DER TARZAN VON MANISA

Ich denke, wer sich schon in den 20er und 30er Jahren mit dem Umwelt sich befasste, muss auch weltweit einer der ersten dieser Gattung gewesen sein.

Ein Mann, den es heute in dieser Form in der heutigen Türkei nicht geben würde bzw. könnte. Sicher säße er in irgendeinem Gefängnis. Die Gründe würde man schon erfinden. Mit nacktem Oberkörper in der Öffentlichkeit sich zeigen, weil er sich immer im Wald aufhielt, die Zugehörigkeit zu einer terroristischen Organisation, könnte auch nahe liegend sein. Eigentlich das Aufforsten würde aber sein schwerstes Vergehen sein, zumal man doch absichtlich die Wälder niederbrennt, um Bauland zu haben.

Bevor ich euch den Tarzan von Manisa vorstelle, möchte ich an meinen Freund Osman Kavala erinnern, der jetzt über 4 Monate ohne Anklage in der Türkei einsitzt. Er ist ein reicher Unternehmer und führt die Stiftung für anatolische Kultur, die sich der kulturellen Vielfalt des Landes verschrieben hat und diese vor dem Vergessen und der Zerstörung bewahren will. Es geht dabei um zum Teil uralte einheimische Kulturen, die von der türkischen Republik jahrzehntelang vernachlässigt, geleugnet oder unterdrückt wurden – von den Armeniern über die Kurden bis zu den Jesiden. Mit Ausstellungen, Filmen, Konzerten, Werkstätten und weiteren Kulturprojekten bemüht sich die Stiftung, das verschüttete Erbe ans Tageslicht zu holen, bevor es zu spät ist. #FreeKavala #FreeThemAll.

Der Tarzan von Manisa

Ahmet Bedevi war ein angesehener und beliebter Mann. Er wurde in der Stadt Manisa so akzeptiert, wie er war.

Der Tarzan von Manisa (1899–1963) war der Beiname von Ahmet bin Carlak, einem Sonderling, der 40 Jahre auf dem Spil Dağı bei Manisa lebte. Der „Tarzan Manisas“ (tr. Manisa Tarzanı) gilt als erster Umweltschützer der Türkei.  Er selbst nannte sich Ahmet Bedevi („Ahmet, der Beduine“). Er wurde im Jahr 1899 geboren. Berichten zufolge war entweder Bagdad oder Samarra sein Geburtsort. Er nahm in Antep am Türkischen Befreiungskrieg teil und gehörte auch zu jenen Truppen, die Izmir eroberten. Er wurde im Krieg verwundet und erhielt aufgrund seiner Tapferkeit die İstiklâl Madalyası am roten Band. Unmittelbar nach dem Krieg ließ sich Ahmet Bedevi in Manisa nieder. Dort beeindruckten ihn die Folgen eines großen Brandes.

Die Wiederaufforstung der Region war von da an sein Lebensinhalt.

Bedevi pflanzte und pflegte unzählige Bäume. Ab dem Jahr 1924 nahm er sich den Bart nicht mehr ab. Die Leute nannten ihn aus diesem Grund erst Hacı („Pilger“). Ahmet Bedevi kleidete sich alsbald nur noch in kurzen Hosen. Seinen Oberkörper ließ er unbedeckt. Er lebte 40 Jahre lang allein in einer Hütte, die er „Topkale“ (etwa: Kanonenburg) nannte, und nahm den Namen Ahmet Bedevi an. Möglicherweise war es auch die Bevölkerung Manisas, die ihm den Spitznamen Ahmet Bedevi gab. Bedevi lernte an den Halk Mektepleri (etwa: Volksschulen) die türkische Lateinschrift und nahm am öffentlichen Leben teil. Er kam regelmäßig in die Stadt, wo er im Lokal Dede Niyazis bewirtet wurde. Als Gegenleistung brachte Bedevi Wasser vom Berg zum Restaurant. Zeitweilig verrichtete Bedevi Hilfsarbeiten für die Stadtverwaltung. 1933 soll er für den Monatslohn von 30 TL als Hilfsgärtner eingestellt worden sein. Als 1934 der Film ‘Tarzans Vergeltung’ in den Kinos Manisas anlief, erhielt Bedevi den Beinamen „Manisa Tarzanı“, zu Deutsch „Der Tarzan von Manisa“.

Bedevi nahm mit Rauschebart und nacktem Oberkörper an offiziellen Siegesparaden zum Gedenken an den Unabhängigkeitskrieg teil. Die Medaille trug Bedevi dabei auf dem Blatt einer Zierpalme, das er sich um den Hals gebunden hatte.

Bedevi war Bergsteiger. Gemeinsam mit Mitgliedern des örtlichen Bergsteigervereins bestieg er den Ararat, den Cilo Dağı (1957), die Aladağlar und den Demirkazık Dağı (1959).

Im Jahr 1959 war Bedevi gemeinsam mit dem Bergsteigerklub Manisas in Konya und Niğde zu Gast. Sein Erscheinen lockte dort Zehntausende Schaulustige an. Zunächst wollte man Bedevi den Eintritt ins Mevlana-Museum wegen seines nackten Oberkörpers verwehren. Bedevi zeigte hingegen auf die Inschrift Mevlanas über der Tür, die sinngemäß lautete: „Komm zu mir, wer auch immer du bist!“, und trat ein.

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