Türkei: Damals, als der Gezi-Park “Taksim-Bahçesi” hieß

So, wie es in der Startrek-Serie in die Tiefen des Universums ging, so recherchiere ich nach alten Fotos für unsere Facebook Gruppe „Before Sharia Spoiled Everything“, aus der säkularen Zeit der Türkei, Iran, Irak, Ägypten, Afghanistan, u.a., die vor 1980 stammen. Damit nicht genug, wenn das so weiter geht, werde ich noch zum Bildrestaurator, zumal meine bearbeiteten Fotos, viel besser als die Originale ausschauen.

Taksim 1953, Passantin

Egal, wie gut man die Fotos bearbeitet, die Menschen auf den Fotos machen es letztendlich aus. Haltet Euch fest in Deutschland, ich werde Euch aus der Türkei der säkularen Zeit etwas verraten: Die Menschen lachten, waren unbeschwert, nicht in Gruppen unterteilt, schauten mit weit offenen, hoffnungsvollen Augen in die Zukunft. Noch etwas, sie waren modischer, zeiggemäßer und schicker gekleidet, als es heute der Fall ist.
Bei den Bildern fällt einem zudem folgendes auf. Während ich also diese alte grauen Bilder betrachte und restauriere, sind diese am Ende grüner, als die aktuellen „Farbbilder“. Neben dem Lächeln fallen einem die vielen Grünflächen auf, beides fehlt heute.

Beim Betrachten der Fotos kommt Wehmut hoch und bei den meisten der Spruch: „Wie konnte es soweit kommen?“ Stimmt!

1930 Türkiye Güzeli

Wäre die Türkei knapp 80 Jahre zurück, wäre sie 80 Jahre weiter. Zumindest in den Köpfen. Jetzt argumentieren einige bestimmt: „Schau Dir doch die modernen Bauten an, die Brücken, die Autobahnen, die Tunnels“. Da kann man nur sagen, es wäre schlimm, wenn es das alles nicht geben würde. Dann kann man auch sagen: „Wo war damals das Internet? Komm sag, wo war das Internet?“
Es geht um Menschen und darum, was der Mensch aus seiner Umgebung und Umwelt macht. So gesehen, macht die Türkei dunkle Zeiten durch und so wie es ausschaut, wird es in den Köpfen nicht heller werden, nicht in der nächsten Zeit. Ein Foto von heute, ist also dunkler und grauer, als eines aus der Vergangenheit.

Taksim 1953, Passantin

Wo wir bei den Bauten waren, können wir direkt auf den Taksim-Platz kommen. Eigentlich die Nr. 1 Show-Bühne der Türkei, bis man verboten hat, sich auf dem Platz zu versammeln.
Kundgebungen, Demonstrationen, Proteste, Tote, Feierlichkeiten…
Alles spielte sich hier ab. Als ich nun immer mehr alte Fotos teilte, tauchen vermehrt Fotos vom Taksim-Platz der früheren Jahre auf, bei denen man nur noch staunen konnte: „Das alles soll auf diesem einen Platz stattgefunden haben?“

Heutzutage undenkbar. Welche Frau traut sich schon?

Es gab sogar ein Stadion auf dem Platz, wo neben Fußballspielen auch Springreitturniere stattfanden. Der Gezi-Park hieß früher „Taksim-Bahcesi“, also „Der Garten von Taksim“. Natürlich mit wesentlich mehr Grün und sehr vielen Bäumen dazu.
In dem Stadion spielte Taksim-Spor. Der langjährige Präsident des Vereins, Varujan Aslanyan, erzählt in seinen Erinnerungen zu damals, folgendes: „Gezi Parki hieß damals „Taksim Bahcesi“. Hier war vormals ein mit Zäunen umstelltes Fußballfeld. Der Eingang war 15m hinter der heutigen McDonalds Filiale. Die Anhänger aus Şişli, zumeist armenischen Ursprungs, saßen auf der einen Seite und die aus Pera, auf der anderen Seite. Nach den hitzigen Spielen ging es immer hoch her, so dass es zu Schlägereien kam. Was mir noch in Erinnerung geblieben ist, dass vom heutigen Divan Hotel bis zum Gebäude des TRT (staatl. TV- und Rundfunksender), ein riesiger armenischer Friedhof war. Die Grabsteine davon wurden später im Fundament des Hotels Divan benutzt.“

1964, Mödchengymnasium Izmir

Früher mussten, wie heute auch, die Friedhöfe weichen, damit Bauland entsteht, heute werden sogar historische Gebäude von vor einigen Tausend Jahren abgerissen, eigentlich aus der Zeit, in die die Türken des Herrn Erdogan wieder zurückkehren möchten.

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