Siebzigerjahre sagen, eine Zeit, die in unserer Gruppe bekanntlich ebenfalls gezeigt wird. Unstrittig ist allerdings für mich auch, dass ich alle Vorgänger der Islamofaschisten, die gegenwärtig am Ruder sind, diesen vorziehen. So wie man den Stalin einem Hitler vorziehen kann, kann man auch den Schah einem Chamenei oder Khomeini vorziehen. Doch darum geht es hier ohnehin nicht. So wie es auch in der Gruppenbeschreibung steht, geht es hier nicht um Staatsmänner oder um gekrönte Häupter. Es geht hier um ganz normale Menschen, die ihre Daseinsberechtigung haben und die das Recht haben, ein zivilisiertes Leben zu führen und zwar ohne Scharia.

Zum Schluss noch dies:

Immer wieder fragen Leute danach, ob die Menschen, die wir hier zeigen, dem „Durchschnitt“ entsprechen würden. Dieser „Durchschnitt“ ist für viele Europäer ein sehr wichtiges Thema. Als „Durchschnitt“ will man nämlich die Scharia-Muslime wahrnehmen und die Existenz der Säkularen als „Elite“ herunterspielen. Ich frage mich warum.

Zunächst einmal sollte diese Gruppe mittlerweile den Nachweis erbracht haben, dass der Säkularismus in der muslimischen Welt keineswegs einer Elite vorbehalten war oder ist. Nach wie vor ist er unter ganz gewöhnlichen Menschen vorzufinden, die mit Elite oder so etwas in dieser Art nichts zu tun haben.

Aber ich möchte dennoch kurz bei dieser Frage bleiben. Was soll sie überhaupt? Warum will man beim Anblick von normalen Menschen wissen, ob sie einem „Durchschnitt“ entsprechen würden? Diese Frage ist meines Erachtens latent rassistisch, weil der Fragesteller oder die Fragestellerin damit versucht, eine gewisse Menschengruppe – hier „DIE Muslime“ – in eine bestimmte Rolle hineinzudrängen. Das Individuelle wird nicht mehr anerkannt. Die Menschen haben vielmehr einem Durchschnitt zu entsprechen, weshalb man überhaupt die Frage stellt. Nehmen wir an, dass Scharia-Muslime tatsächlich dem Durchschnitt entsprechen würden. Haben denn die anderen Menschen aus diesen Ländern kein Recht darauf, ein zivilisiertes und schariafreies Leben zu führen? Muss ich nun auch ein Scharia-Muslim werden, weil diese einem vorgeblichen Durchschnitt entsprechen?

Mit anderen Worten spielt es überhaupt keine Rolle, ob irgendjemand auf diesen Bildern einem Durchschnitt entspricht oder nicht. Und vor allem: Der Durchschnitt war nie wirklich ein gesellschaftliches Vorbild! Für mich jedenfalls nicht! (ARD: Für mich auch nicht!“

Schönes Wochenende

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