Fotobeweis: Agrarland Türkei war mal

Ein Bild sagt mehr als Tausend Worte. Lange Jahre habe ich in Alanya gelebt. Orangen- und Zitronenbäume in den Gärten, an den Straßen und überall. Wenn ich ein Salat machen wollte, pflückte ich die Zitronen vom Baum im Garten. Die Region Antalya/Alanya ist bekannt als Schatzkammer der Türkei und der Welt für Orangen, Zitronen, Bananen und Avocados im Besonderen.
Die Türkei ist eines der Hauptexporteure dieser Produkte auf den Weltmärkten, mit einem immer kleiner werdenden Anteil. Das Agrarland Türkei blutet aus. Die Agrarflächen werden zu Bauland und das hier ist die Erklärung dafür, warum das so ist.

Vorgestern passierte es. Mein Freund Feyzi Açıkalın, Alanyaner erster Güte, Zahnarzt, Cumhuriyet Kolumnist und Hobbyfotograf mit Profiambitionen, geht bei einem der größten Lebensmittelfilialisten der Türkei in Alanya einkaufen. Er kann seinen Augen nicht trauen. Er, der in den letzten Jahren die Hoteliers immer kritisierte, dass sie den Touristen, statt frischgepressten Orangensaft aus der Region nur Konzentrate anboten: Importorangen!

Das Bild ist peinlich unscharf, zumal Açıkalın ein Profi ist. Ich fragte ihn, ob er es selber unkenntlich machte, damit man den Lieferanten nicht erkennen kann. „Ich musste schnell und unbemerkt fotografieren, du weißt, die erlauben keine Fotos im Laden, erst zuhause merkte ich, dass es unscharf war“.
Dieses eine Foto ist der Beweis, worüber ich seit Jahren berichte. Die Türkei steuert man bewusst in die Importabhängigkeit. Dass das sogar bei der Orange passiert, hätte ich mir, besonders in Alanya, niemals vorstellen können, denn der Preis für 1 Kg. Orangen beim Bauern beträgt unter 1 TL also weniger als 20 Cent.
Wer bei diesem geringen Preis nicht vom türkischen Bauern kauft und Orangen u.a. importiert, kann man getrost als Staatsfeind und Komplizen eines Plans titulieren.

In der Hochsaison, in der man sich befindet, bekommt man die Orangen auf dem Markt zu einem symbolischem Preis, nur damit sie weg sind. Es passierte vor einigen Jahren noch, dass man am ende der Saison sogar Orangen in Kartons an den Verkehrsampeln aufstellte, damit diese mitgenommen werden. Dann das!

So werden die türkischen Bauern in den Ruin getrieben. Am Ende bietet man ihnen einen geringen Preis für ihr Agrarland an und schon hat man Bauland geschaffen. Macht eigentlich Beton satt?

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