An der Marktreife wird noch gefeilt*

50 km schnell und 50 km Reichweite.

„Mutige vortreten“ sagte Herr Erdogan, damit wollte er Unternehmen aus der türkischen Wirtschaft dazu bewegen, endlich das erste türkische Auto zu produzieren. Mutige Unternehmer gab und gibt es in der Türkei zuhauf, das kann ich bezeugen.

Anscheinend wusste Herr Erdogan nicht, was für ein hoffnungsloses Unterfangen das heutzutage ist, eine neue Automarke auf dem Markt zu bringen. Nun gut, in China gibt es das, aber schließlich ist das weltweit der größte Automobilmarkt. Dann kommt noch hinzu, dass die Chinesen mit den bekannten Automarken kooperieren und nicht versuchen, komplett etwas Neues zu entwickeln.

Model: Republik. Früher wurde man für so etwas, wegen Beleidigung der Republik abgeführt.

Bis zu Tesla als E-Auto gab es Jahrzehnte lang nicht eine neue Automarke, die vom Boden gestampft und erfolgreich wurde. Wenn das so einfach wäre, würden die etablierten Marken, oder Personen aus dem Dunstkreis dieser schon mal losgelegt haben. Taten sie aber nicht.

Immer wieder stellte man die „Mutigen“ der Presse vor. Sie waren auserkoren das erste türkische Auto zu bauen. Immer wenn man mit dem Finger auf diese zeigte: “Hier, das ist einer der Mutigen!” war das ein Industrieller, der nichts von seinem Glück wusste und zusammenzuckte. Peinlich!

Zuerst wollte man auf Saab Technologie greifen, es wurde auch viel Geld in die Marke investiert, bis man feststellte, dass die Chinesen allein das Recht hatten Saab-Autos zu bauen, wenn sie denn wollten. Die Markenrechte hatte die Türkei, aber die Produktionsstätte, die Chinesen gekauft.

Das türkische Auto soll 2019 vorgestellt werden und 2022 in Produktion gehen, oder so. Gestern nun sagte der Technologie und Wissenschaftsminister Faruk Özlü, bei einem Treffen des Verbandes der Automotiv Industrie, dass sie zuerst in diesem Monat einen CEO ernennen werden. Danach möchten sie einen Monat später, ein Unternehmen gründen. Eigentlich läuft es in anderer Folge, zuerst ein Unternehmen, dann ein CEO, aber gut, er ist nicht der Wirtschaftsminister, woher soll er so was auch wissen. Daraus geht hervor, dass jetzt doch der Staat das Auto bauen wird.

Der Staat als Unternehmer hat selten funktioniert. Nicht nur in der Türkei, sondern weltweit. Ach so, weil Elon Musk Ende letzten Jahres in der Türkei war, kam man auf die Idee ein E-Auto zu bauen. Geht ja auch einfacher, dachte man. Etwas Karosserie, ein E-Motor und fertig ist das türkische Fahrzeug.

Also, ich sag mal so. Die türkische Bevölkerung lässt schon alles mit sich machen, aber wenn man sie per Dekret dann irgendwann mal zwingt ein türkisches E-Auto zu kaufen, gehen sie bestimmt auf die Straße und demonstrieren. Dann haben sie die Schnauze endgültig voll.

Wichtig! Ich möchte nicht mir der Postillon konkurrieren. Den Artikel über die bebilderten Prototypen der Universität Pamukkale gibt es unten tatsächlich.

(*) Es wird an der Marktreife der Fahrzeuge aus der Uni-Schmiede Pamukkale gearbeitet, nicht an dem tatsächlich zu bauenden Fahrzeug. Da muss alles noch anrollen.

Der Link zu den Prototypen der Autos, die von der Pamukkale Uni entwickelt wurden. Im Text steht auch, dass man an der Marktreife arbeitet.

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