Der Istanbuler Tafel

Was hat Istanbul nicht, was Essen hat? Um die Diskussionen um die Essener Tafel möchte ich auch meinen Beitrag leisten. Warum nicht, macht doch jeder mit.

Ich habe eine große deutsche Restaurantkette mit italienischer Küche der Fine-Fast-Food Klasse, also Selbstbedienung, in die Türkei geführt und den ersten und wie es sich später herausstellen sollte, den einzigen Laden, in der Türkei eröffnet.
Ich möchte jetzt hier nicht mit den Details kommen, die von vertraulicher Art sind nur so viel. Auch wenn der Laden heute brummt, so brauchte es seine Zeit sein Publikum zu finden. Es gab ein Problem. Weil sich die Türken nicht gerne anstellen, stellten sie sich an und hatten Mühe sich an den Laden zu gewöhnen.
Allein der Gedanke, in einem so nobel aussehenden Restaurant, sich selber zu bedienen und sich anzustellen und zu warten, das geht in türkische Köpfe nicht rein. Mehrfach Überwindung ist gefragt.
Wenn zwei Personen eine Schlange bildeten, Ihr wisst, dass ist die Mindestanzahl von Menschen, um von einer Schlange bzw. sich Anzustellen zu reden, war schon zu viel.
In dem Jahr der Eröffnung des Ladens feierte der Fußballklub Fenerbahce 100jähriges Bestehen. Wie der Zufall wollte, sollten sich alle die danach auf ein 16km langen Marsch über die noble Bagdat Straße sich auftun wollten, vor unserem Restaurant treffen. Wir waren gewappnet. Die Massen konnten kommen, doch sie kamen nicht. Sie versammelten zu Tausenden vor der Tür, nur sie kamen nicht rein. Es waren ja schon zwei in der Schlange. Nun gut, das Restaurant ist heute hoch erfolgreich.
Normalerweise ist diese Restaurantkette daran gewöhnt „Plug&Play“ zu operieren. Nicht einmal Werbung muss man machen. Die Türen auf und schon geht es los. Das funktioniert aber nur in den Ländern, die sich der deutschen Kultur, was das Verhalten in der Schlangestehen angeht, ähneln.
Auch bei der Eröffnung von Zürcher SihlCity Restaurant der Kette war ich dabei. Im Anstellen sind die Schweizer Hardcore. Sie halten den nicht einmal gesetzlich vorgeschriebenen, aber selbstauferlegten Sicherheitsabstand von 53 cm. zum Vordermann .
Wie ich von anderen Gelegenheiten z.B. in Supermärkten weiß, sind die Schweizer eigentlich sehr kommunikativ, wenn sich nur die Gelegenheit dazu ergäbe. Das tut es zumeist, wenn man an der Kasse steht. Also erzählt man seine Lebensgeschichte der Kassiererin. Die hört sich das gerne an. Am liebsten würde sie auch ihre Geschichte erzählen, aber das tut sie sicher, wenn sie selber mal einkaufen geht an einer anderen Kasse. Die in der Schlange schweigen und warten. Ich an 4. Stelle stehend muss natürlich auch.
Leider haben die Türken diese Unart sich nicht anstellen zu können und noch schlimmer, immer vorzudrängeln. Besonders gut konnte man das früher als die Boarding-Cards schon vor dem Eingang in den letzten Warteraum des Flughafens eingesammelt wurden beobachten. Der Mann, der sich ganz nach vorne drängelte, schrie: „Was soll das denn, lasst die Frauen und Kinder nach vorn!“ und drückte seinerseits weiter. Er war der selbsternannte 1. Offizier der Organisatoren.
Es wird nicht ausbleiben, dass Menschen aus gewissen Ländern, wenn sie etwas Kostenloses sehen, solch ein Verhalten an den Tag legen werden, wie das auch in Essen der Fall ist. Das sieht man bei den Veranstaltungen der AKP in der Türkei, wo Menschen, die es nicht einmal nötig hätten, sich um drei Löffel Suppe schlagen und am Ende mit der leeren Tasse oder Teller dastehen. Alles ausgeschüttet!
Zum Essener Tafel möchte ich nicht viel sagen. Die Menschen, die es nötig haben, sollten davon ihren Teil abbekommen. Wie man die Austeilung der Mahlzeiten besser organisiert, damit jeder nur seinen Teil bekommt, dazu sind die guten Deutschen doch die Spezialisten. Es wird schon einen Weg geben. Guten Appetit!

Foto: Schwarzer Tafel von alfavita.gr

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