„Ömmesöns es dä Dud“

Heute vor 31 Jahren, am 13. März 1987 ging ich in die Selbständigkeit. Blauäugig wie ich war, wollte ich türkische Unternehmen beraten, die Deutschland-Geschäfte im Visier hatten.

Irgendwie hätte ich das Wort „Beraten“ weglassen sollen, denn damals wie heute sind die türkischen Geschäftsleute beratungsresistent.

Nach 18 Monaten Kampf, bekam ich meinen ersten Auftrag. Nein, nicht von einem türkischen Unternehmer, denn ich hatte die Richtung gewechselt. Jetzt wollte ich Unternehmen aus Deutschland beraten, die in die Türkei wollten. Nun gut, wollen wollte niemand, aber hätte ja sein können. Zuerst musste ich daran arbeiten und die Nachfrage erzeugen. Das ist in etwa so, dass du erst einmal in der Wohnung des potentiellen Kunden einbrechen musst, um ihm anschließend eine Alarmanlage zu verkaufen.

Klar, es tummelten damals wie heute Hunderte und Tausende Türkischstämmige, die das gleiche vorhatten. Deutsche Kunden für die Türkei gewinnen.

Ich spielte die Rolle des Interessierten und ließ mich kurz von einem Türkei-Berater beraten. „Isch habe gute Kontakte in der Türkei, mein Onkel kennt Minista, wir können alles machen. Türkei billige Arbeitskräfte. Viel billiga als Deutschland.“

Unterschiedlicher und besser zu sein war also nicht schwer. Ich übersprang eine Stufe des Beratungsauftrages, die man normalerweise nicht unentgeltlich macht, nicht machen sollte. Anders war allerdings ein Alleinstellungsmerkmal nicht möglich.

Der potentielle Kunde erhielt von mir in der Akquise-Phase eine Ausarbeitung darüber, wie es für ihn in der Türkei ablaufen könnte und das umsonst. Zumeist 10-20 Seiten, statt 3 Zeilen, von der Konkurrenz. Das machte den Unterschied und ich bekam die Aufträge. Den Spruch, „Ömmesöns es dä Dud“ („Umsonst ist der Tod“ auf Kölsch), kannte ich schon, nur von alleine hätte sich zu meinen Gunsten nichts bewegt.

So sieht man am Anfang aus, wenn man Türkei-Berater wird.

Wenn Ihr jetzt glaubt, danach ist alles glatt gegangen, dann irrt Ihr Euch gewaltig. Je nach dem, in welcher politischer und/oder wirtschaftlicher Situation sich die Türkei befand, ging es für mich ebenfalls auf und ab. Allerdings gab es dabei auch einen positiven Aspekt. In schwierigen Zeiten die Auftraggeber durch die Klippen zu steuern, brachte es mit sich, dass ich mich als Türkei-Experte profilierte.

Ich habe zu keiner Zeit Probleme mit den jeweiligen Regierungen gehabt. Es war immer bekannt, dass ich keiner Ideologie folgte. Wie hätte ich auch die vielen deutschen und Schweizer Unternehmen sonst erfolgreich in der Türkei etablieren können, ohne die Hilfe der Behörden und manchmal Ministerien?

Das ich heute wieder von Deutschland aus operiere hat gesundheitliche Gründe. Ich bekam keine Luft mehr in der Türkei von heute.

Das verstehen aber sogar meine AKP Freunde. Ihr sollt nicht glauben, dass sie alle so agieren und denken, wie die Regierung und der Mann an der Spitze. Nur den Zeitpunkt, das Schiff zu verlassen haben sie verpasst. Für sie gilt: „Mitgefangen, mitgehangen!“

Ich liebe die Türkei. Sogar die mittlerweile hasserfüllten Menschen der Türkei, denn im Herzen sind nun mal alle Menschen gut, bis sie den Verstand ausschalten und dem Bösen folgen.

Übrigens, die Aufs und Abs, privat und geschäftlich, gibt es demnächst in meinem Buch: “Kaltstart Nr. 8”.

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