Türkei-Business: Handelsvertreter? Fehlanzeige!

Geschäfte auf einem Markt zu machen, wo keiner dem anderen traut, ist nicht einfach. Diese Situation bringt es mit sich, dass niemand in der Türkei bereit ist, als freier Handelsvertreter zu arbeiten. Den freien Handelsvertreter, den wir aus Deutschland kennen, gibt es in der Türkei nicht.

Laut Wikipedia ist der Handelsvertreter, auch Handelsagent, selbständiger Gewerbetreibender, der damit beauftragt ist, für einen anderen oder mehrere andere Unternehmer (Anbieter) Geschäfte zu vermitteln oder in dessen bzw. deren Namen abzuschließen (Einfirmen- bzw. Mehrfirmenvertreter). Er arbeitet im fremden Namen und auf fremde Rechnung und ist sowohl vom Kommissionär und Provisionsvertreter als auch vom Reisenden zu unterscheiden.
In Unkenntnis der Situation, möchten viele deutsche Unternehme über Handelsvertreter, den türkischen Markt erobern. Also mit einem Berufszweig, den es gar nicht in der Türkei gibt.

Warum es diesen Berufszweig nicht gibt, ist schnell erklärt. Durch den fehlenden Vertrauensvorschuss gegenüber dem Auftraggeber bzw. dem zu vertretenden Unternehmen, dessen Waren man verkaufen soll, gibt es keinen plausiblen Grund dafür, dass man irgendwie zusammenfindet.

Der türkische freie Handelsvertreter müsste sich auf dem Weg machen und versuchen die Waren zu verkaufen. Er müsste ein eigenes Fahrzeug besitzen. Dabei würde er das teuerste Benzin der Welt verfahren. Die Türkei ist flächenmäßig größer als Deutschland, also müsste er viel mehr Kilometer fahren und länger im Stau stehen als in Deutschland. Kommt der Verkaufserfolg zustande, dann nur deshalb, weil seine Zahlungskonditionen gut, sein Zahlungsziel länger ist, als das des Konkurrenten. Was steht im Vertrag nochmal: „Die Provisionen werden nach Geldeingang des Kunden zum darauffolgenden Monatsanfang an Sie überwiesen.“ Also muss der freie Handelsvertreter in der Türkei, wenn es den gäbe, einen langen Atem haben und diese Zeit abwarten können und zwei Parteien vertrauen, wo er das doch nicht mal bei einem schafft. Zum einen muss er hoffen, dass der Kunde nach 2-3 Monaten bezahlt und dann anschließend noch hoffen, dass sein Auftraggeber wirklich bezahlt. In der Zeit hat er sicher woanders einen Job angenommen, um seine Familie ernähren zu können.

Würde der deutsche Auftraggeber einen Verkäufer einstellen, ihm ein Auto und ein Fixum anbieten, das Geld zum Tanken, Übernachtungen und Spesen ihm vorweg geben, so könnte es funktionieren. In diesem Fall muss nämlich der Auftraggeber dem Verkäufer vertrauen. Tut er das?

So, wie im Baugewerbe der Türkei, der Grundstückspreis fast 70-80% der Gesamtinvestition ausmacht, kann man bei Verkaufstätigkeiten in der Türkei, ein genauso schräges Verhältnis, im Vergleich zu Deutschland, vorfinden. Der Arbeitgeber kann nämlich sicher sein, dass er am Ende des Monats dem Tankwart mehr für Sprit bezahlt haben wird, als der Angestellte an Gehalt bekommt.

Wie verkaufe ich in den türkischen Markt hinein?

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